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Soziale Medien

Wie Big Data zum Naturschutz beitragen kann

Wildtiere | Mittwoch, 11. September 2019, Meret Signer

Jeden Tag werden in den sozialen Medien Millionen von Fotos hochgeladen – auch aus Vogelschutzgebieten. Forscher haben die Daten ausgewertet und wissen nun, wo mehr Schutz dringend nötig ist.

3,5 Milliarden Menschen benutzen jeden Tag aktiv verschiedene Social-Media-Kanäle. Das sind 45 Prozent der Weltbevölkerung. Diese Zahlen stammen aus dem Global Digital Report 2019 der Social-Media-Marketing-Firma Hootsuite. 3,4 Milliarden nutzen die sozialen Medien täglich über das Smartphone. Millionen von Bildern und Posts werden jeden Tag hochgeladen. Viele, wenn nicht die meisten davon werden zudem mit Ortsangabe gepostet und sind öffentlich einsehbar. Eine gigantische Menge an Daten.  

Genau diese Daten können Naturschützer mit wichtigen Informationen versorgen, wenn man sie denn nutzt. So können daraus Rückschlüsse gezogen werden, welche Naturschutzgebiete wie oft besucht werden. Genau dies tat ein internationales Forscherteam um Anna Hausmann von der Universität Helsinki. Die Forscherinnen und Forscher werteten Posts von 2016 bis 2017 aus den Plattformen Twitter und Flickr aus, die mit einer Ortsmarke aus einer der 12'765 «Important Bird and Biodiversity Areas» (IBAs) der Welt versehen waren. Zusammen waren das über 67 Millionen Posts.  

Die Rolle International ausgeschiedener Gebiete
IBAs sind vom Vogelschutzverbund Birdlife International ausgeschiedene Gebiete, die besonders für Vögel von grosser Bedeutung sind. Nicht alle von ihnen stehen auch unter Naturschutz. In der Schweiz gibt es 31 solche IBAs, darunter zum Beispiel der Klingnauer Stausee im Aargau als wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel und das Maggiatal als Brutgebiet für seltene Bergvögel.    

In über 95 Prozent der IBAs weltweit stellten die Forscher Social-Media-Aktivität fest. Die höchste Dichte an Nutzern wurde in Europa gemessen, gefolgt von Asien. Die meisten IBAs mit hoher User-Dichte lagen zudem in gemässigten Zonen, gefolgt von trockenen, tropischen und subtropischen Gebieten. Natürlich gibt es weltweit grosse Unterschiede in Smartphonenutzung und Zugang zu Internet. So stellten die Forscher fest, dass in Gegenden mit höheren Bevölkerungsdichten mehr Posts abgesetzt wurden. Eine hohe Bevölkerungsdichte gehe meist mit besserer Mobilfunkabdeckung und höherer Aktivität auf Social Media einher, schreiben die Forscher im Fachjournal «Science of the Total Environment».  

Die Grafik zeigt die User-Dichten auf Social Media und die potentielle Bedrohung von IBAs weltweit. Die User-Dichte variiert von blau (niedrig) bis rot (sehr hoch), die Bedrohung wird in hellen (niedrig) bis dunklen (hoch) Farbtönen dargestellt.
  Grafik: Hausmann et al.

 

Besucher wollen Spektakel
Erklären lassen sich die Ergebnisse aber auch dadurch, dass gewisse IBAs besser zugänglich sind als andere, dank Strassen, Besucherzentren und sonstigen touristischen Annehmlichkeiten. In den reicheren Gegenden der Erde – Europa, Nordamerika, Australien und Ozeanien sowie in den gemässigten Zonen – erklärt zudem das Bruttoinlandprodukt den Unterschied in den Besucherdichten. Dass der Wohlstand eines Landes global einen Einfluss hat, liess sich aber nicht feststellen.  

Wie die Forscher weiter feststellten, sind für Besucher IBAs, in denen sich Vögel von einer Art in grosser Zahl treffen und so für Naturspektakel sorgen, besonders attraktiv. Bekannte Beispiele dafür sind die Sammelplätze der Kraniche in Osteuropa vor dem Herbstzug oder die Paarungstänze von Flamingos. Auch riesige Kolonien von Seevögeln ziehen Besucher an. Ihre Arbeit gäbe erstmals einen Einblick in die Präferenzen der Besucher von IBAs und kann so auch auf mögliche Gefahren hinweisen, schreiben die Forscher.

So stellten sie etwa fest, dass 17 Prozent der besonders häufig besuchten IBAs auch besonders gefährdet sind, ein Grossteil davon in Europa. Es liesse sich sogar sagen, wo in einem Gebiet sich besonders viele Besucher aufhalten. Dank solchem Wissen, liessen sich Massnahmen wie ein ausgeweitetes Monitoring oder eine bessere Lenkung der Besucherströme einleiten, um den Druck auf die Natur zu vermindern. «Unsere Arbeit zeigt, wie der Naturschutz aus technischen Entwicklungen Kapital schlagen kann, die noch vor ein paar Jahren unvorstellbar gewesen waren», sagt Studien-Co-Autor Stuart Butcher im Magazin von Birdlife International.

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