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Zoo Zürich

Am Anfang waren die Elefanten

Zoo | Samstag, 24. Februar 2018 12:50,

Ein rundes Jubiläum: Vor 90 Jahren wurde der Grundstein für den Zoo Zürich gelegt. Aus diesem Anlass blickten die Verantwortlichen in seine lange Geschichte, in welcher Elefanten eine tragende Rolle spielen.

Der 16. Februar 1928 war ein denkwürdiger Tag. An dem Datum wurde von der Tiergarten-Gesellschaft die Genossenschaft Zoologischer Garten Zürich gegründet. Es war der Anfang der langen Geschichte des Zoos Zürich. Eine Lokalität war bald gefunden, um auch in Zürich einen Zoologischen Garten bauen zu können: Die Liegenschaft «Säntisblick» an der Zürichbergstrasse 221 am 1. Juni des Gründungsjahres eignete sich dafür bestens.

Von dem Moment an ging alles schnell. Nach nur elfmonatiger Bauphase öffnete der Zoologische Garten Zürich am 7. September 1929 seine Tore.

Zoostart mit zwei Elefanten
An den Beginn erinnerten die Verantwortlichen des Zoos Zürich bei einem Presseapéro am Mittwoch. Schon der Start des Zoologischen Gartens sei von grossem Wohlwollen begleitet gewesen, erzählten sie. Und auch davon, wie ein Kreis von «Überseern», Auslandschweizern, eine Geldsammlung startete.

Ihr Ziel war es, dem jungen Unternehmen zwei Elefanten zu schenken, einen grösseren und einen kleinen. Die Aktion war erfolgreich. Und sie kamen die beiden Elefanten am 3. September 1929 nach Zürich: die erwachsene Kuh Mandjullah und das Bullenkalb Chang. Erwoprben hatte man sie in der Tierhandlung Hagenbeck in Hamburg – gerade rechtzeitig zur Eröffnung des Zoologischen Gartens.

Elefant tötete Pfleger und illegale Besucherin
Wie der Zoo Zürich schreibt, sei Mandjullah als Reitelefant eingesetzt worden. Er trug unzählige Kinder durch den Zoo. Der kleine Chang wurde knapp zweieinhalb Jahre nach seiner Ankunft nach Nürnberg weitergegeben und vier Jahre später durch Chang II, einen gleichfalls jungen Bullen ersetzt. Nicht alles sei jedoch reibungslos verlaufen. Gemäss Angaben des Zoos Zürich habe Chang II 1947 als elfjähriger Bulle für negative Schlagzeilen gesorgt. An Heiligabend tötete er seinen Pfleger. Schon drei Jahre zuvor hatte Chang eine nächtliche Zoobesucherin getötet, die sich unberechtigt Zutritt zum Stall verschafft hatte.

1948 wurde die etwa vierjährige Valaya neue Gesellschafterin von Mandjullah. Die «provisorische» Unterkunft war inzwischen etwas ausgebaut worden. Mandjullah starb 1966 im Alter von gut 57 Jahren. In der Folge wurde der Elefantenbestand ausgebaut. Von einem Schweizer Tierhändler erworben kam 1966 Thaia in den Zoo. Und im Folgejahr schenkte der König von Buthan dem Zoo die beiden weiblichen Jungtiere Chhukha und Druk.

Ende des langjährigen Provisoriums
Lange waren die Elefanten in einem «Provisorium» im Hauptgebäude untergebracht. Es hatte 1971 mit der Eröffnung der neuen Elefantenanlage endlich ausgedient. Die neue und moderne Anlage bot eine wesentlich grössere, reich gestaltete Aussenanlage. Die Betreuung der Tiere blieb traditionell im direkten Kontakt. Nachts wurden die Elefanten an ihren Plätzen angekettet, auch um zu verhindern, dass sie in den Graben zwischen Stall und Besucherraum fallen konnten.

Als weiterer Zugang traf 1976 Ceyla-Himali als noch nicht ganz einjähriges Jungtier in Zürich ein.

Beginn einer erfolgreichen Zucht
Laut Angaben des Zoos Zürich bot die neue Anlage bot noch keine Möglichkeit, auch einen Bullen sicher unterzubringen. So schickte man die Kuh Thaia zweimal per Eisenbahnwaggon nach Kopenhagen. Diese «Hochzeitsreisen» waren nicht von Erfolg gekrönt.

