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Tauben

Beliebtes Keimfutter selber herstellen

Tauben | Donnerstag, 4. September 2014, Wilhelm Bauer

Vögel lieben Keimfutter, auch Tauben machen dabei keine Ausnahme. Immer mehr Züchter stellen Keimfutter selber her. Damit es gelingt, müssen jedoch gewisse Dinge beachtet werden.

Tauben sind Körnerfresser. Das war und ist die landläufige Meinung. Untersucht man aber den Kropfinhalt frei fliegender Tauben, dann fällt einem schnell auf, dass sie im Grund regelrechte Allesfresser sind. Da findet man neben Körnern auch Sämereien, Erde, Steinchen, Pflanzenteile und sogar Schnecken- oder Würmerfleisch. 

Die Züchter sind deshalb bemüht, ihren Tauben eine möglichst abwechslungsreiche Fütterung anzubieten. Die Basis bildet immer noch eine Körnermischung. In früheren Zeiten waren darin vor allem Weizen und Gerste, eventuell auch etwas Mais und Erbsen die Hauptbestandteile. Im Vergleich dazu wirken die heutigen Futtermischungen wie regelrechte Menüs. Milo, Dari, Kardi, Sonnenblumen, Hirse, Reis usw. sind heute fast immer zu finden. Dennoch fällt auf, dass jede Taube ihre besonderen Vorlieben hat, und diese Körnerart zuerst frisst. Man braucht sich nichts vorzumachen: Ist die Futterration entsprechend knapp, haben die Tauben zum Sortieren gar keine Zeit und nehmen die Körner wie sie kommen. Eine knappe Fütterung ist also durchaus sinnvoll und für eine abwechslungsreiche Nahrung zu empfehlen.

Die Zusammensetzung eines Körnermischfutters wird in der Regel von den Produzenten bestimmt. Das Aussehen der Mischung spielt auch eine gewisse Rolle, manchmal hat man den Eindruck: je bunter, desto besser! Diese Meinung vertreten leider auch viele Züchter. Da ist ein Futter nur dann gut, wenn es möglichst viele verschiedene Saaten beinhaltet. Dass das aber nicht unbedingt der Fall sein muss, demonstrieren mindestens genauso viele Züchter.

Das Futter sollte noch «leben»
Wesentlich wichtiger als die Zusammensetzung ist nämlich die Keimfähigkeit des Getreides. In der Regel wird das Getreide für unsere Futtermischungen künstlich getrocknet und eventuell sogar begast. Auch dass die Bestandteile alle aus heimischer Produktion stammen, ist ein Märchen. Vor allem in den ehemaligen Ostblockstaaten wird ein grosser Teil des heute verwendeten Getreides angebaut. Die Standards, die wir wollen, werden dort leider nicht immer eingehalten. Ihre Standards aber von vorneherein abzulehnen, wäre ebenfalls falsch.

Bevor wir das Futter unseren Tauben geben, sollte man immer eine Keimprobe machen. Sie zeigt uns unmissverständlich, welche Güte das Korn hat. Denn nur wenn sich der Keimling entwickelt, ist das Getreide noch «am Leben», beinhaltet also alle Nährstoffe. Von einem befreundeten Züchter weiss ich, dass seine Tauben ein Futter plötzlich nicht mehr frassen. Als er die Keimprobe machte, stellte sich heraus, dass sich nichts regte, also keine Keimlinge zum Vorschein kamen. Da drängt sich die Frage auf, ob Tauben einen siebten Sinn dafür haben, die Keimfähigkeit zu «riechen». Einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es nicht. Nur Beobachtungen aus der Praxis.

In freier Natur finden Tauben selten einmal trockene Körner. Vielleicht gerade zur Erntezeit und selbst da haben die einzelnen Körner einen deutlich höheren Feuchtigkeitsgehalt als später, wenn es etwas abgelagert ist. Viele Züchter sind deshalb dazu übergegangen, ihren Tauben gekeimtes Futter anzubieten. Sie orientieren sich dabei an der Natur, was den Tauben zugutekommt. Welche Vorteile hat aber nun Keimfutter? Die Unterschiede zwischen den Inhaltsstoffen eines «ruhenden» Korns und den Inhaltsstoffen eines im Wachstum befindlichen Keimlings sind riesig. Denn um wachsen zu können, muss der Keimling viele Vitamine und weitere Vitalstoffe wie Aminosäuren bilden. Dies ist natürlich auch für die Tauben von Vorteil. Hinzu kommt, dass viele Spurenelemente und Mineralstoffe im Korn gebunden vorliegen. Erst durch die Keimung werden sie in grösserem Stil frei und damit für unsere Tauben verwertbar.

