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Garten

Kräuter für Schattenbeete

Garten | Donnerstag, 16. August 2018, Helen Weiss

Für Kräuter ist meist ein offener, möglichst vollsonniger Platz im Garten oder auf der Terrasse empfehlenswert. Wer die richtigen Pflanzen wählt, kann sich jedoch auch bei reduziertem Sonnenschein über eine reiche Kräuterernte freuen.

Im Sommer erfüllen Salbei, Lavendel und Thymian die Luft mit ihren würzigen Düften. Kräuter sind pflegeleicht und benötigen wenig Platz, sodass sie selbst in kleinen Gärten und auf dem Balkon – kombiniert mit Sommerblumen und Stauden – ihre ganze Pracht entfalten. Nebenbei sind sie auch wahre Multitalente und verfeinern mit ihrem Aroma Speisen und Getränke. 

Die meisten Kräuter bevorzugen einen hellen, warmen Platz. Gärtnerinnen oder Balkonbesitzer mit eher ungünstigem Standort müssen deswegen jedoch nicht gleich auf Kräuter verzichten. Denn es gibt eine Vielzahl an würzigen Vertretern, die ohne viel Sonne auskommen und sich an halbschattigen Standorten durchaus wohlfühlen. Bei der Auswahl der Kräuter für den Schattenplatz hilft folgende Grundregel: Je kleiner die Blätter, desto sonniger sollte der Standort sein.

«Thymian, Lavendel oder Rosmarin mit ihren nadelartigen kleinen Blättern vertragen sehr viel Sonne», erklärt Daniel Bottlang, Inhaber von Botti’s Kräutergärtnerei in Stetten AG. Kräuter mit saftigen Blättern wie etwa Sauerampfer oder Maggikraut gedeihen hingegen auch im Halbschatten. 

Auf mediterrane Genüsse muss man im Schatten zwar verzichten, nicht aber auf Exotisches: Wasabi (Wasabia japonica), der scharfe japanische Meerrettich, wächst etwa bevorzugt im Halbschatten. Nicht nur seine Wurzeln, auch die Blätter sind essbar und eine feine Salatzutat. Ebenso würzig und schattenverträglich ist das Maggikraut (Levis­ticum officinale). Dessen junge Triebe lassen sich blanchiert als Gemüsebeilage reichen, während die Stängel des Krauts Fisch- und Fleischgerichten sowie Suppen ein herrliches Aroma verleihen. Über einen hohen Zierwert verfügt dagegen der Blut-Ampfer (Rumex sanguineus): Mit seinen roten Blattadern macht er sich nicht nur im Garten, sondern auch im Balkonkasten gut.

Waldbewohner für den Garten
Bei der Wahl der Kräuter kann man sich nicht zuletzt an der Natur orientieren, erklärt Bottlang: «Jene Kräuter, die im Wald zu finden sind, wachsen im Halbschatten gut.» Dazu zählen auch beliebte Küchenkräuter: Petersilie (Petroselinum crispum), Basilikum (Ocimum basilicum), Pimpinelle (Sanguisorba minor) oder Kerbel (Anthriscus) verschönern halbschattige Standorte im Garten. Auf sogenannte Tee-Kräuter wie Pfefferminze (Mentha), das hochwachsende Mädesüss (Filipendula ulmaria) oder Zitronenmelisse (Melissa officinalis) muss man ebenfalls nicht verzichten. Im vollen Schatten, zum Beispiel an Nordseiten von Gebäuden, erweist sich die Anlage eines vielseitigen Kräuterbeets allerdings als herausfordernd. Hier kommen nur Waldmeister (Galium odoratum) und Bärlauch (Allium ursinum) zurecht.

Zwar sind die meisten würzigen Schattenliebhaber unkompliziert, beim Anbau und bei der Pflege gilt es jedoch, einige Dinge zu beachten, die für sonnenliebende Kräuter nicht durchwegs gelten. Das betrifft vor allem das Giessen, das Düngen und den Boden. An windstillen Standorten entfalten die duftenden Pflanzen ihr Aroma optimal. Ebenso wichtig ist das UV-Licht zur Entwicklung des Aromas. «Alpenkräuter, die stärker dem UV-Licht ausgesetzt sind, verfügen über eine höhere Potenz der Wirkstoffe», sagt Bottlang. Kräuter sollten deshalb wenn immer möglich nicht unter Glas – und somit ohne UV-Licht – kultiviert werden, da sie dadurch ihre Aromastoffe einbüssen.

Nur mässige Düngung
Zudem gilt es, bei der Düngung organische Produkte zu verwenden. «Mit chemischem Dünger wachsen die Pflanzen zu schnell, die Zellen verwässern und die Kräuter verlieren dadurch an Aroma», warnt Bottlang. Jährliche Kompostgaben und falls nötig organischer Dünger reichen aus. Halbschatten-Kräuter mögen grundsätzlich einen humosen Boden. Auch eine gute Wasserversorgung ist wichtig. Da beschattete Beete weniger schnell austrocknen, ist dies kein grosses Problem. Im Hochsommer sollte jedoch regelmässig gegossen werden.

Kräuter bereichern mit ihren würzigen Blättern und Blüten nicht nur unseren Menüplan – die Pflanzen sind auch eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten. Mit Chemie sollte man Krankheiten und Schädlinge an Kräutern, die zum Essen gedacht sind, also besser nicht bekämpfen. Vorbeugen ist sinnvoller als Heilen, findet Bottlang: «Wir setzen in unserer Gärtnerei auf effektive Mikroorganismen, um die Pflanzen zu stärken.»

Literaturtipps:
Burkhard Bohne: «Kräuter», Kosmos-Verlag, ISBN: 978-3-440-14576-0, ca. Fr. 27.–

Renate Hudak: «Kräuter selbst anbauen. Schritt für Schritt zum eigenen Kräuterparadies», Verlag: Gräfe & Unzer, ISBN: 978-3-8338-5064-6, ca. Fr. 20.–

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