Tipps
› Zurück

Geflügel

Raus an die frische Luft

Geflügel | Donnerstag, 5. Juni 2014, Fabian Schenkel

Nun kommt die Zeit, in der Hennen und ­Küken ins Freie dürfen. Wichtig ist, dass sie gut vor Feinden geschützt sind. Auch sonst gibt es beim Thema Auslauf einiges zu beachten.  

Hühner gehen gern ins Grüne. Erfahrene Züchter berichten, dass ihre Küken ins Gras dürfen, sobald dieses bereits am Morgen trocken ist. Etwas präziser ist da das Aviforum in den Lehrmitteln für die angehenden Geflügelzüchter: Besonders tierfreundlich gehaltene Legehennen müssen an ihrem 43. Lebenstag ins Freie. Viele Rassegeflügelzüchter lassen ihre Hühner meist schon früher raus.

Die Auslaufzeiten sollten dem Wetter angepasst werden. In den ersten 14 Lebenstagen empfiehlt sich ein Aussenspaziergang nur bei Sonnenschein und Windstille. Mit zunehmendem Alter sind die Küken nicht mehr so empfindlich, und sie merken selbst, wenn ihnen zu kalt wird und sie sich besser in den Stall zurückziehen.

Regelmässiger Auslauf für junge Hühner ist gut für die Gesundheit und macht sie widerstandsfähiger. Obwohl die Küken die Wärme der Sonne suchen, müssen besonders im Hochsommer auch Schattenplätze zur Verfügung stehen. Hühner lieben es, wenn sie im Auslaufgehege ein zusätzliches Wassergefäss finden und nicht für jeden Schluck ins Hühnerhaus zurückmüssen.

Besonders geeignet für junge Hühner sind Obstanlagen. Alfred Mehner schreibt im Lehrbuch zur Geflügelzucht, dass die Junghennen früher in Gruppen von 50 bis 80 Tieren in mobilen Ställen in den Obstgärten gehalten wurden. Die Bäume spenden im Sommer genügend Schatten und im Gegenzug fressen die jungen Hühner erhebliche Mengen von Ungeziefer.

Krähen sind unberechenbare Feinde
Der Freilauf für Küken birgt aber auch Gefahren. Der Fuchs ist mittels eines guten Zauns, der 10 bis 20 Zentimeter im Erdreich eingegraben ist, tagsüber gut von den Hennen fernzuhalten. Als zusätzliche Abwehrmassnahme kann man oberhalb des Zauns einen Elekrodraht ziehen.

Tagsüber ist es jedoch weniger der Fuchs, der auf der Lauer liegt. Meistens kommt der Feind aus der Luft. Greifvögel können durchaus nach Küken greifen. Sie brauchen dazu genügend Platz und eine grosse An- und Abflugschneise. Diese kann durch Bäume, Sträucher oder verdrehte Farbbänder verringert werden. Aufgehängte Spiegel oder Uhu-Attrappen können ebenfalls helfen, Greifvögel fernzuhalten. Einige Züchter erzählen von einem speziellen Trick: Hält man in einer Herde mit weissen Hühnern eine einzelne schwarze Henne, so glauben Greifvögel, es handle sich um eine Krähe. Diese allerdings sind ihrerseits die unberechenbarsten Feinde, wie die Erfahrung zeigt. Sie scheuen den Menschen nicht und nähern sich in Etappen. Haben sie ein Küken erwischt, sind sie schnell wieder zurück und können innert kurzer Zeit mehrere Tiere erlegen.

Ein Hobbyzüchter macht sich weniger Gedanken darüber, zu welchem Zeitpunkt er seine Hühner in den Auslauf lässt. Anders die wirtschaftlich orientierten Geflügelhalter; dort dürfen die Hennen erst hinaus, wenn die Eier gelegt sind, damit sie nicht durch schmutzige Hühnerfüsse verdreckt werden. Ein weiterer Grund, der gegen viel Freigang spricht, betrifft die Futteraufnahme. Damit die Legeleistung erhalten bleibt, müssen die Hennen jeweils morgens und abends genügend Futter im Stall zu sich nehmen. Nur so reichen die Nährstoffe für die kontinuierliche Eierproduktion aus.

Hühner sollten täglich Auslauf haben
Hat man viele Hühner, so lässt man sie bei Regen, Schnee und Wind am besten im Stall, damit die Rasenfläche nicht kahl gefressen wird. Halter von mehreren Hundert Hennen haben für Schlechtwetterphasen einen Wintergarten oder ungedeckten Laufhof als Ersatz. Eine andere Möglichkeit, um den Rasen zu schonen, besteht darin, die gesamte Auslauf­fläche in zwei oder drei Teilbereiche zu unterteilen, sodass sich jeweils eine Fläche ständig erholen, also das Gras nachwachsen kann.

Zu hoch sollte das Gras aber nicht sein. Horst Müller beschreibt im Buch zur Kükenaufzucht besondere Saatmischungen für das Gras im Kükenauslauf. Als ungeeignet gelten Weiden mit sauren Gräsern. Am besten wird das Gras kurz geschnitten wie bei einem englischen Rasen. Dadurch wird er strapazierfähiger. Bei hohem Gras besteht das Risiko, dass sich die Hennen zwischen den Grasbüscheln Mulden scharren und darin ein Staubbad nehmen. Ausserdem fressen Hühner lieber kurzes Gras. Hält man eine Rasse mit befiederten Läufen, ist der regelmässige Rasenschnitt unerlässlich. Nur so werden die Federn an den Füssen nicht zerschlissen und die Tiere können sich gut fortbewegen.

Wichtig für «glückliche» Hühner ist viel Auslauf und genügend Platz, damit die Grasnarbe stets erhalten bleibt. In der Wirtschaftsgeflügelzucht gibt es das Tierhaltungsprogramm RAUS (Regelmässiger Auslauf im Freien), welches für eine tierfreundliche Haltung steht. So schreibt RAUS den Bauern vor, dass die Junghennen ab dem 43. Lebenstag täglich spätestens von 13 Uhr bis mindestens 16 Uhr freien Zugang zur Weide haben müssen. Pro Tag müssen die Hennen mindestens fünf Stunden in der Weide scharren können. Nur bei schlechtem Wetter kann der Bauer den Freilauf einschränken. Das sind alles Vorgaben, die wohl auch jeder private Hühnerliebhaber einhält.

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen