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Klein, aber fein

Legewachteln richtig halten

Geflügel | Dienstag, 2. Juli 2019, Marvin Häfliger

Über die Haltung und Gruppenzusammensetzung von Japanischen Legewachteln liest man sehr viel im Internet und in Büchern. Doch entsprechen diese Vorschläge den natürlichen Bedürfnissen der Tiere? 

Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert begannen die Japaner damit, wilde Japanische Legewachteln zu fangen und diese als Ziervögel zu halten. Sie waren wegen ihres Gesangs sehr beliebt. Ab dem 20. Jahrhundert lernte man sie jedoch immer mehr als Nutzgeflügel schätzen. Entsprechend wurden sie auf eine hohe Legeleistung gezüchtet. Seit einigen Jahren sind Legewachteln auch bei Rassegeflügelfreunden im Trend und werden dank ihres vergleichsweise geringen Platzanspruchs mittlerweile sehr häufig gehalten und gezüchtet.

Die Stammform der Japanischen Legewachtel ist die Japanwachtel (Coturnix japonica). Sie kommt von Japan bis Südostrussland vor sowie in der Nordmongolei. Als Zugvogel überwintert sie in Vietnam, Korea und in den südlichen Regionen Japans. In Europa kennt man die Europäische Wachtel, die in Afrika überwintert. Diese wird jedoch nur als Ziervogel gehalten. 

Das natürliche Habitat von Japanwachteln sind baum- und buscharme Graslandschaften. Nach dem Überwintern in südlichen Gebieten kommen zuerst die Hähne in die Brutgebiete zurück und stecken sogleich ihre Reviere ab. Dann folgen die Hennen. Sie beziehen eines dieser Reviere und suchen nach einer geeigneten Brutnische. Die gut getarnten Eier werden in einer kleinen Vertiefung im Erdreich abgelegt. Als Nistmaterial wählen die Vögel teilweise abgestorbene Gräser. Die Küken sind Nestflüchter und werden von der Henne geführt. Bereits nach 19 Tagen sind sie flugfähig. Eine starke Paarbindung findet einzig während der Brutzeit statt. Und in Gruppen finden sich Wachteln nur für den Vogelzug wieder.

Wenn sich die Tiere in der freien Wildbahn nur für den Flug ins Winterquartier sammeln, so stellt sich die Frage, was das für die Haltung in Gefangenschaft bedeutet. Dazu gibt es im Internet und in vielen Büchern eine Vielfalt an Empfehlungen. Während der Zuchtphase sollten ausschliesslich Zuchtpaare oder Kleinstgruppen von einem Hahn und zwei Hennen gehalten werden. Dies führt zu weniger Stress und hat einen positiven Einfluss auf die Befruchtung. Ein weiterer Vorteil der Paarhaltung ist die vereinfachte Abstammungskontrolle. So kann jedes Jungtier eindeutig seinen Eltern zugeordnet werden. Dies ist für eine seriöse Zuchtführung unabdingbar. 

Die Krux mit der Gruppenhaltung
Die Haltung von einem Hahn mit vier bis fünf Hennen entspricht keiner natürlichen Gruppengrös­se und es kommt zu Streitigkeiten. Dies kann dazu führen, dass ein Tier verletzt oder im Extremfall sogar zu Tode gepickt wird. Auch ausserhalb der Zuchtphase sollte man Legewachteln deshalb vorwiegend paarweise halten. Jedoch sind die Tiere über den Winter meist ruhiger und können dann bei genügend Platz auch mal in Kleingruppen leben, wobei nie mehr als ein Hahn in einer Gruppe sein darf. 

In kommerziellen Haltungsformen ist die paarweise Haltung unrentabel, weshalb die Legewachteln immer in grossen Gruppen meist in Boxen oder in Bodenhaltung gepflegt werden. Der Hygiene und Kontrolle wegen werden meist auch kaum Verstecke angeboten. Wie oft bei Massentierhaltungen ist Stress bei diesen Bedingungen programmiert. So ist es durchaus möglich, dass die Tiere nicht mehr vollständig mausern oder pausenlos den Wänden der Unterbringung entlanglaufen.

Die Haltung von Legewachteln kann in Volieren und Ställen erfolgen. Als Faustregel rechnet man mit zwei bis drei Tieren pro Quadratmeter. Einer der wichtigsten Aspekte bei der Haltung dieser kleinen Hühnervögel ist die Struktur der Unterbringung. Wie in der Natur auch, brauchen die Tiere sehr viele Rückzugsmöglichkeiten. Am einfachsten lassen sich diese durch Tannenzweige realisieren. Sie bleiben lange frisch, werden von den Wachteln kaum gefressen und sind meist ein guter Sichtschutz. Robuste Gräser und ungiftige Schilfarten lassen sich ebenfalls sehr gut integrieren, insbesondere in Volieren. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Versteckmöglichkeiten nicht nur an den Rändern der Unterbringung angebracht werden, sondern über die ganze Fläche verteilt. 

Als Einstreu kann man Hobel- und Hanfspäne sowie Strohkrümel verwenden. Es empfiehlt sich, die Stallwände nicht zu hell zu streichen, da die Tiere grelles Licht keineswegs mögen. Dennoch ist natürliches Tageslicht sowie teilweise Sonneneinstrahlung unabdingbar für vitale Tiere. Weiter baden Wachteln gerne in Sand. Man sollte jedoch das Sandbad nicht ununterbrochen anbieten, da es nach kurzer Zeit den Reiz verliert. Ideal bietet man das Sandbad für ein bis zwei Tage in der Woche an. So bleibt der Reiz vorhanden. Bei Stallhaltung kann man den Sand teilweise noch etwas anfeuchten. Die Feuchtigkeit wirkt sich positiv auf die Gefiederstruktur aus. 

Legewachteln kann man nicht mit normalem Hühnerfutter füttern. Dieses hat nicht so viele Nährstoffe, zum Beispiel Rohproteine, die eine Wachtel zum Wachsen und Legen benötigt. Es gibt mittlerweile sehr gutes Wachtelfutter, das speziell auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt ist. Ab und zu kann man den Vögeln auch Grünfutter und Samen sowie Insekten anbieten. Wichtig dabei ist, dass jeweils nur kleine Mengen gereicht werden. 

Frühreifes Ausstellungsgeflügel
Hat man die richtigen Zuchtpartner zusammengesetzt, kann man nach zwei bis drei Tagen mit dem Sammeln der Bruteier beginnen. Wie bei der Zucht von anderem Geflügel, sollten die Eier an einem kühlen Ort mit der Spitze nach unten gelagert werden. Dabei sollte man sie mindestens einmal pro Tag wenden. Eier, die älter als 14 Tage sind, eignen sich nicht mehr für die Brut, da ab dann die Schlupfrate sinkt. 

Die Aufzucht der Tiere gestaltet sich nicht schwieriger als die von Hühnern. Auch hier ist jedoch wichtig, dass die Tiere geeignetes Wachtelkükenfutter erhalten. Bereits nach sechs bis acht Wochen sind die Tiere geschlechtsreif. Für die Zucht sollte man die Tiere aber erst ab einem Alter von zehn bis zwölf Wochen einsetzen. Dann sind sie vollständig ausgewachsen und auch die Eigrösse ist ab diesem Alter stabil. 

Seit drei Jahren sind die Japanischen Legewachteln als Rasse anerkannt. Gemäss dem Rassegeflügel-Standard für Europa kann man sie in fünf Farbenschlägen ausstellen: Wild- und Gelb-wildfarbig, Braun- und Silber-wildfarbig sowie Weiss.

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