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Garten für Senioren

Grün im Alter

Garten | Dienstag, 9. Oktober 2018, Helen Weiss

Im Seniorenalter verfügt man zwar über die Zeit für eine anspruchsvolle Gartenpflege, aber die Kräfte nehmen ab. Das muss jedoch nicht das Ende der aktiven Gartennutzung sein. Dank einer altersgerechten Umgestaltung lässt sich der Garten auch weiterhin geniessen.

Je länger man sich um seinen Garten selbst gekümmert hat, umso weniger möchte man sich von ihm trennen. Dass Gartenarbeit Freude schafft und körperliche Bewegung an der frischen Luft wie ein Jungbrunnen wirkt, weiss zudem jeder Gartenfreund. Doch wenn das Schneiden der Hecke zur Qual wird, Rücken und Knie das Unkrautjäten übel nehmen und das Rasenmähen immer länger dauert, wird es Zeit, über Veränderungen nachzudenken. Damit die Gartenlast die Gartenlust nicht überwiegt, gibt es ein paar Kniffe, die das Gärtnern in den besten Jahren erleichtern.

Jede leidenschaftliche Hobbygärtnerin im fast betagten Alter sollte sich deshalb schon mal über die nächsten Gartenjahre Gedanken machen. «Die Gestaltung eines altersgerechten Gartens kann schrittweise vorgenommen werden», erklärt Samuel Güpfert, Inhaber des gleichnamigen Gartenbauunternehmens in Wil SG. Denn wo früher der Spielrasen für die Kinder und Gemüsebeete im Mittelpunkt standen, geht es nun darum, aufwendig zu pflegende Gartenteile zu minimieren. Das grüne Paradies sollte nicht nur pflegeleicht sein, sondern kann als «Wohnzimmer im Freien» Platz für Hobbys bieten und zum Genies­sen der Natur einladen. 

Es gilt deshalb, möglichst viele Ideen zu sammeln und sich allenfalls von einer Fachperson beraten zu lassen. «Gartenbücher, aber auch der Besuch eines botanischen Gartens oder schönen Parks können Inspiration bieten», sagt Güpfert.

Daneben sollte man sich praktische Fragen stellen – etwa, wie viel Zeit man für die Gartenarbeit aufwenden will. «Neben dem Gartenunterhalt ist oft vor allem die Bewässerung ein Problem», sagt Chantal Kramer, Geschäftsführerin der Sovis AG. Das Dienstleistungsunternehmen ist im Gartenunterhalt tätig und hilft bei der Gestaltung altersgerechter Gärten. «Freunde und Nachbarn werden in der Regel auch älter und haben kaum Lust und auch immer weniger die körperlichen Voraussetzungen, um diese Arbeit zu übernehmen.» Ausserdem müsse man sich damit auseinandersetzen, wie wichtig einem der Garten sei und wie viel Zeit man darin künftig verbringen möchte. 

Stauden, Hochbeete, robuste Sorten 
Am Anfang stehen kleine Hilfsmittel und Umgestaltungsmassnahmen. Den Garten pflegeleichter zu gestalten, lässt sich nämlich mit relativ einfachen Mitteln erreichen. Denn hier geht es in erster Linie um Pflanzen, die den Arbeitsaufwand mit sich bringen. Vielleicht kann man schon mal vom Obst- und Gemüseanbau auf wiederkehrende Stauden oder Blumen umschwenken. 

Aufheben sollte man laut den beiden Fachleuten Beete mit einjährigem Sommerflor. «Besser ist es, eine Rabatte mit mehrjährigen Stauden und Gräsern anzulegen», rät Kramer. Wer den Aufwand noch geringer halten möchte, bestückt möglichst viele Pflanzflächen mit pflegeleichten Bodendeckern wie Storchenschnabel (Geranium), Elfenblumen (Epimedium pinnatum) oder Frauenmantel (Alchemilla mollis). «So kann das Unkraut eingedämmt werden», sagt Kramer.

