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Prachtfinken

Vielfalt beim Futter für Finken

Ziervögel | Freitag, 11. September 2015, Horst Mayer

Prachtfinken zählen zu den am häufigsten gehaltenen Vogelarten. Die richtige Fütterung ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Pflege. Ein langjähriger Züchter von Prachtfinken erklärt, wie die kleinen Vögel richtig ernährt werden.

In freier Natur fressen die allermeisten Prachtfinkenarten hauptsächlich verschiedene Grassamen. Diese werden entweder als reife Körner vom Boden aufgelesen oder in überwiegend halb reifem Stadium direkt aus den Ähren herausgeklaubt. Ausserdem verzehren Vertreter dieser Vogelfamilie, zu der zum Beispiel der Zebrafink gehört, Grünfutter verschiedenster Art sowie Kräutersamen. Für viele Prachtfinken spielen zudem lebende Insekten eine grosse Rolle. Nur wenigen Arten dienen sie als Hauptnahrungsquelle, aber für die meisten ist dieses proteinhaltige Futter für die Aufzucht der Jungen unerlässlich. Auch Obst und Beeren sind für manche Exoten eine willkommene Beikost.

Ein im Handel speziell für die Bedürfnisse von Prachtfinken aus verschiedenen mehlhaltigen Sämereien gemischtes «Prachtfinkenfutter» bildet deshalb die Grundlage für die Ernährung unserer Pfleglinge. Dabei gibt es heute verschiedene Mischungen. So enthält ein Futter für dünnschnäblige Exoten (darunter versteht man die überwiegend in Afrika beheimateten Astrilden) mehr kleinkörnige Saaten wie Manna-, Senegal-, Mohair- und Japanhirse, während die dickschnäbligeren Amadinen und Nonnen einen grösseren Anteil an Silber- und Platahirse sowie Glanzsaat bekommen. Bei allen Prachtfinken äusserst beliebt sind Knäuelgrassamen – diese sind aber teuer und deshalb in üblichen Mischungen überhaupt nicht oder nur sehr wenig enthalten – sowie Kolbenhirse. Einige Prachtfinken, wie etwa Papageiamadinen, nehmen auch gerne ölhaltige Sämereien auf. Für sie kann man eine spezielle Mischung für Papageiamadinen kaufen oder zusätzlich eine Wildsamenmischung für Zeisige anbieten.    

Elementar sind auch Mineralien. Sie sind zwar nur in geringen Mengen notwendig, dürfen jedoch niemals fehlen. Im Fachhandel gibt es viele verschiedene Sorten zu kaufen. Meine Vögel bekommen in separaten Näpfen stets mehrere Präparate gemischt angeboten, darunter auch Futterkalk und Grit. Des Weiteren gebe ich in diesen Napf noch Holzkohle und, ganz wichtig, zerstossene Schalen von Hühnereiern. Um mögliche Keime abzutöten, werden die getrockneten Eierschalen zehn Minuten lang bei gut 100 Grad Celsius im Back­ofen erhitzt. Eine willkommene Abwechslung, und zur Jungenaufzucht auch wichtig, ist die Gabe von Grünfutter. Für Prachtfinken bedeutet dies in erster Linie halb reife Sämereien, weniger Blattgrünfutter, wie die bekannte Vogelmiere.

Chemie unbedingt vermeiden
Halb reife Gräser und wild wachsende Hirse kann man im Sommerhalbjahr in freier Natur in vielen verschiedenen Sorten selbst sammeln. Besonders gute Erfahrungen gemacht habe ich mit diversen Rispengräsern und mit Blutroter Finger-, Grüner Borsten-, Hühner- und Waldhirse sowie mit der Wald-Segge und Perlgras. Aber auch Breitwegerich und Beifuss sowie viele weitere Pflanzen können mit ihren reifen oder halb ­reifen Samenständen angeboten werden.

An sonstigem Grünfutter pflücke ich für meine Exoten noch Löwenzahnblätter und Vogelmiere. Nach Gewöhnung fressen viele Prachtfinken auch käuflichen Chicorée sowie in dünne Scheiben oder Streifen geschnittene Äpfel, Salatgurken und Karotten.

