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Pilzzucht

Nie mehr erfolglos Pilze suchen

Garten | Donnerstag, 10. Oktober 2013, Heidi van Elderen

Wer Austernpilze, Shiitake und Champignons frisch und frei von Schadstoffen geniessen will, baut sie am besten gleich selber an. Mit ein wenig Vorwissen und einem guten Nährboden ist das relativ unkompliziert.

Was gemeinhin als Pilz bezeichnet wird, ist nur seine Frucht. Der eigentliche Pilzkörper besteht nämlich aus einem fadenartigen Zellgeflecht, das im Boden oder anderen Substraten lebt. Das sogenannte Myzel bildet in guten Zeiten Fruchtkörper, die typischerweise aus Stiel und Hut bestehen und sich oberirdisch präsentieren.

Wildpilze vermehren sich durch winzige Sporen. Beim Anbau verwendet man Pilzbrut, eine Pilzkultur auf geeignetem Trägermaterial. Da die Herstellung schwierig ist und sterile Bedingungen voraussetzt, ergibt es Sinn, fertige Pilzbrut im Fachhandel zu erwerben. Die Brut sollte fast völlig vom weissen Myzel durchwachsen sein und angenehm riechen. Mit der Pilzbrut impft man das Substrat, die Nährgrundlage des Pilzes. Während zum Beispiel Champignons am besten auf Kompost wachsen, gedeihen Shiitake und Stockschwämmchen hervorragend auf naturbelassenen Holzstammabschnitten.

Der diplomierte Pilzfachmann Daniel Ambühl, der in seinem Labor in Unterterzen Pilzbrut für den Freilandanbau herstellt, hat sich auf den Pilzanbau auf Holzstämmen spezialisiert. «Holz ist für den Anbau von Pilzen im Freiland mit Abstand die ertragreichste, sauberste und pflegeleichteste Variante», sagt Ambühl. Wichtig sei es, für den jeweiligen Pilz geeignetes, gesundes, nicht zu altes Holz zu wählen und es nach dem Beimpfen in Plastik einzupacken. «Ein Pilzholz bringt etwa drei Jahre lang Erträge. Danach sollte man es ersetzen.»

Manche Arten brauchen Bäume zum leben und sind deshalb kaum zu züchten
Der Pilzgarten sollte schattig, windstill und feucht sein und frühzeitig mit einem Schneckenzaun, einem Ring aus Sägemehl oder anderen Massnahmen vor gefrässigen Weichtieren geschützt werden. «Ideal geeignet für Anfänger sind der Austernseitling (Pleurotus ostreatur) und der Lungenseitling (Pleurotus pulmonarius)», sagt Ambühl. Auch Shiitake, Stockschwämmchen und Namekopilz gehören zu den einfach zu züchtenden Arten, die auf Holz wachsen.

Ein Fall für Profis ist dagegen die Kultur der Mykorrhiza-Pilze. Anders als die Saprobionten, zu denen unter anderem auch Champignon und Schopftintling gehören und die auf abgestorbenem, organischem Material wachsen, leben Mykorrhiza-Pilze in Symbiose mit Baumwurzeln. Bei Trüffeln ist es mit grossem Aufwand möglich, den Pilz zusammen mit dem Baum zu kultivieren. Andere Mykorrhiza-Arten, etwa Pfifferlinge und Steinpilze, kann man nach wie vor nur in freier Natur sammeln.

Pilzanbau ist nicht nur im Freiland, sondern auch im Gewächshaus oder in Lagerhallen möglich. Für die Minizucht im Wohnzimmer oder Keller werden sogenannte Fertigkulturen in Anzuchtschalen oder Flaschen angeboten – ideal für alle, die keinen Garten haben oder auch im Winter nicht auf selbst angebaute Pilze verzichten wollen. Für den Anbau im grösseren Rahmen eignen sich Räume in einem Wohnhaus laut Ambühl aber nicht. «Die Feuchtigkeit, die für den Pilzanbau nötig ist, zerstört auf Dauer die Bausubstanz und gefährdet die Gesundheit der Bewohner.»

Zahlreiche Anbauanleitungen und Termine für Pilzgartenkurse findet man auf Daniel Ambühls Homepage. Dort kann man auch verschiedene Pilzbrutarten bestellen.

Literaturtipp: Jolanda Englbrecht, «Pilzanbau in Haus und Garten«, Ulmer, ISBN 978-3-8001-4636-9, ca. Fr. 15.-

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