Tipps
› Zurück

Hühnerhaltung

Wie mache ich mein Huhn glücklich?

Geflügel | Donnerstag, 8. Oktober 2015, Fabienne Schenkel

Hühner brauchen nicht viel für ein artgerechtes Leben. Doch einige wichtige Punkte gilt es einzuhalten, damit es ihnen gut geht. Denn ein unglückliches Huhn ist schnell einmal krank.

Zweifellos ist es ein schönes Gefühl, Hühnern zuzuschauen, wie sie scharren, picken oder sich sonnen. Spannend ist es, ihre Verhaltensweisen zu beobachten: Die Angst vor einem ranghöheren Tier oder vor einem eben vorbeisegelnden Raubvogel, die Aufregung, wenn man Körner oder andere Leckerbissen in den Auslauf wirft. Und nicht zuletzt ist es ein wunderbares Geschenk, fast täglich mit einem Ei versorgt zu werden, das in seinem Geschmack eines aus dem Grosshandel um Längen schlägt.

Doch was kann man als Halter im Gegenzug tun, um etwas von diesen täglichen Freuden den gefiederten Tieren zurückzugeben? Anders gefragt: Wie kann man seine Hühner glücklich machen? Da stellt sich zunächst die wichtige Frage: Was fühlt ein Huhn – kann es Glück, Leid, Trauer empfinden? Diese Frage ist wohl die schwierigste, denn darüber wissen wir nur wenig.

Fähig zum Mitgefühl
Man weiss heute, dass viele Säugetiere und auch Vögel über neuronale Möglichkeiten verfügen, um verhaltenstypische Reaktionen zu zeigen. Wie intensiv und bewusst diese Gefühle wahrgenommen werden, darüber lässt sich jedoch nur spekulieren. Es ist hingegen eindeutig erwiesen, dass Hühner auf schlechte Bedingungen reagieren. Küken beispielsweise, die einzeln aufgezogen werden, reagieren darauf mit einer erhöhten Frequenz von Belastungslauten, was eindeutig auf Angstzustände hindeutet. Und je länger diese Isolation andauert, desto häufiger und intensiver sind die Laute zu vernehmen.

Glückliches Huhn
Glückliche Hühner
Schützende Sträucher und ein Sandbad steigern das
Wohlbefinden der Hühner.
Bilder: Fabienne Schenkel

Hühner sind aber nicht nur in der Lage, die eigenen Angstzustände durch Lautäusserungen kundzutun, sie können sie auch bei Artgenossen erkennen und ebenfalls darunter leiden. So gesehen, verspüren sie also eine Art Mitgefühl, sie können sich in ihre Artgenossen hineinversetzen. Sind Küken etwa einem auch nur leichten Luftzug ausgesetzt, ist bei den Hennen eine erhöhte Pulsfrequenz auszumachen. Zudem sind sie wachsamer, rufen ihre Küken häufiger zu sich und reduzieren ihre eigene Körperpflege auf ein Minimum. Hier sprechen Forscher von einem typischen Angstverhalten.

Angstfrei brüten
Ein anderes Beispiel: Kommt ein Besucher aufgeregt oder nervös in den Hühnerhof, überträgt sich dieser Gemütszustand meist auch auf das Huhn, das mit nervösem Flattern oder gar einem Fluchtversuch reagiert. Nimmt dies einmal einen ungünstigen Ausgang, indem sich das Huhn beispielsweise verletzt, verbindet es die Begegnung mit dem Menschen schnell mit etwas Negativem. So wird es sich auch in Zukunft nervös verhalten und damit wiederum steigt die Gefahr einer erneuten Verletzung.

Sind Hühner verängstigt, kann sich das auch auf ihre Legetätigkeit auswirken. Verschiedene Versuche zeigen eindrücklich, dass ein Huhn in verängstigtem Zustand deutlich weniger Eier und meist auch kleinere Exemplare legt. Weshalb das so ist, konnte wissenschaftlich bisher noch nicht eindeutig erklärt werden. Klar ist aber, sind die Angstzustände einmal chronisch, kann das zu gesundheitlichen Problemen und somit zu viel Leid führen. Selbst dann, wenn keine körperliche Verletzung ersichtlich ist.  

