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Taubenzucht

Ein Auge auf die Jüngsten

Tauben | Dienstag, 16. Oktober 2018, Wilhelm Bauer

Die Tauben mausern gerade wie verrückt. Die Züchter haben alle Hände voll zu tun, um die Schläge zu reinigen. Mindestens genauso wichtig es aber, die jüngsten Tauben genau im Blick zu halten.

Jedes Jahr verlieren Tauben all ihre Federn und bilden sie neu. Mauser heisst dieser normale, natürliche Vorgang. Und er ist dringend nötig, da die äusseren Einflüsse den Federn an die Substanz gehen. Da sind Regen, Schnee, Kälte, Wärme und Sonneneinstrahlung. Nicht zuletzt kommt es auch vor, dass Federn durch mechanische Einflüsse in ihrer Gesamtheit beeinträchtigt werden. Die Mauser ist nötig, um das Taubengefieder wieder funktional zu machen. Als willkommener Nebeneffekt strahlt nach dem «Kleiderwechsel» jede einzelne Feder wieder in bester Verfassung. 

Kein Wunder, freuen sich Taubenzüchter jedes Jahr auf die Mauser ihrer Tauben. Aber während Alttiere in aller Regel nach der Mauser wieder aussehen wie davor, sind Jungtauben echte Wundertüten. Denn während das Jugendgefieder schmal, mit wenig Glanz und oft mit Farbeinlagerungen versehen ist, verändert sich das Federkleid bei den Halbstarken durch die Mauser grundlegend. Die Mauserzeit ist also auch eine Zeit der Überraschungen und Spannungen. Bekommt der schwarze Starhals einen Mond? Wird die Schuppung ihren Rost verlieren? Wie intensiv wird das Brustgold beim Luzerner Goldkragen? Fragen über Fragen, die den Züchter in dieser Zeit interessieren.

Die erste Mauser ist die schwerste
Es sind daher die Jungtauben, die während dieser Zeit besonders im Mittelpunkt stehen. Um ihnen eine bestmögliche Entwicklung zu gewährleisten, werden sie spätestens am Ende der Zuchtzeit von den Elterntieren getrennt. Ein separater Jungtierschlag ist dazu am besten geeignet. Dort haben die Jungtauben ausreichend Platz, um sich zu entwickeln. Denn obwohl die Mauser ein natürlicher Vorgang ist, strengt sie die Tauben immens an. Schliesslich müssen sie eine grosse Anzahl an Federn neu bilden. Sind die Tauben nicht absolut fit und gesund, sind sie während dieser Zeit sehr anfällig für Krankheiten.

Will der Züchter seine Jungtauben unbeschadet über diese schwierige Lebensphase bringen, sind ein paar Tricks und Kniffe gefragt. Der Aufwand lohnt sich, denn ist die erste Mauser einmal überstanden, ist die Taube «über den Berg»; die Mauser in den folgenden Jahren wird sie deutlich weniger stark beeinträchtigen als es die erste tut. 

Die Jungtauben in einem Schlag stammen stets aus mehreren Bruten. Sie sind daher unterschiedlich alt und müssen doch miteinander auskommen. Das Einsetzen der Geschlechtsreife der Täuber bringt die junge Gesellschaft ziemlich durcheinander. Stammen sie aus der ersten Brut, sind sie sehr schnell fertig mit der Mauser und damit ein «vollwertiges Mitglied» der Männergesellschaft. Das hat zur Folge, dass sie sehr stark von ihrem Geschlechtsgehabe geprägt sind. Vor allem die jungen Täubinnen haben dann sehr unter dem aufdringlichen Macho-Gehabe zu leiden. Sie haben dann einfach nicht mehr die Ruhe, die sie zur Entwicklung brauchen. 

