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Brieftauben

Knapp an einer Katastrophe vorbei

Kleintierzucht | Donnerstag, 24. Januar 2013, Rita Schmidlin

Am weltgrössten Brieftaubenwettflug in Südafrika gab es für Sportler, Betreuer und Organisationen bange Momente zu überstehen. Nach dem sogenannten Autorennen fehlten nämlich mehr als 1000 Tauben.

Am ersten Trainingsflug am South African Million Dollar Pigeon Race waren 4595 Jungtauben aus der ganzen Welt am Start. Es ist jedem Brieftaubensportler klar, dass Tauben verloren gehen – bei jedem Training, bei jedem Wettflug und auch im Freiflug. Fachleute sind der Meinung, dass man bei den Jungtauben mit etwa 50 Prozent Verlust rechnen muss. Es scheint, dass es einen Anteil gibt, der nicht über das Heimfindevermögen verfügt, andere werden Opfer von Greifvögeln oder verunfallen auf den Flügen. Genaue Zahlen sind nicht bekannt.

Nach vielen Trainings- und Wettflügen fand Ende Dezember das vierte «Autorennen» statt, das «Hot Spot Car Race». An diesen Wettflügen gewinnt der Sieger ein Auto. Von den ursprünglich über 4000 Tauben waren noch 3299 am Start. Es war ein schöner Samstagmorgen, beim Auflass um 5.20 Uhr war es 19 Grad warm, der Himmel war klar. Die Distanz des Fluges betrug 303 Kilometer. Die Betreuer der Tauben berichteten, dass die Fahrt nach Bloemhof, dem Auflassort, problemlos verlief: «Wir fütterten und tränkten die Tauben um 15 Uhr. Am Abend entfernten wir das restliche Futter, das Wasser blieb drin, falls einige Tauben nachts Durst bekamen.» Am Morgen musste das Fahrzeug nur um einige hundert Meter zum Auflassort verschoben werden. «Wir warteten bis etwa zehn Minuten nach Sonnenaufgang ab, dann liessen wir die Tauben starten bei absolut perfekten äusseren Bedingungen», hiess es weiter. Was dann geschah, wird man wohl nie erklären können. Brieftaubensportler wird die Meldung an eigene Flüge erinnern. Die Tauben teilten sich in zwei grosse Schwärme auf. Ein Schwarm zog rasch Richtung Heimat ab, der andere, etwas kleinere, flog genau in die Gegenrichtung. Nach etwa fünf Minuten kamen diese Tauben zurück, nicht mehr im Schwarm, sondern auf einer langen Linie, den ganzen Horizont füllend.

Noch 15 Schweizer Tauben fliegen beim entscheidenden Rennen um den Sieg
Am Abend gab es lange Gesichter, über tausend Tauben fehlten. Organisatoren und Betreuer verbrachten eine schlechte Nacht. Sie versuchten, sich gegenseitig zu trösten. Der Auflass war korrekt, das Wetter gut, die Tauben alle gesund und bestens trainiert.

Der Sonntagmorgen brachte dann Erleichterung, schon früh nach Tagesanbruch erschienen die ersten der «Übernachter» und bis am Montag waren 2926 Jungtauben registriert. Wie ein Betreuer meinte, seien die Tauben, die am Sonntagmorgen eintrafen, frisch gewesen. Wo sie gewesen sind, verraten die Tauben natürlich nicht, aber erfahrungsgemäss haben sie bei diesem Übernachtungsflug viel gelernt. Die Taube «Gabi L» aus der Slowakei hatte das vorgängig bewiesen. Sie war von einem Flug ausgeblieben und hatte anschliessend beim nächsten Autorennen den 3. Rang belegt. Sie war also offensichtlich klüger geworden bei ihrem Übernachtungsflug.

Die meisten der Schweizer Tauben waren im ersten Schwarm dabei und sind recht gut angekommen. Die beste im 69. Rang von der ZG Helios, die zweite, die Taube «Gala» von Ivica Milanovic, wurde als 188. Taube registriert. Wäre das der Endflug gewesen, hätten die Besitzer wohl Freude gehabt. Für Rang 69 gibt es 2000, für Rang 188 immerhin noch 1000 US-Dollar.

Am 12. Januar fand das 5. «Hot Spot Car Race» statt. 2960 Tauben waren am Start, bis Sonntagmittag waren 2668 zurück. «Gala» wurde als beste Schweizer Taube auf Platz 180 vermeldet. Milanovic, der total entsetzt war, als er von den tausend fehlenden Tauben erfuhr, war wieder beruhigt. Seine «Gala»ist immer noch gut dabei. Wenn man die Abstammung sieht, ist das nicht überraschend. Der Vater führt den Namen Vandenabele/Deleus, die Mutter ist eine Tochter vom 230er des deutschen Meisters F.W. Gonschior.

Am fünften Hot Spot waren sieben Schweizer Tauben unter den ersten tausend dabei, sie belegten die Ränge 180, 253, 354, 593, 666, 739 und 841. Am Samstag, 2. Februar, findet dann der alles entscheidende Flug vom South African Million Dollar Race statt. Noch sind 15 Schweizer Tauben im Einsatz. Nur eine kann gewinnen, aber 300 können gute Preise erzielen. Gut Flug für alle, besonders aber für die Helvetier!

 

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