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Kokzidienbefall

Durchfall ist für Küken lebensgefährlich

Geflügel | Donnerstag, 5. Juni 2014, Fabian Schenkel

Leiden Küken unter Kokzidien, droht ihnen oft der Tod durch innere Blutungen. Abhilfe schaffen sorgfältige Hygiene und eine Impfung.

Kokzidien sind Einzeller, die sich auf die verschiedenen Geflügelarten und einzelne Darmabschnitte spezialisiert haben. Sie führen beim Geflügel zu schweren Darmerkrankungen. Sie haben eine komplizierte Entwicklung und sie befinden sich innerhalb und ausserhalb des Körpers der Hühner. Es sind neun verschiedene Arten von Kokzidien bekannt. Einige führen nur zu leichten Gesundheitsstörungen des Geflügels. Andere brauchen drei Tage von der Aufnahme bis zur Erscheinung der Krankheit. Dies schreibt Dr. Harry Dieter Schobries im Buch «Geflügelkrankheiten».

Unter den verschiedenen Arten von Kokzidien zählen die Oozysten zu den widerstandsfähigsten. Nach Dr. E. Schürmann haben Versuche gezeigt, dass die Kokzidien im feuchten Erdboden ohne Sonneneinwirkung bis zu 18 Monate ansteckungsfähig bleiben. Sind die Erreger einmal im Darmtrakt des Huhns, so braucht es nur vier bis sechs Tage, bis die nächste Parasitengeneration entstanden ist. Es erstaunt nicht, dass mit dieser schnellen Vermehrung die Zellen in der Darmschleimhaut innert kurzer Zeit stark beschädigt werden.

Symptome der durch Kokzidien verursachten Krankheiten sind dünnflüssige oder blutige Ausscheidungen. Eine Blutarmut ist wahrscheinlich und die Sterblichkeit bei erkrankten Tieren ist hoch. Die schlimmste Erkrankung bei den Küken ist die «rote Kükenruhr». Dabei werden die Schleimhaut und somit auch die Blutgefässe im Blinddarm beschädigt. Die Tiere können innerlich verbluten, oft ist Blut in den Ausscheidungen zu finden. Bereits ab der dritten Lebenswoche können Küken daran erkranken.

Mastbetriebe sind besonders gefährdet
Am häufigsten ist die Erkrankung an Dünndarmkokzidien bei Junghühnern in der achten Lebenswoche. Erkrankte Tiere zeigen ein gesträubtes Gefieder, lassen die Flügel hängen und wirken blass. Oft sind diese Tiere teilnahmslos im Hühnerhof und haben sogar ihre Augen geschlossen. Für ein frühzeitiges Erkennen von erkrankten Tieren wird ein Papier in die Kotschale gelegt. Zeigen sich dabei grosse Flüssigkeitsflecken beim Absetzen des Kots, ist dies ein Indiz für eine gestörte Darmstabilität.

Durch das schnelle Wachstum, den hohen Futterkonsum und dadurch die starke Beanspruchung des Verdauungstraktes sind Masthähnchen besonders anfällig für Darmentzündungen. Eine schlechte Verdauung und ein hoher Eiweissgehalt begünstigen die Erkrankung. Im Normalfall wohnen verschiedene Mikroorganismen im Dickdarm und sorgen für eine gesunde Darmflora. Beim hohen Futterkonsum der Masthähnchen können jedoch zu viele unverdaute Nährstoffe zu einer unkontrollierten Vermehrung der Kokzidien führen. Eine gute Darmflora kann durch Milchsäurebakterien gefördert werden, die über das Trinkwasser verabreicht werden.

Die Wirtschaftsgeflügelzucht kann sich bei den grossen Tierzahlen keine Eingänge der Jungtiere leisten. In der Aufzucht ist eine Überlebensrate von 98 Prozent notwendig. Deshalb werden die Legeküken zwischen dem fünften und dem neunten Lebenstag über das Trinkwasser geimpft. Dazu wird oft der Lebendimpfstoff «Paracox» eingesetzt. Diese Impfung hält lebenslang. Gemäss Aviforum hat die Erkrankung der Kokzidiose dank der Impfung stark abgenommen. Sollte es trotzdem zum Ausbruch der Krankheit kommen, hilft nur noch ein Antibiotikum.

Schmutzige Schuhe vermeiden
Oft werden Kokzidien durch den Zukauf von erkrankten Tieren eingeschleppt. Deshalb sollten neu erstandene Hühner stets in einem separaten Stall unter Quarantäne gestellt werden. Doch auch Wildvögel wie Spatzen oder sogar Fliegen, die sich im Hühnerhof und Stall tummeln, können für die Verbreitung verantwortlich sein. Auch durch verschmutzte Schuhe des Hühnerbesitzers können die Erreger eingeschleppt werden. Nach einem Besuch bei Züchterkollegen empfiehlt es sich darum, Kleider und Schuhe zu wechseln.

Unter den Geflügelhaltern sind zwei Methoden zur Vorbeugung der Erkrankung verbreitet. Die beste Lösung ist die oben beschriebene Impfung der Küken. Die Packungen reichen jedoch für 1000 Tiere, weshalb mancher Hobbyzüchter darauf verzichtet. Eine Absprache im Verein oder im Spezialklub lohnt sich allemal, denn die Zahl verendeter Tiere in der Aufzucht kann deutlich vermindert werden.

Eine Alternative ist ein Futter, welches Zusätze enthält, die ebenfalls vor der Erkrankung schützen; dies ist allerdings keine lebenslange Impfung. Solches Futter ist meist mit dem Begriff «mit Kokzidiostatika» gekennzeichnet. Der Geflügelhalter hat sich für eine der beiden Möglichkeiten zu entscheiden, denn die Varianten schliessen sich aus. Eine weitere wirkungsvolle Massnahme ist die getrennte Aufzucht von Jung- und Alttieren. Die Stallungen sind gründlich zu reinigen und zu desinfizieren. Weiter sollten Futtertrog und Tränke so positioniert sein, dass keine Verunreinigung durch Kot möglich ist. Da sich die Erreger im feuchten Klima wohlfühlen, sind eine trockene Einstreu und nicht zu hohe Temperaturen im Stall wichtig. So kann die nächste Hühnergeneration gesund heranwachsen. 

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