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Brutapparate

Vitale Küken aus dem Kasten

Geflügel | Donnerstag, 20. März 2014, Fabian Schenkel

Wer selbst bestimmen will, wann seine Küken schlüpfen sollen, wählt die Kunstbrut. Damit sie gelingt, gilt es, ein paar Dinge zu beachten. Dazu gehört unter anderem die richtige Wahl des Brut­apparates.

Das künstliche Ausbrüten von Küken ist nicht so schwer, doch bevor man sich einen Brutapparat anschafft, ist der Einsatzumfang abzuklären. Für Liebhaber, die pro Saison nur 20 bis 30 Eier ausbrüten, reicht ein Flächenbrüter. Für Züchter, die jedes Frühjahr gegen 100 Eier ausbrüten, dürfte der Schrankbrüter die bessere Lösung sein. Heute verfügen Brutgeräte über zahlreiche Methoden zur Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung. Dennoch nimmt einem das Gerät nicht alle Aufgaben ab. Ob  die Technik auch funktioniert, muss kontrolliert werden. Schliesslich wächst im Brutapparat richtiges Leben heran, das bei einem längeren Stromausfall sterben könnte.

Den Brutkasten platziert man am besten in einem fensterlosen Raum, der aber dennoch durchlüftet werden kann. Die heranwachsenden Küken brauchen Sauerstoff. Wie Alfred Mehner im Lehrbuch der Geflügelzucht schreibt, haben Versuche mit 500 Eiern ergeben, dass beim Schlupf 156 Liter oder 4 Kubikmeter frische Luft benötigt werden. Für die Zeitdauer vor dem Schlupf ist der Sauerstoffbedarf kleiner: Für die 500 Eier braucht es täglich 1,3 Kubikmeter Frischluft.Die Temperatur im Brutraum sollte möglichst konstant zwischen 15 bis 21 Grad Celsius bleiben. Abweichungen von mehr als fünf Grad, zum Beispiel durch direkte Sonneneinstrahlung, muss der Brutapparat ausgleichen, was schlimmstenfalls zu Temperaturschwankungen im Gerät führen kann. Auch die Luftfeuchtigkeit ist gleichmässig zu halten. Für den Brutraum gilt absolute Hygiene. Schmutz ist Träger von Krankheitserregern, die sich bei Wärme und Feuchtigkeit schnell vermehren können. Deshalb sollen auch schmutzige Eier und Eibehälter nicht im Brutraum aufbewahrt werden. Eine weitere Vorsichtsmassnahme gegen Krankheiten sind saubere Kleider und Schuhe sowie gereinigte Hände.

Schrank- oder Flächenbrüter?
Beim Flächenbrüter ist der Motor häufig oberhalb der Eier positioniert. Dadurch entsteht ein ähnlicher Effekt wie bei der Naturbrut durch die Glucke. Von der Oberkante des Eis zur Unterkante gibt es einen Temperaturunterschied, gemäss Alfred Mehner bis zu zwei Grad. In diesen Apparat werden alle Eier gleichzeitig eingelegt, und erst nach dem Schlupf der Küken kann der Prozess von vorne beginnen. Die meisten Flächenbrüter haben eine Kapazität von 20 bis 40 Eiern. Bebrütet man Eier zu Schauzwecken in der Schule oder an einer Jungtierschau, so sind dies ideale Geräte, weil sie meist über ein grösseres Fenster verfügen und so der Schlupf mitverfolgt werden kann. Die Wasserzufuhr für die ideale Luftfeuchtigkeit von 65 bis 70 Prozent während der Vorbrut erfolgt oft manuell.

Der Schrankbrüter eignet sich besonders für eine grössere Anzahl von Eiern. Die Bruttemperatur ist mit 37,8 Grad dieselbe wie beim Flächenbrüter. Wie der Wert eingehalten werden kann, ist jedoch bei jedem Gerät etwas unterschiedlich; deshalb empfiehlt es sich, die Anleitung zu lesen. Je nach Modell sind Schrankbrüter räumlich zweigeteilt. In einem Bereich findet die Vorbrut bis etwa zum 18. Tag statt, im anderen – im Schlupfbrüter – picken die Küken die Eier dann am 21. Tag an. Mit dieser Unterteilung ist es möglich, laufend neue Eier in den Vorbrüter zu legen und mit der Brut zu beginnen. Viele heutige Modelle sind mit einer automatischen Feuchtigkeitsdosierung ausgestattet, man muss also nur noch das Wasserreservoir regelmässig füllen. Für den Schlupf der Küken sollte die relative Feuchtigkeit auf 90 bis 95 Prozent erhöht werden, damit die Küken an der Eihaut nicht antrocknen und gut schlüpfen können.

