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Rassegeflügel

Das Sexualverhalten beim Geflügel

Geflügel | Donnerstag, 28. Februar 2013, Fabian Schenkel

Ob Pute, Perlhuhn oder Gans, beim Geschlechtsverhalten ist jede Art anders. Kennt der Züchter diese feinen Unterschiede, wird sein Zuchtjahr erfolgreich.

Wer das Geschlechtsverhalten des Hausgeflügels kennt, könne daraus Schlüsse ziehen und diese in der Zucht anwenden, erklärte der Geflügelexperte und Buchautor Joachim Schille in einem Referat bei Rassegeflügel Schweiz. Das Thema sei übergreifend und wirke sich auf die Leistung und Schönheit der Nachzucht aus. Nur wer seine Tiere genau beobachte, könne ihre Lebensverhältnisse optimal gestalten und als Züchter erfolgreich sein. Doch das Sexualverhalten ist nicht nur der reine Liebesakt. Es müssen alle Themen wie Balz, Paarung, Begattung, Hackordnung, Brut und Aufzucht einbezogen werden.

Das typische Balzmerkmal etwa bei Truthühnern ist das Radschlagen des Männchens. Die Aufmerksamkeit gilt nicht nur einer, sondern allen Hennen. Ist eine der Damen paarungsbereit, streckt sie ihren Körper in die Länge oder legt sich hin. Mit einem Trampeln erfolgt daraufhin der Begattungsakt, wobei ein Puter mit Sporen die Henne auch verletzen kann. Es ist daher besonders bei Althähnen empfohlen, die Sporen zu kürzen. Junge Hähne sind oft noch etwas tollpatschig und trampeln neben, anstatt auf die Henne.

Da Perlhühner sollen erst am Mittag aus dem Stall
Da bei den Truthühnern der Geschlechterneid sehr ausgeprägt ist, sollten keinesfalls mehrere Puter zusammen gehalten werden. Es wird eher empfohlen, den Puter täglich auszuwechseln. Am besten wird ein Hahn mit mehreren Hennen gehalten. Je mehr Hennen desto besser, denn so ist die Verletzungsgefahr der weiblichen Tiere geringer. Ein Puter kann mit bis zu acht Hennen eine Zuchteinheit bilden. Im Laufe der Zuchtsaison nimmt die Befruchtungsfähigkeit des Puters ab, da die Beweglichkeit seiner Spermien durch die Aussenwärme sinkt. Bei zehn Grad Celsius herrscht Idealtemperatur. Die Hennen erreichen die höchste Befruchtungsrate zwischen der vierten und 14. Woche der Legetätigkeit.

Obwohl die Perlhühner von Menschen gehalten werden, so gleicht ihr Paarungsverhalten noch sehr jenem der Wildnis. Wenn sie in Zuchtanlagen als Paar leben, kann fast jedes Ei befruchtet sein. Mit der Anzahl zusätzlicher Hennen sinkt die Befruchtungsrate, weshalb ein Hahn nicht mehr als sechs Hennen zu seinem Harem zählen sollte. Den natürlichen Trieb haben die Perlhühner auch beim Eierlegen. Können sie ins Freie, suchen sie sich ein Versteck für die Eier und legen sie oft verstreut an Plätze, wo sie einst brüten möchten. Diesem Verlegen kann Abhilfe geschaffen werden, indem die Tiere erst mittags in den Auslauf dürfen und so ihre Eier im Stall legen müssen.

Die Vorfahren unserer Hausgänse waren monogam. Obwohl heute viele Legerassen mit verschiedenen Partnern anbändeln, zeichnet sich immer wieder ab, dass Gänse sich sehr lange an einen Partner binden. Am besten werden sie über Jahrzehnte zusammen gehalten, denn die Tiere müssen sich zuerst an ihren Kompagnon gewöhnen. Diese Phase beginnt meist schon im Herbst, weshalb die Zuchtstämme früh zusammengestellt werden müssen. Schille rät: «Wer erfolgreich Gänse züchten will, muss sie beobachten.» Am besten werden Gänse in grossen Ausläufen gehalten, damit sie selber nach Futter suchen können. Die Paarungsbereitschaft geht vom Ganter aus, indem er den Hals eintaucht oder einzieht. Beim Ganter nimmt die Fruchtbarkeit mit dem Alter zu und erreicht im zehnten bis zwölften Lebensjahr ihren Höhepunkt. Die Fruchtbarkeit ist im Frühjahr am grössten und nimmt gegen Sommer ab.

