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Snacks aus der Natur

Reiche Ernte für das Hühnerwohl

Geflügel | Dienstag, 9. Oktober 2018, Gion P. Gross

Alleinfuttermischungen enthalten alles, was Hühner brauchen. Zusatzfutter ist nicht nötig. Viele Halter möchten ihren Lieblingen aber «Leckerlis» geben und übertreiben es mit der zusätzlichen Gabe von Körnern – und die Tiere verfetten. Dabei bietet die Natur Alternativen. 

Wir erleben derzeit eine Obst- und Beerenernte, wie sie nicht alle Jahre vorkommt. Die Bäume sind landauf, landab voller Äpfel, Birnen und verschiedenem Steinobst. Dieser Umstand und nicht zuletzt die Trockenheit haben nun dazu geführt, dass viele Früchte zu Boden fallen. Wertvolles Fallobst, mit dem Hühnerzüchter und -halter Abwechslung in den Speiseplan ihrer Tiere bringen und für zusätzliche Vitamine sorgen können. Zudem bieten die Früchte den Hühnern auch eine willkommene Beschäftigung.

Die meisten Früchte, deren sich die Bäume nun entledigen, sind verwurmt. Die Hühner stört das aber nicht – im Gegenteil! Sie sind Allesfresser. Was nicht heisst, dass man ihnen angefaulte oder gar verschimmelte Früchte geben darf. Letztere können zu Vergiftungen, ja sogar zum Tod führen.

Oft werden einzelne Bäume von den Landwirten nicht weiter abgeerntet, weil es sich nicht mehr lohnt. Spricht man mit ihnen, darf man das Obst meistens selber ernten. Während sauberes Fallobst sofort verfüttert werden sollte, können Äpfel und Birnen auch gepflückt und für den Winter eingelagert werden. Dann kann man sie auf einem oder zwei Nägeln, die in der Wand oder einem Brett stecken, aufspiessen. So ist auch in der kalten Jahreszeit für Abwechslung, Genuss und zusätzliche Beschäftigung gesorgt.

Hühner lieben Johannisbeeren, ob rot oder schwarz, Stachel- und Brombeeren, aber auch Himbeeren und Heidelbeeren. Wer solche Beeren kauft oder bei sich im Garten erntet, kann das, was er nicht selbst isst respektive in der Küche verarbeitet, seinem Federvieh überlassen. Es wird sich genussvoll darauf stürzen. Dasselbe gilt für Trauben.

Beeren am Wegrand
Solche und andere «Leckerlis» findet auch, wer auf seinen Spaziergängen die Augen offen hält. Deshalb immer ein Gefäss oder eine Tasche mit dabei haben. Denn entlang von Hecken und Waldrändern begegnet man immer wieder der Kornelkirsche (Tierlibaum), aus deren reifen Früchten man Konfitüre herstellen kann. Die Sträucher tragen derzeit so üppig, dass da sicher auch einiges für die Hühner übrig bleibt. 

Dasselbe gilt für den Holunder. Wenn man dessen Beeren in den Entsafter gibt, um daraus Gelee herzustellen, kann man die Resten nachher den Hühnern geben. Wobei sie natürlich lieber die nicht entsafteten Beeren hätten. Dafür sorgen die Hühner selber. Allerdings ist der Hühnerhof dann bald von leeren Rispen übersät, die man dann einsammeln und kompostieren oder entsorgen muss. Die Hühner lassen diese nämlich achtlos liegen. Auch die Beeren von Hartriegel (Pflanzengattung, zu der die Kornelkirsche gehört), von der Eberesche, der Hagebutte, des Weissdorns und weiterer Pflanzen kann man jetzt sammeln.

Schlaraffenland Gemüsegarten
Wer das Glück hat, einen eigenen Gemüsegarten zu besitzen, kann nun auch für die Hühner vieles ernten. Der Salat schiesst auf, Gurken und Zucchetti hat man im Überfluss, Fenchel wird zu hoch und zäh und Kürbisse wachsen überreichlicher, als dass man alles selber verwerten könnte. Auch die sauberen Blätter von Kohl, Kohlrabi und Radieschen werden von unseren Tieren gerne gefressen und sind sehr gesund. Sollten Läuse daran kleben, stört das die Hühner nicht – wie schon bei den Würmern ist auch hier das Gegenteil der Fall. Melonen lieben die Tiere genauso. Zumindest kann man ihnen die Kerne überlassen, die sie gierig aufpicken werden.

Viele Küchenkräuter leisten in der Hühnerfütterung ebenfalls wertvolle Dienste. Schnittlauch und Peterli kann man frisch geben oder für den Winter trocknen. Dasselbe gilt für Oregano. Letzterer wirkt wie ein natürliches Antibiotikum und stärkt das Immunsystem, Majoran ist entzündungshemmend und entgiftet. Basilikum wirkt antibakteriell.

Hat man genügend Platz, kann man für den Winter noch Randen und Karotten anbauen. Geraffelt und mit einem Schuss Öl angereichert, können die Tiere das darin enthaltene Karotin aufnehmen. Für Hühner, die gelbe Läufe haben (müssen), ist dies sehr empfehlenswert, kann doch die Farbe der Beine und des Schnabels dadurch verstärkt werden.

Zu denken, man könne sich nun viel Futter sparen, wäre jedoch falsch. Zu einseitig würde der Speiseplan und könnte dazu führen, dass Mangelerscheinungen auftreten. Auch Durchfall könnte eine Folge sein, was unbedingt zu vermeiden ist. Ob Obst, Beeren oder Gemüse – alles sollte mit Mass verabreicht werden. Es handelt sich lediglich um Zusatzfutter, das den Tieren Abwechslung, Beschäftigung und eine Erweiterung des Speiseplanes bieten soll, sprich: das «Grundfutter» lediglich ergänzen und die Tiere mit zusätzlichen Vitaminen versorgen.

Die Zeit muss man sich nehmen
Wer über genügend Platz in seinem Tiefkühler verfügt, kann jetzt nicht nur Obst und Gemüse im Keller einlagern, sondern auch fast alle Beeren für den Winter einfrieren und seine Tiere damit in der kargen Jahreszeit verwöhnen. Wie erwähnt, können zudem verschiedene Kräuter getrocknet und dadurch haltbar gemacht werden. Dazu eignen sich auch sehr gut Brennnesseln, die man jetzt zu kleinen Sträussen gebunden aufhängen und an der Luft trocknen lassen kann. Im Winter versorgen sie unser Geflügel mit wichtigen Nährstoffen und Vitaminen. Sie können auch jetzt schon verfüttert werden. Einen oder zwei Tage abgewelkt, werden sie von den Tieren sehr gerne angenommen.

Die Natur bietet also nicht nur uns einen reich gedeckten Tisch. Leider fehlt vielen Züchtern und Haltern jedoch die Zeit zum Sammeln und Trocknen oder der Platz im Keller oder der Tiefkühltruhe. «Zeit hat man nicht – Zeit nimmt man sich», pflegt man zu sagen. Nehmen wir uns die Zeit und unternehmen wir den nächsten Spaziergang entlang einer Hecke.

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