Regelmässiges Wenden ist lebenswichtig
Schwingungen von stampfenden Maschinen und Erschütterungen in hoher Frequenz schaden den Bruteiern. Trotzdem müssen die Eier während des Brutprozesses bewegt werden. Am besten stellt man sich dazu eine brütende Henne vor: Sie sorgt durch Bewegung ihres Körpers sowie mit ihrem Schnabel dafür, dass die Eier regelmässig alle dreissig Minuten gewendet werden.

Das ist aus zwei Gründen wichtig: Zum einen wird durch das Drehen die Nahrungszufuhr des Embryos sichergestellt. Ein Teil des Dotters kommt mit der Keimscheibe in Berührung und ist leichter als der übrige Dotter. Daher neigt er dazu, immer nach oben zu fliessen. Durch die Drehung kommt die Keimscheibe kontinuierlich mit neuem Nährstoff in Kontakt, der für das Wachstum notwendig ist. Zum anderen verhindert das Drehen, dass der Embryo an der inneren Eihaut festklebt, wodurch er nicht normal weiterwachsen könnte, wie Anderson Brown im Handbuch zur Kunstbrut schreibt. Denn das Eigelb ist leichter als das Eiklar und steigt stets nach oben.

Bei einfachen Brutmaschinen muss der Züchter das Drehen selber in die Hand nehmen. Um stets sicher zu sein, dass er tatsächlich alle Eier gewendet hat, empfiehlt es sich, jedes Ei zu bezeichnen. Zum Beispiel mit A auf der einen, mit B auf der anderen Seite. Vergessen darf man keine, denn die Konsequenzen sind eine tiefere Schlupfrate. Wenden muss man nicht alle dreissig Minuten, wie das in der Naturbrut geschieht, jedoch täglich mindestens einmal.

Viel leichter geht es mit einem Brutapparat, der mit einer halbautomatischen Wendefunktion ausgestattet ist. Bei einem solchen  braucht es nur eine leichte Bewegung, damit sich mehrere Eier gleichzeitig drehen: Diese liegen auf einer aus mehreren Rollen bestehenden Horde. Bewegt man diese Rollen nach vorne oder nach hinten, drehen sich die Eier automatisch. Bei den noch grösseren Geräten ist diese Wendefunktion vollkommen automatisiert. Dabei bewegt sich die Eierhorde im Brutapparat regelmässig von hinten nach vorne und zurück. Hier muss man nur noch daran denken, dass die Eier kurz vor dem Schlupf, etwa ab dem 18. Bruttag, nicht mehr gewendet werden dürfen. Damit sich das Küken auf den Schlupf vorbereiten kann.

Eier kann man auch ausbrüten lassen
Wie lange darf ich einen Brutapparat öffnen? Auch zu dieser Frage liefert die brütende Henne die beste Antwort. Sie verlässt jeweils die Eier während der Brut durchaus für einige Minuten täglich – um Futter aufzupicken oder auch, um sich zu entleeren. In dieser Zeit verlieren die Eier viel Wärme, zugleich findet auch ein Gasaustausch statt. Ein ähnlicher Effekt entsteht beim Flächenbrüter, wenn man den Deckel abhebt und die Eier von Hand wendet. Beim Schrankbrüter wiederum kühlen die Eier ab, wenn das Gerät mit neuen Bruteiern befüllt wird, also auch fast täglich für zwei bis drei Minuten. Heutzutage sind viele Geräte mit Öffnungen zur Luftregulierung ausgestattet, und ein Abkühlen des ganzen Apparats ist nur dann nötig, wenn in der Gebrauchsanweisung vermerkt.

Fühlt man sich trotz allem zu wenig sicher oder hat nicht die Zeit für eine Kunstbrut, so bringt man die Bruteier am besten in eine Lohnbrüterei. Dort werden diese durch erfahrenes Personal «ausgebrütet» und nach 21 Tagen kann man die frisch geschlüpften Küken abholen.

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