Den pflegeintensiven Zierrasen kann man durch einen Blumenrasen ersetzen, wodurch sich der Mähaufwand erheblich reduziert. «Oder aber man legt sich einen Mähroboter zu und lässt diesen die Arbeit erledigen», gibt Samuel Güpfert einen Tipp. Wer lieber wandern geht, statt zu jäten, verlegt auf dem Kiesplatz Platten und verkleinert seine Sammlung an Topfpflanzen. «Deren Bewässerung ist aufwendig und das Schleppen von Giesskannen irgendwann zu anstrengend», sagt Kramer. Oder aber man holt sich auch hier technische Hilfe mittels einer automatischen Bewässerung. 

Allenfalls muss man sich von den alten Rosenstöcken trennen, auch wenn es schwerfällt: Schnitt und Pflege sind aufwendig. «Zudem sind neue Sorten weitaus robuster und zum Teil sogar resistent gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau», sagt Güpfert.

Möchte man weder auf frischen Salat noch auf Kräuter verzichten, obwohl das Bücken von Jahr zu Jahr schwerer fällt, hat man mit dem Hochbeet eine gute Alternative. Dieses lässt man am besten von Fachleuten erstellen und befüllen, sodass man nur noch loslegen kann – auf angenehmer Höhe. «Vor einigen grösseren Umgestaltungen ist auch ein gewisses Umdenken angesagt, denn grundsätzlich gilt, dass ein Naturgarten weit pflegeleichter ist als ein akkurat gestalteter Garten mit Formschnitthecke, Zierrasen und Teich», sagt Chantal Kramer. 

Keine Barrieren und keine Stufen
Wenns nicht immer piekfein «gepützelt» sein muss, freut das nicht nur die schmerzenden Gelenke, sondern auch Marienkäfer, Amsel, Igel und viele andere Tiere. Bevor einem der Garten buchstäblich über den Kopf wächst, sollte man zudem lieber um Hilfe bei Kindern oder Enkeln anfragen oder rechtzeitig einen Gärtner engagieren. «Wenn man das regelmässig macht, dann nimmt die Arbeit nicht überhand und man hat weiterhin Freude am Garten», sagt Kramer.

Nicht nur punkto Bepflanzung muss eine Gartengestaltung für Senioren die spezielle Situation älterer Menschen berücksichtigen. Mit zunehmender körperlicher Einschränkung sind viele auf einen Rollator oder den Rollstuhl angewiesen. Ein Garten für diese Lebensphase muss vor allem barrierefrei sein. «Flache Rampen können unüberwindbare Stufen ersetzen und der Bodenbelag auf Terrasse und Wegen muss möglichst eben, aber griffig und rutschfest sein», rät Samuel Güpfert. Besonders in die Jahre gekommene Gartenwege sollten auf Stolperfallen untersucht werden – die Hauptursache für Verletzungen im Alter sind Stürze. 

Sicherheit dank Licht
Entscheidend für die Vermeidung von Sturz­unfällen ist zudem eine gute Beleuchtung an Wegen und Eingängen. «Gut ausgeleuchtete Wege und Plätze verhindern das Stolpern», sagt Chantal Kramer. Das Licht müsse blendfrei nach unten gerichtet sein und die Lichtkegel der einzelnen Leuchten sollten sich überlappen, um den Weg lückenlos auszuleuchten. 

Bewegungsmelder ermöglichen es laut der Fachfrau zudem, nur dann zu beleuchten, wenn man es braucht. Ein praktischer Nebeneffekt sei, dass es Einbrecher bereits beim Betreten des Grundstücks von weiteren Schritten abhalten könne. Und nicht zuletzt: Richtig eingesetztes Licht verleiht dem Garten eine ganz besondere Atmosphäre.

Literaturtipps:
Brigitte Kleinod: «Gärten für Senioren. Bequem und pflegeleicht», Eugen Ulmer Verlag, ISBN: 978-3-8001-7618-2, ca. Fr. 22.–

Petra Hagen Hodgson und Peter Eberhard: «Gartenleben im Alter», Haupt Verlag, ISBN: 978-3-258-08060-4, ca. Fr. 60.–

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