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Unkraut im Garten: Jäten, ziehen, stechen

Garten | Donnerstag, 17. Mai 2018, Helen Weiss

Der Lenz ist da: Alles wächst, blüht und spriesst – leider auch das Unkraut. Deshalb ist es jetzt sehr wichtig, ein Auge auf die ungeliebten Beikräuter zu haben. Denn wer ihnen nicht zeitig Einhalt gebietet, wird sie später kaum noch los.  

K aum eine Gartenarbeit wird so wenig geliebt wie das Jäten – trotzdem sollte man die unerwünschten Kräuter im Beet so rasch wie möglich bekämpfen. Doch was macht Unkraut überhaupt zu Unkraut? Die Bezeichnung ist alles andere als eindeutig und hängt vor allem vom jeweiligen Garten und der Einstellung seiner Besitzerin ab. Generell kann jede Pflanze als Unkraut bezeichnet werden, die sich unerwünscht an einem bestimmten Ort breitmacht.

«Es gibt jedoch eine Fähigkeit, die alle Unkräuter auszeichnet. Sie sind äusserst robust und durchsetzungsfähig», sagt Silvia Meister Gratwohl, Beraterin für naturnahen Umgang im Garten. Für solche Pflanzen stimmen die Voraussetzungen punkto Boden, Licht, Wärme und Wasserzufuhr perfekt. Bei Pflanzen, die der Hobbygärtner ins Beet gesetzt hat, ist dies hingegen nicht immer der Fall. Je schlechter sich Kulturpflanzen behaupten können, desto mehr Raum bieten sie dem Unkraut. 

Sauzahn und Pendelhacke
So vielfältig das Unkraut auch sein mag, so zahlreich sind die Möglichkeiten, es zu bekämpfen. Das funktioniert auch ohne Gift –  stattdessen gilt es, auf Tuchfühlung mit Löwenzahn und Co. zu gehen. «Wenn man geschickter als die Unkräuter sein will, ist es von Vorteil, sie genauer anzuschauen und kennenzulernen.» Laut Meister Gratwohl lassen sich Beikräuter in drei Gruppen einteilen und entsprechend effizient eliminieren: 

Die Kurzlebigen sind Unkräuter, die rasch keimen, stark wuchern und nach kurzer Zeit wieder absterben. Dazu zählen etwa Hirse, Melde, Vogelmiere und Ehrenpreis. «Sie siedeln sich oft in Gemüsegärten an, denn hier finden sie mit dem offenen, lockeren Boden und reichlich Nährstoffen ideale Keimbedingungen», erklärt die Fachfrau. Gegen kurzlebige Unkräuter lässt sich bracher Boden vorbeugend mit Chinaschilf oder Rasenschnitt mulchen. «Dadurch können die Samen dieser Pflanzen gar nicht erst keimen.» Bei Pflanzflächen, auf denen das Ausbringen von Mulch nicht möglich ist, sollte der Boden wöchentlich mit der Pendelhacke oder dem Kultivator oberflächlich aufgelockert werden. Damit entwurzelt man mögliche Keimlinge – bei warmem Wetter vertrocknen sie an der Sonne rasch. Wichtig ist bei der Gruppe der Kurzlebigen, dass die Unkräuter vor der Samenreife entfernt werden.

Die Stafettenläufer unter den Unkräutern verfügen über oberirdische Ausläufer: Das kriechende Fingerkraut und der kriechende Hahnenfuss breiten sich in alle Richtungen aus und können schnell grosse Flächen bedecken. «Oftmals wachsen sie versteckt unter den Blättern von grossen Stauden und besiedeln von dort aus neue Standorte», sagt Meister Gratwohl. Um sich ihrer zu entledigen, empfiehlt sie den Sauzahn, einen einzahnigen Kultivator. «Mit ihm kann ganz nah an Setzlingen gearbeitet werden und die Unkräuter lassen sich problemlos wegziehen.» Ausläufertreibende Unkräuter sollten nicht auf dem Beet liegen gelassen werden, da sie allenfalls erneut Wurzeln bilden. «Aus diesem Grund sollten sie auch nicht kompostiert werden, da sie den Kompostierprozess zum Teil überleben.»

Die Hartnäckigen wird man, wie ihr Name nahelegt, nur schwerlich los: «Unkräuter aus dieser Gruppe verfügen meist über ein starkes Wurzelwerk», weiss Meister Gratwohl. Die Wurzeln sind oft ungeheuer regenerationsfähig – schon aus einem kleinen Stück wächst eine neue Pflanze heran. «Deshalb sollte man Beete mit Wurzelunkräutern nie fräsen, denn dadurch zerstückelt man die Wurzeln und produziert so noch mehr Unkraut.» Vertreter dieser Gruppe wie Löwenzahn, Giersch, Ackerdistel, Blacken, Zaunwinde oder Quecke entfernt man vorzugsweise mit dem Unkrautstecher – damit wird das Wurzelunkraut zumindest geschwächt, denn nur selten werden alle Wurzelteile erwischt. «Es gilt deshalb, achtsam zu sein und die ersten frischen Triebe immer wieder herauszustechen», rät Meister Gratwohl.

Literaturtipps:
Jutta Langheineken: «Das Unkraut-Buch. Erkennen – Nutzen –Entfernen», BLV Verlag, ISBN: 978-3-8354-1782-3, ca. Fr. 20.–

Denis Pèpin: «Unkraut natürlich bekämpfen», Leopold Stocker Verlag, ISBN: 978-3-7020-1585-5, ca. Fr. 24.–

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