Beim Pflücken von Grünfutter aus der Natur muss sehr genau darauf geachtet werden, dass man nicht mit irgendwelchen Chemikalien gespritzte Pflanzen einsammelt. Auch direkt an Strassenrändern und auf bewirtschafteten Feldern sollte man kein Grünfutter holen. Wenn man sich da nicht sicher ist, sollte man zum Wohle seiner gefiederten Lieblinge lieber auf eventuell belastetes Grünfutter verzichten.

Um während mehreren Tagen frisch gesammelte halb reife Hirse und Gräser zur Verfügung zu haben, kann man die Halme einfach in einen mit etwas Wasser gefüllten Eimer stellen und täglich die benötigte Menge entnehmen. Bei mehrmaligem Wasserwechsel hält sich so dieses wertvolle Futter für etwa eine Woche.

Wer keine Zeit oder Möglichkeiten zum Sammeln wild wachsender Futterpflanzen hat, kann auch auf kultivierte Hirsesorten in halb ­reifem Stadium zurückgreifen. Bei Prachtfinken besonders beliebt sind Kolben- und Silberhirse. Auf geeignetem Gelände, zum Beispiel im Garten, kann man im Frühjahr die Hirse selbst aussäen und im Spätsommer dann halb reif ernten. Seit einigen Jahren gibt es halb reife Kolben- und Silberhirse aber auch bei verschiedenen Landwirten zu kaufen. Eingefroren und wenige Stunden vor dem Verfüttern aufgetaut, steht sie einem so das ganze Jahr über zur Verfügung. Auch die heimischen Hirsearten kann man problemlos in der Gefriertruhe monatelang konservieren.

Umstrittenes Keimfutter
Zum Verzehr wird bei mir alles Grünfutter mit Wäscheklammern befestigt auf Zweigen oder erhöht am Volierendraht angeboten. Viele Vogelarten fressen es so lieber als vom Boden. Mit dem Herausklauben der Samen aus den Ähren sind die Vögel lange Zeit beschäftigt, und sie können so ganz natürlich dem Nahrungserwerb nachgehen. Um möglichen Verdauungsproblemen vorzubeugen, sollte jedoch nicht zu viel Grünfutter angeboten werden. Für die natürliche Jungenaufzucht ist es hingegen unerlässlich.

Als Ersatz für halb reife Hirse reichen viele Prachtfinkenzüchter ihren Pfleglingen Keimfutter. Wegen der nicht selten auftretenden Störungen des Verdauungstraktes durch nicht einwandfreies Keimfutter – das feuchte Futter säuert schnell und enthält dann oftmals schädliche «Bakterien» – ist dieses jedoch umstritten. Deshalb ist bei der Zubereitung auf peinliche Sauberkeit zu achten. Dazu gehört auch das täglich mehrmalige Spülen des Futters unter einem kräftigen Wasserstrahl. Zudem ist darauf zu achten, dass nicht zu viel Keimfutter angeboten wird. Nach wenigen Stunden muss alles aufgefressen sein.

Regelmässige tierische Kost ist für nur ganz wenige Prachtfinken vonnöten. Die meisten Arten verzehren es aber ganz gerne ab und zu einmal, insbesondere in der Zeit der Jungenaufzucht. Es muss allerdings nicht unbedingt Lebendfutter sein: Es ist auch möglich, gefrorene Ameisenpuppen, «Pinkys» oder «Buffalowürmer» zu verabreichen, die es im Handel zu kaufen gibt. Mehlkäferlarven («Mehlwürmer») und die Puppen des Mehlkäfers stellen nach wie vor das klassische Lebendfutter dar. Am besten verdaulich sind sie frisch gehäutet (weiss) oder kurz abgekocht. Auch sollten die Würmer vor dem Verfüttern einige Wochen lang gut ernährt werden – sie fressen gerne Kleie, trockenes Brot, Grünfutter, Karotten, Äpfel und so weiter –, damit sie ein wertvolles und nahrhaftes Futter darstellen. Ein noch etwas breiteres Nahrungsspektrum haben die afrikanischen Astrilden-Arten: Sie fressen auch Spinnen, Wachsmotten, Fruchtfliegen, Blattläuse und sonstige kleine Kerbtiere.

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