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Kaninchen in der Hitze

Die Tücken des Sommers

Kaninchen | Dienstag, 14. August 2018, Ursula Glauser

Überhitzung, Durchfall, Verletzungen – die Gefahren der Hitzetage sind nicht zu unterschätzen. Wie man den Kaninchen Erste Hilfe leistet und welche Pflanzen sich als Notfallkräuter bewähren.

Sommer und Sonne – was die meisten Menschen geniessen, macht den Kaninchen arg zu schaffen. In der Natur verbringen sie die heissen Stunden im kühlen Bau. Sie haben keine Schweissdrüsen, einzig über die Ohren kann ein Teil der überschüssigen Körperwärme abgegeben werden. 

Kaninchenställe sollten deshalb am Schatten stehen. Ställe, die der Sonne schutzlos ausgesetzt sind, werden rasch zu heiss, das Tier wird unruhig, später apathisch. Die Atmung ist schnell und flach, Krampfzustände können eintreten. Das Kaninchen muss unverzüglich in einen kühlen Raum gebracht werden. 

Nun gilt es, Beine und Ohren behutsam mit kaltem Wasser zu benetzen. Die Ohrspitzen können sanft massiert werden, dort befinden sich Notfallpunkte aus der Akupunktur, die gerade auch bei einem Hitzschlag das Tier stabilisieren. Zusätzlich bietet man dem Kaninchen Melisse (Melissa officinalis) zum Fressen an oder gibt ihm kalten Melissen-Tee ein. Die zitronig schmeckende Pflanze erfrischt und beruhigt, dazu stärkt sie Herz und Kreislauf.

Durchfall wird zum Notfall 
Um einer Überhitzung vorzubeugen, legt man wassergefüllte, tiefgekühlte Pet-Flaschen in den Stall. Die Kaninchen legen sich gern an diese Kühlflaschen. Vorher unbedingt Plastik-Etiketten entfernen, diese können zu inneren Verletzungen führen, wenn sie benagt und geschluckt werden. Auch kühle Fliesen werden gern als Ruheplatz angenommen. Kühlend wirkende Futterpflanzen helfen zusätzlich, die heissen Tage gut zu überstehen: Dazu gehören zum Beispiel Erdbeerblätter, Löwenzahn, Spitzwegerich, Sauerampfer und Blacke, Buchen- und Birkenblätter, Weide und Haselstrauch.

Durchfall ist eine der häufigsten Verdauungsstörungen der Kaninchen. Die Ursachen reichen von einem Zuviel an Grünfutter über Kokzidien und andere unerwünschte Darmbewohner bis hin zu einer Vergiftung. Letztere gehört zwingend in die Hand des Tierarztes, bei den anderen Ursachen helfen auch Heilpflanzen. Kokzidienhemmend sind Nelkenwurz (Geum urbanum), Dost (Origanum vulgare) und Beifuss (Artemisia vulgaris). Durchfall hemmen alle Gerbstoffpflanzen, wie zum Beispiel Eichen- oder Ulmenzweige, Edelkastanienzweige, Heidelbeerblätter, Brombeerblätter, Spitzwegerich. Mädesüss (Filipendula ulmaria) hemmt darüber hinaus noch Kolibakterien. 

Im Sommer wird jeder Durchfall zum Notfall, denn kotverschmierte und übel riechende Kaninchen ziehen unweigerlich Fliegen an, darunter auch die grün schillernde, gefährliche Schmeissfliege. Diese legt ihre Eier auf Tiere ab, die unangenehm riechen, also etwa unter Durchfall leidende Kaninchen, auf verfilzte Langhaartiere oder auf übergewichtige oder sehr alte Kaninchen, die sich selber nicht mehr richtig pflegen können. Aus den Eiern schlüpfen innert Stunden Maden und fressen sich ins Gewebe hinein; es entstehen schwere eitrige Hautentzündungen. 

Die Maden scheiden Giftstoffe aus, die rasch zu einem Schockzustand führen können. Kaninchen mit Madenbefall gehören in die Hand des Tierarztes, der mit desinfizierenden Lösungen die betroffenen Hautstellen spült und penibel jede einzelne Made entfernt. Vorbeugend müssen kranke Tiere umgehend behandelt werden, damit sie keine Fliegen anlocken. Bei heissem Wetter nimmt man sie am besten ins Haus.

Gänseblümchen wirken Wunder
Das schöne Sommerwetter sollten Kaninchen zeitweise in einem schattigen Freilaufgehege verbringen dürfen. Das stärkt die Muskeln, verbessert die Verdauung und macht den Tieren Spass. Ist der Freilauf nicht an den Stall angebaut, müssen die Kaninchen vom Stall zum Gehege getragen werden, die Sanften auf den Armen, die Temperamentvolleren in einem Korb. Ab und zu sind die Langohren so ungeduldig, dass sie aus dem «Shuttle-Korb» springen und unsanft landen.

Als Erste Hilfe nach einem Sturz und zur Vorbeugung vor Komplikationen haben sich Gänseblümchen (Bellis perennis) bewährt. Sie haben ähnliche Eigenschaften wie Arnika – mit dem grossen Unterschied, dass man Gänseblümchen in jedem Rasen und an vielen Wiesenrändern findet. So steht die kleine Pflanze mit der grossen Wirkung jederzeit zur Verfügung. Die Kaninchen fressen sie gern, ein oder zwei Pflänzchen genügen, mehr sollte man vermeiden. Gänseblümchen helfen bei allen stumpfen Verletzungen, wie sie bei Unfällen oder bei einer schweren Geburt auftreten. 

Achtung, Schmeissfliegen!
Das kleine Pflänzchen hilft gleichzeitig bei bedrohlichen Verdauungsstörungen, wie sie bei Jungtieren leider ab und zu auftreten. Es lindert Kolikschmerzen, unterstützt die Leber und sollte stets gegeben werden, wenn Gärungsprozesse die Ursache von Magen- und Darmbeschwerden sind. Für eine breite Wirkung können zusätzlich Stinkender Storchenschnabel, Dost, Beifuss und Johanniskraut verfüttert oder als Tee eingegeben werden. Um die entzündeten Darmschleimhäute rascher zu regenerieren, reicht man nach überstandener Akutphase Eibischblätter oder -wurzeln (Althea officinalis). Der darin enthaltene Schleim besänftigt die Entzündung und heilt die Schleimhaut.

Johanniskraut hilft nicht nur bei Darmentzündungen, sondern ist ebenfalls ein wichtiges Verletzungsheilmittel; es hilft überall dort, wo Nerven betroffen sind. Wenn Kaninchen herumtollen, kommt es hin und wieder zu Wirbelsäulenverletzungen; Langohrs Knochen sind leicht gebaut, was für ein Fluchttier von Vorteil ist, aber sie sind dadurch auch fragiler. Wirbelsäulenverletzungen erkennt man daran, dass das Tier seine Hinterläufe nachzieht. 

Ist die Wirbelsäule gar gebrochen, muss man das Tier erlösen. Liegt jedoch nur eine Quetschung vor, regt Johanniskraut die Heilung der verletzten Nerven an. Man verfüttert täglich ein kleines Stück der Pflanze oder gibt einige Tropfen Johannisöl übers Futter. 

Zu beachten sind dabei wieder die Schmeissfliegen, denn bei Verletzungen des Rückenmarks verlieren die Kaninchen oft die Kontrolle über den Blasenschliessmuskel und sind deshalb nass von Urin. Solche Tiere gehören zwingend ins Haus und müssen auch entsprechend gepflegt werden, damit sie nicht wund werden. 

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