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Prothese

Nachtfalter fliegt mit Flügel von Tagfalter

Wildtiere | Montag, 14. Mai 2018, msi

Geht ein Schmetterlingsflügel kaputt, können geschickte Finger mit Leim einen neuen ankleben. Ein neues Video zeigt: Es geht auch mit Flügeln von verschiedenen Arten.

Wie man einem Nachfalter den Flügel eines Tagfalters anklebt (Video: Thomas Brück).

Vor einiger Zeit berichteten wir darüber, wie eine Frau aus dem US-Bundesstaat Texas den kaputten Flügel eines Monarchfalters mit einem neuen repariert hat (hier gehts zur Geschichte). Die Flügelspenderin war eine verstorbene Artgenossin.    

Nun zeigt ein Schmetterlingsfreund aus Deutschland, dass diese Prozedur auch funktioniert, wenn man den Flügel einer anderen Art transplantiert. Thomas Brück aus dem Saarland züchtet zuhause Schmetterlinge. Wie er in seinem letzte Woche bei Youtube hochgeladenen Video berichtet, hatte er noch einen toten Grossen Fuchs, ein Tagfalter, der die Überwinterung nicht geschafft hatte. Als er ein Abendpfauenauge findet, dessen rechter Vorderflügel so weit abgebrochen ist, dass es nicht mehr fliegen kann, zögert er nicht lange. «Was hat das arme Tier zu verlieren?», denkt er sich und macht sich ans Werk.    

Düsenjet mit falschem Flügel
Wie Brück im Video erklärt, sind Abendpfauenaugen Nachtfalter und gehören zur Familie der Schwärmer. Mit ihrem massigen Körperbau seien sie quasi die «Düsenjets unter den Schmetterlingen». Die Flügel eines Grossen Fuchses würden wohl eher zu einem Tagfalter gleicher Grösse passen, meint Brück, wagte das Experiment aber trotzdem.    

Und es klappt! Das Fixieren des Abendpfauenauges auf der Unterlage sei zwar nicht so einfach wie bei einem Monarch und stelle für das Tier zweifelsohne ein Stresssituation dar, so Brück. Doch dann schneidet er den alten, kaputten Flügel ab, um eine gerade Kante zu kriegen. Dies tut dem Insekt nicht weh, denn im Flügel befinden sich keine Nervenbahnen. Danach klebt er den neuen Flügel an, schneidet ihn auf die gewünschte Grösse zu und siehe da – nach einer kurzen Angewöhnungszeit beginnt der Schwärmer mit den Flügeln zu schlagen. Wie Thomas Brück im Video noch sagt, sei ihm gleich beim ersten Versuch, in die Freiheit zu fliegen, ein Flug von 60 Metern gelungen. Einschränkungen seien sicherlich da, aber kaum zu erkennen gewesen. Auch wir wünschen dem Falter alles Gute auf seinem weiteren Weg.

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