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Aspisviper und Kreuzotter

Giftschlangen in der Schweiz

Wildtiere | Mittwoch, 21. Juni 2017, Meret Signer

Sommerzeit, Wanderzeit. Und wer in die Berge geht, kann ihnen begegnen: der Aspisviper und der Kreuzotter. Aber wie erkennt man sie überhaupt? Und was passiert, wenn man gebissen wird? Wir klären auf.

Sie sind nahe verwandt und sehen sich auch ziemlich ähnlich, die Aspisviper (Vipera aspis) und die Kreuzotter (Vipera berus). An einigen Orten teilen sie sich auch ihr Verbreitungsgebiet, bevorzugt sonnige Hänge in den Bergen. Während die Aspisviper vor allem im Tessin, Wallis und im Jura anzutreffen ist, lebt die Kreuzotter im östlichen Teil der Alpen, in der Zentral- und Ostschweiz und in Graubünden. Gemeinsam anzutreffen sind die Vipern im Berner Oberland. Im Mittelland kommen sie fast gar nicht vor.  

Unterscheiden kann man sie wohl am besten an der Rückenzeichnung. Diese gleicht bei der Kreuzotter einem durchgehenden Zickzackband, während es bei der Aspisviper drei Reihen von Querbinden sind. Die Zeichnung und die Färbung weisen allerdings eine hohe Variation auf, zudem existieren bei beiden Arten vollständig dunkel gefärbte Schwärzlinge.  

Solche Schwärzlinge kommen auch bei ungiftigen Schlangen vor, was diese wichtige Unterscheidung erschweren kann. Wie die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch) in einem Merkblatt schreibt, kann es für das ungeübte Auge schwierig sein, giftige Vipern von ungiftigen Nattern zu unterscheiden. Der Körper von Giftschlangen ist eher kurz und gedrungen. Am einfachsten sind die Unterschiede jedoch am Kopf zu erkennen: Dieser ist bei den Vipern eckig, die Nase ist aufgeworfen. Nattern haben typischerweise einen flachen, runden Kopf. Vipern besitzen zudem eine geschlitzte Pupille wie Katzen, während sie bei ungiftigen Nattern rund ist. Da sich all diese Merkmale aus der Ferne allerdings nicht gut erkennen lassen und es natürlich nicht empfehlenswert ist, näher hinzugehen und nachzuschauen, gibt es laut der Karch dennoch ein sicheres Unterscheidungsmerkmal: Hat die Schlange eine Länge von über 90 Zentimeter, ist sie ungiftig. Aspisvipern und Kreuzottern bleiben auf jeden Fall kleiner.

Kreuzotter
Die Kreuzotter lässt sich von der Aspisviper am eifachsten anhand ihrer Rückenzeichnung unterscheiden.
  Bild: Thomas Brown/CC BY-SA 2.0

Sollte man in den Bergen einer Schlange begegnen, empfiehlt die Karch, auf sich aufmerksam zu machen und ihr die Gelegenheit zur Flucht zu geben. Bleibt sie liegen, sollte man im Abstand von zwei Metern an ihr vorbeigehen. Die meisten Bisse erfolgen lauft Karch, weil sich die Leute falsch verhalten und die Schlange belästigen oder bedrängen. 

Manchmal schmerzhaft, manchmal nicht
Das Gift von Kreuzotter und Aspisviper wirke vor allem im Gewebe, sagt Joan Fuchs, Oberassistentin mit Spezialgebiet Gifttiere bei Tox Info Suisse. «Sie sind sicher ein anderes Kaliber als Giftschlangen auf anderen Kontinenten, aber man sollte sie nicht unterschätzen.» Bei einem Biss könne es zu zu einer starken Schwellung des Gewebes kommen, bei grösserer Giftmenge oder erhöhter Empfindlichkeit des Gebissenen seien auch weitere Symptome wie Herzrasen und Blutdruckabfall möglich, ebenso allergische Symptome mit Anschwellen der Atemwege, erklärt die Ärztin. Auch Blutgerinnungsstörungen kämen vor.

Das Wichtigste sei, die Bissstelle nicht zu manipulieren, also keine Schnitte oder Staubbinden anzubringen und nicht auszusaugen. Letzteres könne wegen der Bakterien im Mund zu einer Infektion führen, sagt Fuchs. Ausserdem ist das Gift rasch nicht mehr an der Bissstelle, sondern verteilt sich ins Gewebe. Ob ein Schlangenbiss Schmerzen verursacht, ist unterschiedlich. Laut Fuchs berichteten betroffene Patienten davon, dass das Ganze sehr schmerzhaft gewesen sei, aber auch, dass sie es praktisch nicht bemerkt hätten.    

Die betroffene Gliedmasse sollte man ruhigstellen, allfällige Ringe und Uhren entfernen und sich umgehend ins Spital begeben. «Falls man sich in den Bergen befindet, ist es sicher ratsam, nicht noch zwei Stunden weiter zu wandern, sondern sofort umzukehren.» Ist dies nicht gerade möglich, muss eventuell die Rega zu Hilfe kommen.  

2016 habe man bei Tox Info 47 Anfragen zu Schlangenbissen gehabt, sagt Fuchs. «Es ist jedoch sehr gut möglich, dass nicht alle Bissanfragen bei uns landen und deshalb die Zahlen anders sein können», gibt sie zu bedenken. Problematisch sind die wenigsten Bisse, wie die Zahlen der Karch belegen: Von 103 Fällen in den Jahren 1983 bis 1995 gab es nur bei 14 Komplikation. Todesfälle seit 1961 gab es nur einen einzigen.

Weitere Informationen finden Sie auf dem Infoblatt der Karch. Bei Zwischenfällen ist Tox Info unter der Nummer 145 jederzeit erreichbar.

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