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Was Züchter beachten müssen

Nach der Zucht ist vor der Ausstellung

Tauben | Dienstag, 15. Oktober 2019, Christoph Uebersax

Die Rassetaubenzucht befindet sich in einem fortwährenden Kreislauf, der sich stets überschneidet. Während sich die Zuchtsaison dem Ende zuneigt, machen sich viele Züchter bereits Gedanken für die Zucht im kommenden Jahr. 

Bei vielen Jungtieren lässt sich bereits früh erkennen, welche Zucht- und Ausstellungskandidaten sie sein werden. Auch Alttiere, die man künftig nicht mehr einsetzen will, sollten möglichst schnell aus dem Schlag genommen werden. Der frei werdende Platz kommt den anderen Tauben zugute. Denn es ist für die Entwicklung der heranwachsenden Jungtiere förderlicher, wenn diese genügend Raum zur Verfügung haben und dadurch das Immunsystem stärken können.

Eine regelmässige Handkontrolle der Tiere, ob jung oder alt, sollte ebenfalls erfolgen. Schliesslich lässt sich hierbei mit einem kurzen Öffnen des Schwunges überprüfen, ob sich unerwünschte Mitbewohner wie Milben oder Federlinge eingeschlichen haben. Während die Federlinge das kleinere Übel sind und sich mit sachgemässer Behandlung auch noch kurz vor einer Ausstellung beseitigen lassen, sind die Milbenlöcher, die sich in den Federn der Tauben einnisten, das grössere Problem. Der Makel lässt sich wenige Wochen vor einer Schau nicht mehr korrigieren. Man muss also schon jetzt aufmerksam sein.

Mit dem Einsetzen der ersten Herbsttage zeigen sich bereits die ersten Jungtiere in ihrer vollen Federpracht, da sie die Mauser abgeschlossen haben. Dann lässt sich auch eine genauere Beurteilung über die Gefiederfarbe anstellen. Bei manchen Rassen oder Farbenschlägen kann sich zum Teil auch noch die Schnabelfarbe mit der Mauser verändern.

Transportkisten parat machen
Um all diese Feinheiten einem genauen Augenschein zu unterziehen, ist eine Handmusterung unerlässlich. Dabei kann ein kurzer Blick Auge in Auge mit den Rassetauben zur Überprüfung der Augenfarbe sinnvoll sein. Gleichzeitig ist es von Vorteil, wenn man die Ausstellungskandidaten, egal ob Jung- oder Alttiere, gleich auch noch für eine gewisse Zeit in eine Ausstellungsbox setzt, um sie so bereits an die zunächst ungewohnte Umgebung zu gewöhnen. Wenn man ihnen dann noch in Näpfen Wasser und Futter anbietet, hat man vieles richtig gemacht. Die Tauben lernen nämlich bereits, wo sie im Käfig das Futter und Wasser finden können, und nehmen dadurch auch an den Ausstellungen von Beginn an Nahrung zu sich.

Diese Gewöhnungsphase ist nicht mit einem einmaligen Einsetzen in die Boxen abgetan, sondern erfordert ein mehrmaliges Wiederholen. Hier tritt auch wieder das sehr unterschiedliche Wesen und Temperament der Tauben zutage. Da eine Farbentaube eher scheu und flüchtiger ist als beispielsweise eine Indische Pfautaube oder ein Kröpfer, benötigen die Tiere auch eine unterschiedliche Boxengewöhnung.

Spätestens wenn man seine Tauben zu einer Ausstellung angemeldet hat, setzt der Endspurt ein. Dann muss man sich Gedanken um die Transportkisten machen. Optimalerweise wurden die Transportkisten im Frühjahr nach den letzten Ausstellungen von der Einstreu gereinigt, vielleicht sogar in einen Plastiksack verschnürt, um ein Verstauben zu verhindern.

Auf jeden Fall ist es ratsam, die Transportkisten für die bevorstehenden Ausstellungen «fit» zu machen. So sollte unbedingt kontrolliert werden, dass die Innenwände, welche die Tauben auf dem Transport umgeben, auch wirklich sauber sind und nicht etwa Staub oder Schmutz aufweisen. Gerade bei Farbenschlägen wie zum Beispiel lackreichen Schwarzen, kann es ansonsten beim Einsetzen an der Ausstellung ein böses
Erwachen geben.

Auch bei neu gekauften Kisten sollten diese auf Staub überprüft und gegebenenfalls gereinigt werden. Wer weiss, wie lange diese beim Fachhändler eingelagert wurden. Wichtig und unerlässlich ist es, eine geeignete Einstreu zu verwenden, damit sich die Tiere während dem Aufenthalt in den Transportkisten nicht das ganze Bauch- und Aftergefieder mit Kot verschmutzen. Empfehlenswert sind hierfür Dinkel-Pellets, die beim Einstreuen in die Kiste bereits von Hand ein wenig zerdrückt werden sollten. Die restlichen Pellets zerfallen dann relativ schnell und haben eine ausgezeichnete Bindekraft. 

Nach der Mauser beginnt das Putzen
Man kann aber auch Hobelspäne oder andere gut saugende Materialien verwenden. Hier macht jeder Aussteller mit der Zeit seine eigenen Erfahrungen, was er für am besten geeignet hält. Eine gute Beschriftung ist ebenfalls ratsam. Sehen doch viele Taubenkisten fast gleich aus oder sind es auch. So erspart man sich beim Wiederfinden der Kiste unnötigen Ärger durch langes Suchen.

Doch nicht nur die Transportbehältnisse müssen auf Vordermann gebracht werden, sondern erst recht die Ausstellungskandidaten, die eigentlichen Hauptakteure jeder Ausstellung. Je nach gezüchteter Rasse und Farbenschlag bedarf es eines mehr oder weniger grossen Aufwandes in die Schauvorbereitung mit dem sogenannten Putzen. Darunter versteht sich das Entfernen einzelner Federchen mittels einer kleinen, scharfen Schere, um ein Zeichnungsbild abgegrenzter und klarer
erscheinen zu lassen.

Dieses Putzen kann bereits einige Wochen vor der Ausstellung erfolgen, sobald die Mauser abgeschlossen ist. Dies hat den Vorteil, dass man sich in ruhigen Stunden voll und ganz auf die Tauben konzentrieren kann und nicht erst kurz vor dem Einliefern. Den letzten Schliff bekommen die Tauben mit dem Entfernen des toten Hornes am Oberschnabel. Das lässt sich am einfachsten mit einem Nagelklipser und einer Nagelfeile bewerkstelligen. 

Berücksichtigt man all diese Ratschläge, sollte einem erfolgreichen Ausstellungs­besuch mit den Tauben nichts mehr im Weg stehen.

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