Männliche Stummenten sind rüpel- und sprunghaft
Mit Fauchen, Kopfstrecken und Schwanzspreizen zeigt sich in einer Herde Stummenten die sexuelle Erregung. Der Erpel
ist ein rüpelhafter Liebhaber. Nachdem er die erste Ente begattet hat, rennt er mit heraushängendem Penis einer anderen nach und vollzieht den nächsten Akt. Doch dieses Verhalten kann dem Erpel auch schaden, da er sich aufgrund seiner Hektik und Geschwindigkeit oft verletzt.

Anders ist das Verhalten bei den Hausenten. Sie leben in Gruppen und bauen dort eine Rangordnung auf, die allerdings weniger ausgeprägt ist als bei Hühnern. Die Hausenten sind nicht lahm, sondern vom Charakter her ängstlich. Die Paarungsrituale der Wildenten sind bei der Hausente nur abgeschwächt erkennbar. Paare bilden sich meist bei kleinen Entenrassen. Unter Züchtern wird viel eher die Haltung von einem Erpel und drei bis fünf Hennen empfohlen. Diese Gruppen können beliebig zusammengestellt werden, und die Paarungsbereitschaft wird hier durch Halsstrecken angezeigt. Wenn die Ente dazu nicht bereit ist, kann der Erpel ihr nur nachrennen. Im ersten Lebensjahr ist die Fruchtbarkeit am besten. Daher wird empfohlen, mit jungen Erpeln und jungen Weibchen zu züchten, die noch besser legen.

Ein Gockel liebt Hennen, die in Blüte stehen, die also begonnen haben zu legen. In Zuchtstämmen wurde beobachtet, dass oft die ranghöchste Henne nicht getreten wird und es bei rangniedrigeren Hennen nicht zur Begattung kommt, weil sie vertrieben werden. Dieses Verhalten zeigt sich später in der Befruchtung der Eier.

Ein junger Hahn nimmt das Werben ernster und ist damit auch erfolgreicher
Die Potenz der Hähne ist an Geschlechtsmerkmalen wie dem grossen Kamm oder den gut entwickelten Sporen zu erkennen. Doch wie das Sprichwort «Zwei Hähne auf einem Mist, meistens gar nichts Gutes ist» schon andeutet, sollten nicht zwei Hähne in einer Herde sein. Denn entweder tritt nur der ranghöhere Hahn die Hennen oder er unterlässt die «Arbeit» vor lauter Imponiergehabe ganz und hindert den rangniederen ebenfalls daran. Ein Hahn kann die Eier von drei bis 15 Hennen erfolgreich befruchten. Dazu muss er jede Henne alle vier Tage treten, damit die Befruchtung anhaltend ist. Um die Gunst der Hennen wirbt der Hahn, indem er ihnen Futter anbietet, über die Flügel stolpert oder mit Locklauten die Hennen ruft. Alte Hähne sind oft weniger erfolgreich, weil sie das Werben nur andeuten und nicht mehr so ausgiebig um die Hennen kämpfen wie Junghähne. So ist es auch verständlich, dass ein junger Hahn besser und früher befruchtet als ein alter Hahn.

Die Befruchtungsrate ist bei den Hühnern im Herbst am höchsten und im warmen August am geringsten. Ausserdem reicht es, die Hähne erst am Nachmittag zu den Hennen zu lassen, da dann die Spermamenge am höchsten ist. Sind die Hähne stattdessen dauernd bei den Weibchen und treten sie oft, wird bei den einzelnen Akten nur wenig oder kein Sperma abgesondert. Oft getretene Hennen weisen also nicht eine bessere Befruchtung der Eier auf.

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