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Geflügel

Eingeengte Hühner picken einander

Geflügel | Donnerstag, 12. Juni 2014, Fabian Schenkel

Das Federpicken unter Junghühnern ist eine ernste Sache, die im schlimmsten Fall sogar bis zum Kannibalismus führen kann. Damit das nicht passiert, sind genügend Platz und Beschäftigung wichtig.

Das gegenseitige Picken ist eine Unart der Hühner, die zwar nicht aggressiv gemeint ist, doch schnell ernst werden kann. Im harmlosen Fall entstehen Schäden am Gefieder, an den kahlen Stellen kühlt der Körper schneller aus. Doch was mit einem gegenseitigen Picken an Flaum und Federn beginnt, führt oft zu blutigen Wunden und Kannibalismus. Die Wunden wirken wie Magnete: Blutet ein Tier in der Herde, wird es oft zu Tode gepickt. Für Geflügelzüchter ist es wichtig, drei verschiedene Formen von Kannibalismus auseinanderhalten zu können. Der eine erfolgt am Schwanzansatz oder der Kloake, der zweite am Kopf und am Kamm und ein dritte Form ist der Zehenkannibalismus.

Das Federpicken ist kein aggressives Verhalten der jungen Tiere. Sie sind auf der Futtersuche fehlgeleitet und picken deshalb nach ihren Artgenossen. Verschiedene Gene, die Haltung oder die Fütterung können das Federpicken auslösen. Wie aus den Unterlagen des Aviforum hervorgeht, sind die braunen Legehybriden stärker davon betroffen. Deren Gene lösen in der Legephase offenbar viel eher ein Federpicken und einen Kloaken-kannibalismus aus als diejenigen weisser Legehybriden. Gerade umgekehrt ist es beim Zehenpicken. Dieses fehlgeleitete Verhalten wurde bei den weissen Legehybriden mehr beobachtet.

Die Gene sind schuld
Im Buch «Geflügelkrankheiten» von Dr. Fritzsche und Dr. Gerriets wird beschrieben, dass früher besonders die rebhuhnfarbigen Italiener als Federfresser bekannt waren. In einem Versuchstierbestand um 1950 zeigte sich ein starker Federfrass bei Italienerhühnern. Trotz gleich bleibender Haltungs- und Fütterungsbedingungen hatte das Federfressen ohne ersichtliche Gründe plötzlich nachgelassen.

Dr. Gerriets beobachtete 1958 in einem Produktionsbetrieb ein starkes Federfressen. Dort wurde in einem schlechten Stall mit wenig Auslauf und ungenügender Fütterung das Fehlverhalten bei den rebhuhnfarbigen Italienern beobachtet. Die gemeinsam mit den Italienern gehaltenen Leghorn hingegen waren nicht betroffen; sie pickten nicht, wurden aber auch nicht gepickt. Diese beiden Rassen sind die Vorfahren der Legehybrinden. Ein genetischer Zusammenhang ist gegeben, doch nähere Forschungsergebnisse dazu gibt es nicht.

Erfahrene Züchter berichten heute, dass Federfressen oft in der Aufzucht bei überbelegten Ställen zu beobachten ist. Je nachdem wie viele Tiere betroffen sind, kann das Fehlverhalten im Anfangsstadium noch gestoppt werden. Das Federpicken entwickelt jedoch schnell eine Eigendynamik. Wird mit dem Eingreifen zu lange gewartet, kann die ganze Herde betroffen sein. Oft ist durch die Anpassung der Haltungsbedingungen mit grösseren Ställen und reichlich Auslauf das Problem zu beheben.

Beim Rassegeflügel ist das Federpicken oft im Kükenalter und weniger vor Legebeginn zu beobachten. Die kritische Zeit liegt zwischen der dritten und fünften Alterswoche. In dieser Zeit wechseln die Jungtiere zum ersten Mal ihre Federn. Besonders bei weiss befiederten Rassen wirken die Federkiele anziehend auf die Artgenossen, da bei diesen die rote Blutbahn durch den farblosen Kiel schimmert. Findet man zu dieser Zeit im Stall reichlich Federn am Boden, ist alles in Ordnung, denn dies zeigt, dass die Hühner überhaupt nicht hinter den Federn her sind.

Die aktiven Federfresser sind meist Hennen, die Hähne verhalten sich eher passiv. Werden sie jedoch getrennt von den Hennen gehalten, bepicken auch sie sich gegenseitig. Die beiden Autoren des Buchs «Geflügelkrankheiten» schreiben weiter, dass das Federpicken oft nach der Beendigung der ersten Legeperiode begann.

Beschäftigungstherapie für Federpicker
Damit das Huhn seinen natürlichen Trieb, sich sein Futter zu suchen, ausleben kann, sollte es möglichst viel Platz haben. So ist es jederzeit beschäftigt und kommt weniger auf «dumme Gedanken». Auch reichlich Einstreu, in welcher die Hühner scharren können, tut ihnen gut und gibt ihnen Beschäftigung. In der Wirtschaftsgeflügelzucht wird den Hennen bündelweise langes Stroh gereicht. So können sie sich damit beschäftigen, die Halme aus den Ballen zu ziehen und zu zerkleinern. Eine weitere Möglichkeit sind Ytongsteine (Schalungselemente). Die Hühnchen bepicken diese und entschärfen so gleich noch den Schnabel. Oder man stellt ihnen Styropor zur Verfügung, welches die Hennen in die kleinsten Einzelteile zerlegen.

Um die Hennen zu beschäftigen, können auch täglich einige Körner in die Einstreu gegeben werden, die sie suchen können. In der Wirtschaftsgeflügelzucht werden auch leere Futtersäcke, Petflaschen, Ketten oder Ähnliches im Stall aufgehängt, damit die Hennen immer wieder etwas Neues erkunden können.

Mit ein Grund für das Federpicken könnten eine Hautkrankheit oder ein Parasitenbefall auf der Haut und im Gefieder sein. Werden zusätzlich Mineralsalze, Aminosäuren oder Spurenelemente verabreicht, führte dies bei den Untersuchungen von Dr. Fritzsche und Dr. Gerriets allerdings zu keinem Ende des Fehlverhaltens. Als Vorbeugemassnahme eignet sich ein abwechslungsreicher Menüplan. Futterrüben, Karotten oder Maiskolben sorgen für die nötige Beschäftigung im Hühnerstall.

Früher wurden die Tiere oft auch mit Produkten behandelt, die einen starken Bittergeschmack enthielten, um von der Pickerei abzuhalten. Dazu wurde Holzteer oder Schmierseife verwendet. Im Ausland werden noch andere Varianten zur Vorbeugung eingesetzt, die in der Schweiz jedoch verboten sind. In Amerika und den Niederlanden werden den Hühnern Brillen aus Blech auf die Nase montiert. Dadurch ist das Sichtfeld nach vorne behindert und die Tiere können nicht nach Federn picken. Ebenfalls verboten ist in der Schweiz das Kürzen des Oberschnabels; einzig ein leichtes Touchieren der Schnabelspitze wird geduldet.

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