So stellt man Keimfutter her
Zusammengefasst heisst das, dass Keimfutter wesentlich wertvoller als «ruhende Körner» ist. Mit wenig Aufwand lässt sich Keimfutter herstellen, sofern das Futter keimfähig ist. Auf jeden Fall müssen aber ein paar Rahmenbedingungen beachtet werden. Nur wenn man das beherzigt, wird man auch den gewünschten Erfolg haben. Schliesslich ist Keimfutter, das ja einen wesentlich höheren Feuchtigkeitsgehalt hat, ungemein anfällig für Schimmelpilze – und diese sind gefährlich und könnten sogar zum Tod der Tauben führen. Treten Schimmelpilze auf, ist das Futter sofort zu vernichten. Das heisst, nur wer die hygienischen Standards erfüllen kann, sollte Keimfutter herstellen. Es empfiehlt sich, immer nur so viel Keimfutter zu produzieren, wie mit einer Fütterung gefressen wird. 

Um Keimfutter herzustellen, muss man zunächst die entsprechenden Gerätschaften bereitstellen: Eine Schüssel und ein engmaschiges Sieb reichen eigentlich schon aus. 

Die gewünschte Futtermenge wird in einer Schüssel mit Wasser übergossen, sodass sie vollständig unter der Wasseroberfläche liegt und über Nacht stehen gelassen. Verwendet man dazu lauwarmes Wasser, kommt das der Keimung sehr entgegen. Wer will, kann diesem Wasser auch einen Schuss Obstessig beigeben. Diese Senkung des ph-Wertes hilft, damit sich Schimmelsporen nicht so leicht entwickeln können. Am nächsten Tag wird das Futter in ein Sieb geschüttet und mit klarem Wasser ausreichend gespült. Am besten deckt man das Futter mit einem Tuch ab, um Verschmutzung auf jeden Fall auszuschliessen. Das Sieb wird an einen nicht zu kühlen Platz gestellt. 

Spätestens am nächsten Tag müssen sich die ersten Keimspitzen zeigen. Jedes einzelne Korn platzt auf und eine kleine weisse Keimlingsspitze ist zu sehen. Das reicht aus, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten. Das Keimfutter ist also schon in diesem Stadium zum Verfüttern bereit. Hat man doch einmal mehr Futter angesetzt, als man aufs erste Mal braucht, spült man das Futter nochmals durch und lässt es weiterkeimen. Am nächsten Tag sind die Keimlinge natürlich länger, werden aber von den Tauben immer noch problemlos aufgenommen. Zum Spülen ist anzumerken, dass man hier mit dem Wasser nicht knausern darf. Nur dann ist nämlich gewährleistet, dass sich kein Schimmel bildet.

Tröge müssen sauber gehalten werden
Es steht ausser Frage, dass durch die Fütterung von Keimfutter mehr Feuchtigkeit in den Futtertrog gelangt. Unter Umständen kann es deshalb auch hier zu Schimmelbildung kommen. Die Verwendung von Kunststofftrögen ist eine sinnvolle Alternative. Sie können nämlich einfach gereinigt werden. Aber auch mit Holztrögen funktioniert es gut, wenn man diese immer wieder sauber macht und gut trocknen lässt. Sie sollten also eher zur warmen Jahreszeit verwendet werden.

Ich persönlich verfüttere Keimfutter nur während der Jungtieraufzucht und zur Zeit der Mauser, zweimal wöchentlich. Ich nehme dazu Mischfutter und habe somit gleich die Kontrolle, ob das Futter keimt. Andere Züchter wiederum keimen nur eine Getreideart, meistens Weizen oder Gerste, die dann eine komplette Fütterung ausmacht.

Keimfutter ist eine tolle Sache und wird von den Tauben gerne gefressen. Vielleicht liegt es daran, dass es der ursprünglichen Nahrung sehr nahekommt. 

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