Die Täubinnen sind kaum friedlicher
Um ihnen das Leben zu erleichtern, ist es sinnvoll, die Jungtäuber aus dem Jungtierschlag zu nehmen und sie zu den Alttäubern zu setzen. Das wiederum darf aber erst passieren, wenn sie die Mauser fast abgeschlossen haben. Macht man es früher, haben sie unter den alten Täubern zu leiden. Etwas weniger schlimm sieht es aus, wenn die Alttäuber ebenfalls gerade mit der Mauser beschäftigt sind. Dann dominieren sie nicht so stark. 

Kommen die Jungtäuber aus dem Jungtierschlag, haben die dortigen Tiere wesentlich mehr Ruhe. Der Jungtierschlag muss immer wieder nach pubertierenden Täubern durchsucht werden. Lässt man im Jungtierschlag ein paar alte Täubinnen, zeigen sich die Jungspunde recht bald; dann klärt sich auch die Geschlechterfrage rasch.

Aufgrund der reichlichen Nachzucht ist im Jungtierschlag fast immer eine üppige Anzahl an Tauben untergebracht. Die jungen Täubinnen dort mausern ebenfalls unterschiedlich, da auch sie nicht alle gleich alt sind. Auch bei ihnen sind die Tiere aus der ersten Brut bereits fertig, während die anderen noch in der Vollmauser sind. Und wie die Täuber gehen auch die Täubinnen einer Auseinandersetzung kaum aus dem Weg. Wo immer es möglich ist, sollte man also auch die Täubinnen aus dem Schlag nehmen. Auch sie können zu den Alttäubinnen gesetzt werden, wenn die gleiche Vorgehensweise wie bei den Täubern stattfindet.

Wenn eine Abtrennung der Täubinnen nicht möglich ist, muss der Züchter umdenken. Mehr denn je ist Platz jetzt ein wichtiger Faktor. Die Tauben müssen sich in ihrem Umfeld aus dem Weg gehen können. Mehrere Futtertröge und Tränken können schon sehr viel dazu beitragen, dass sie sich nicht ständig in die Quere kommen.

Wichtig für die Hygiene im Schlag der mausernden Tauben ist es, die abgeworfenen Federn möglichst täglich aus dem Schlag zu entfernen. Besonders sinnvoll ist es dabei, wenn der Schlag komplett ausgefegt wird, damit auch die Federspulen weg sind. Wer einen Industriestaubsauger besitzt, hat es viel leichter und kann gründlicher arbeiten. Wenn die Tauben auffliegen, wirbeln sie nämlich kleinste Feder- und Staubpartikel in die Luft. Und die können sich in den Atemwegen der Tiere festsetzen und sie so beeinträchtigen. Das wiederum schränkt ihre Leistungsfähigkeit ein. Kommen dann noch weitere Probleme dazu, kann das massive Folgen haben. Kokzidien, Trichomonaden und Würmer sind nur einige der gängigsten Krankheitserreger. 

Nachzügler besonders anfällig
Dass vor allem die Spätjungen davon betroffen sind, ist verständlich. Sie bekommen von ihren Eltern weniger Immunstoffe mit als die Tiere aus der ersten Brut und brauchen daher mehr Zeit, um ihr eigenes Immunsystem zu komplettieren. Gerade deshalb sind sie besonders anfällig. Die Mauser kann also durchaus zum Auslöser einer Krankheit werden: Sie kann der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. 

Bricht im Jungtierschlag eine Krankheit aus, darf der Züchter auf keinen Fall selber tätig werden. Nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt sind die Krankheiten mit den entsprechenden Medikamenten zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang sind die Spätjungen oftmals der Gradmesser. Ihre höhere Anfälligkeit ist hier vielleicht sogar ein gewisser Vorteil. Der Züchter erkennt dank ihnen früher, wenn etwas nicht stimmt.

Als erfolgreicher Taubenzüchter muss man also jetzt ungeheuer aufmerksam sein und die Tauben täglich genau beobachten. Nur wer das tut, kann früh genug gegensteuern und erkennt auftretende Probleme rechtzeitig.

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