1981 konnte die Anlage dank der Unterstützung grosser Elefantenliebhaber um einen Bullenstall erweitert werden, der im gleichen Jahr vom früheren Zirkuselefanten Maxi bezogen wurde. In diesen Jahren wurden die weiblichen Elefanten auch auf Spaziergänge ausserhalb des Zoos mitgenommen. Mit Komali wurde 1984 schliesslich der erste Elefant in Zürich geboren, der Start einer bis heute erfolgreichen Zucht.

Kleine Entwicklungsschritte in der Haltung
Auf Initiative der Tierpfleger wurde 1994 eine mobile Absperrung eingebaut, mit der der Graben im Haus gesichert werden konnte. Von da an wurden die Elefanten auf dem Podium nachts nicht mehr angekettet. Lediglich für das Waschen wurden die Tiere an ihren Plätzen noch mit Ketten festgehalten. Während der Anwesenheit der Tierpfleger wurde die Grabenabsperrung heruntergefahren und so hatten die Besucher eine freie Sicht auf die Elefanten.

Die klassische Elefantenhaltung zeichnete sich zu jener Zeit aus durch ein Management der Tiere im direkten Kontakt und durch einen Austausch von Einzeltieren. Das schränkte die Möglichkeiten ein, als gefährlich eingestufte Tiere zu platzieren, und riss Familienstrukturen auseinander. Einzig Bulle Maxi wurde von Beginn an im geschützten Kontakt betreut. Er hatte einen eigenen, durch eine Mauer vom Kuhgehege abgetrennten Aussenbereich.

2002 wurde diese Mauer aufgebrochen und das Bullengehege in den anderen Gehegebereich erweitert. Mit der kettenlosen Haltung wurde es möglich, den Elefanten auch nachts Zugang zum Aussengehege zu geben.

1999 übernahm der Zoo vom Circus Knie die Elefantenkuh Indi. Schon der erste Kontakt von Indi mit Maxi trug 22 Monate später mit der Geburt von Chandra Früchte. Um die möglichen Risiken zu minimieren, wurde die werdende Mutter jeweils in einer Wurfbox abgetrennt und die Geburt mit Nachtwachen begleitet, um notfalls eingreifen zu können.

Dass die Tiere sehr wohl selber die Geburten managen können, zeigte die erste Gruppengeburt auf der Aussenanlage im Jahre 2005. Die weiteren Kälber sind seither jeweils in der Gruppe geboren worden.

Ausbau und Neubau der Elefantenanlage
Für das Jahr 2005 kündeten sich zwei Geburten an. Mit diesem Zuwachs war absehbar, dass das bestehende Platzangebot im Haus nicht ausreichen würde. Im Schnellverfahren wurde zur Raumerweiterung ein Annexbau realisiert.

Die ersten Diskussionen zur grundlegenden Neugestaltung der Elefantenhaltung im Zoo Zürich starteten 2007 mit der Festlegung der Vorgaben für die neu zu planende Elefantenanlage. Stichworte dazu sind der Wechsel vom direkten zum geschützten Kontakt (Sicherheit für die Pfleger, freie Entwicklung der sozialen Organisation), Aufbau matrilinearer Gruppen, Möglichkeit der Haltung von zwei Bullen, abwechslungsreiches und für die Tiere räumlich wie zeitlich aufwändigeres Fütterungssystem, grösseres Platzangebot (aus klimatischen Gründen insbesondere im Innenbereich) und landschaftlich gestaltete Innenanlagen. Im Hinblick auf die Umstellung des Managementsystems von direktem zum geschütztem Kontakt wurden sowohl die Pfleger als auch die Tiere mit Unterstützung externer Fachleute in neue Trainingsmethoden eingeführt.

Jüngste Elefantengeschichte
Die Eröffnung des neuen Kaeng Krachan Elefantenparks mit neuem Management erfolgte im Juni 2014. Kurz darauf wurde Omysha, die zweite Tochter von Indi, geboren. Und im gleichen Jahr ergänzte Thai als zweiter Bulle den Bestand.

Dank des Trainings und der entsprechenden Infrastruktur können die Elefanten auch im geschützten Kontakt weiterhin gut gepflegt und medizinisch betreut werden. Das gilt gleichermassen für die Jungtiere – am 25. Februar 2017 kam Ruwani in zweiter Zoogeneration zur Welt, – deren Interesse die Tierpfleger als «Aussenstehende» zuerst wecken müssen.

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