Besonders in der Brutzeit ist eine möglichst angst- und stressfreie Atmosphäre zu schaffen. Andernfalls kann dies Auswirkungen auf die Küken haben. Sie erfahren oftmals eine kognitive Beeinträchtigung. Denn auf Stress reagiert der Hühnerkörper mit einer erhöhten Produktion von Stresshormonen, den sogenannten Kortikosteronen. Diese Hormone bereiten den Körper auf geeignete Reaktionen als Antwort auf Stressreize vor. Also auf das Kämpfen oder Fliehen.

Gibt es kurz vor der Eiablage viel Stress, werden grosse Mengen der Hormone ans Ei abgegeben. In hohen Dosen kann das die kognitive Entwicklung der Küken beeinflussen. Dieser sogenannte pränatale Stress kann die Empfänglichkeit der Küken für Prägereize abschwächen. Untersuchungen haben gezeigt, dass solche Küken ihr Leben lang ängstlich und empfindlich auf Veränderungen reagieren.

Stress muss aber nicht unbedingt durch einen Feind ausgelöst werden, er entsteht auch, wenn das Huhn im Sommer beispielsweise zu wenig Wasser erhält oder zu grosser Hitze ausgesetzt ist. Denn Hühner ertragen hohe Temperaturen weit weniger gut als tiefe, zudem sind sie nicht in der Lage zu schwitzen, da ihnen die Schweissdrüsen fehlen.

Je sicherer, desto weniger gestresst
Hühner gönnen sich gerne ein Staubbad, scharren im Gras oder picken Körner vom Boden auf. Werden sie daran gehindert, zeigen sie sich frustriert. Laut Joseph Barber, Professor an der Universität von Pennsylvania, erkennt man dies an ihrem Aggressivitätszustand und am sogenannten «gakeln». Dabei handelt es sich um einen anfangs langen jammernden Ton, der von einer Reihe kurzer betonter Laute abgelöst wird. Hört man den Laut zu oft, ist dies ein eindeutiges Zeichen, dass die Tiere einen Mangel an arttypischen Verhaltensweisen haben.

Doch nun zurück zur eingehenden Frage. Was kann ich tun, um meine Hühner glücklich zu machen? In erster Linie ist eine ruhige und stressfreie Umgebung zu schaffen. Damit ist schon viel für ihr Wohlbefinden erreicht. Hierzu gehört, dass die Tiere genügend Schlafmöglichkeiten zur Verfügung haben und nicht um einen Platz kämpfen müssen. Ausreichend Legenester, die geschützt und etwas abgedunkelt sind. Ein abwechslungsreicher Auslauf mit Bäumen, Sträuchern oder Büschen. Einerseits bieten diese Schutz vor Greifvögeln, was den Tieren mehr Sicherheit gibt und somit zu weniger Stress führt; andererseits haben sie so Rückzugsmöglichkeiten – um zum Beispiel nach einem Rangordnungskampf etwas zur Ruhe zu kommen oder um etwas Abkühlung im Schatten zu finden. Ausserdem braucht es einen ungestörten, überdeckten Ort, wo die Hühner ihr tägliches Sandbad nehmen können.

Hühner brauchen auch ausreichend Platz, doch was heisst das? In Experimenten hat man versucht, Hühner die Grösse ihres Auslaufes selber bestimmen zu lassen. Dazu wurden sie angeleitet, auf Knöpfe zu picken. Je nach Knopfdruck vergrösserte sich der Auslauf oder aber er wurde kleiner. Man müsste nun annehmen, dass die Tiere bestrebt waren, ihren Auslauf zu vergrössern. Doch erstaunlicherweise war dies nicht bei allen der Fall. Ranghohe Hühner bevorzugten weniger Raum, während sich rangniedere Tiere in grösseren Räumen wohler fühlten. Zu erklären ist dies am ehesten damit, dass dominante Hühner in kleineren Räumen ihre Gegner leichter vertreiben können und sie einfacher zu den Ressourcen kommen, während in grösseren Räumen mehr Ausweichmöglichkeiten bestehen.

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen