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Geflügel

Hühner: Bitte nicht stressen

Geflügel | Dienstag, 6. Februar 2018, Fabienne Schenkel

Schaut man Hühnern zu, wirkt ihr Alltag recht friedlich: scharren, picken, hie und da etwas Körperpflege. Doch auch Hühner sind in ihrem Alltag immer wieder Stresssituationen ausgeliefert, die zu unterschiedlichen Reaktionen führen.

Der Tagesablauf eines Huhns sieht immer ähnlich aus. Zumindest solange es die äusseren Umstände zulassen und keine Ausstellung oder Ähnliches anliegt. Morgens und abends spazieren Hühner vermehrt in ihrem Auslauf herum. Auch das Fressen, Trinken und Bodenpicken verrichten sie meist zu diesen Tageszeiten. Am Mittag hingegen ist Wellness angesagt. Sowohl die Körperpflege als auch das Ausruhen werden während dieser Zeit intensiv ausgelebt. Was gemütlich tönt, muss aber nicht immer so sein. Denn auch ein Huhn kommt immer wieder in Stresssituationen.

Ein grosser Stressfaktor ist das Klima. Gegen Kälte sind Hühner im Allgemeinen eher unempfindlich. Grosse Hitze hingegen vertragen sie weniger gut. Daher ist es wichtig, genügend Schattenplätze im Auslauf einzuplanen. Auch sollte man den Auslauf nur dann betreten, wenn es unbedingt nötig ist, um die Tiere nicht grundlos aufzuscheuchen und ihnen damit wertvolle Energie zu rauben. Hühner sind zwar sehr anpassungsfähige Tiere, doch wenn sich ihre Körpertemperatur erhöht, der Körper also mehr Hitze erzeugt, als er abgibt, dann führt dies unweigerlich zu Stress. In der Folge versucht das Huhn seine restliche Energie in die Abkühlung des Körpers zu stecken. Dies hat weitreichende Auswirkungen. Zum einen stoppen Hühner dadurch häufig ihre Futter- und Wasseraufnahme, was auf Dauer unweigerlich zum Tode führt. Zum anderen legen Hennen keine oder zumindest deutlich weniger Eier, und zwar solche mit extrem dünnen Schalen.

Ein weiterer Stressfaktor bietet die unmittelbare Umgebung. Befinden sich viele Tiere auf engem Raum, resultieren daraus häufigere Kämpfe, was unweigerlich zu Stress führt. Es ist aber nicht nur der Platz entscheidend, sondern auch die Gestaltung. Haben die Tiere viele Möglichkeiten, sich gegenseitig aus dem Blickfeld zu gehen, mindert dies den sogenannten Sozialstress immens. Gerade bei Hühnerscharen mit ihrer starken hierarchischen Ordnung sorgen einzelne Bereiche im Auslauf für mehr Ruhe und Gelassenheit. 

Pränataler Stress schadet den Küken
In diesem Zusammenhang, ist es oft auch von Vorteil, Hennen, die brütig sind, von den anderen Herdenmitgliedern zu trennen, damit sie sich auf ihre für den Moment wichtigste Aufgabe konzentrieren können: das Ausbrü- ten der Eier. Übermässiger Stress in dieser Phase hat auch Auswirkungen auf die noch ungeschlüpften Küken. Daher sollte bereits bei der Eiablage darauf geachtet werden, dass die Henne nicht gestresst ist. Gemäss Joseph Barber, Autor des Fachbuches «Das Huhn», kann dies nämlich zu Nachteilen bei den kognitiven Fähigkeiten der Küken führen. Dies, weil Hühner auf Stress mit einem erhöhten Spiegel an Stresshormonen, den sogenannten Kortikosteronen, im Körper reagieren. Ein Hormon, das Hühner auf das Kämpfen oder Fliehen vorbereitet, je nachdem, was die Stresssituation erfordert. 

Ist eine Henne vor dem Eiablegen also gestresst, erhält auch das Ei viele dieser Kortikosterone. Ab einer gewissen Konzentration kann dies dann die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten der Küken beeinflussen. Kü- ken aus solchen Eiern bleiben auch ihr Leben lang ängstlicher und reagieren empfindlicher auf Veränderungen in ihrer Umgebung, wie Barbers Untersuchungen zeigen.

Bringt man Hühner an Ausstellungen oder müssen sie ihren Stall wechseln, ist sorgfältig darauf zu achten, jeglichen unnötigen Stress für die Tiere zu vermeiden. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Transportkiste. Sie darf nicht zu gross sein, damit die Hühner nicht darin herumrutschen und sich schlimmstenfalls verletzen könnten. Ebenso sollten sie ausreichend mit Heu oder Stroh ausgepolstert sein. Für eine ausreichende Luftzirkulation muss die Transportkiste mit grossen Luftgittern ausgestattet sein.

Bei warmen Temperaturen ist es sinnvoll, Transporte in den frühen Morgenstunden oder abends durchzuführen. Während der Fahrt dürfen die Tiere nie im Auto zurückgelassen werden. Bei längeren Fahrten empfiehlt es sich, Pausen einzulegen und währenddessen die Tiere mit lauwarmem Wasser zu versorgen.

Nicht zu vergessen ist der Stress, den die Fressfeinde der Hühner auslösen können – ein Vogel, der lauernd seine Kreise über dem Auslauf zieht, oder ein Marder, der um den Hof schleicht. Ja, es genügt sogar, das nächtliche Scharren und Kratzen eines Fuchses zu hören, um Hühner stark zu ängstigen. Dies kann so weit führen, dass Hennen ihre Legetätigkeit einschränken oder gar ganz aufgeben.

Pausen und Wasser bei Transporten
Hühner gönnen sich täglich etwas Wellness in Form eines Sand- oder Staubbades. Auch wenn es den Augenschein macht, dient es nicht in erster Linie dem Abbau des Stresses, sondern vor allem der Gefiederpflege. Dennoch trägt ein solches Bad viel zum Wohlbefinden der Hühner bei. Denn werden sie daran gehindert beziehungsweise finden sie keinen geeigneten Platz für ihr Sand- oder Staubbad, steigt nach Untersuchungen von Carlheinrich Engelmann, ehemaligem Abteilungsleiter am Institut für landwirtschaftliches Versuchs- und Untersuchungswesen in Jena, in der Folge ihr Agressionsverhalten. Was wiederum automatisch zu Stress führt. Das Sand- oder Staubbad ist eine Komfortbewegung der Hühner, zu denen man auch das Scharren oder das Kopfschütteln zählt. Gerade Letzteres nimmt erheblich zu, wenn Hühner unter Stress stehen.

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