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Stallgestaltung

Heilpflanzen sind keine Mauerblümchen

Kaninchen | Mittwoch, 10. Mai 2017, Ursula Glauser

Traditionellerweise schmücken Blumenrabatten und Kistchen die Kaninchenställe. Das ist zwar schön fürs Auge, Kräuter und Heilpflanzen für Kaninchen wären aber hilfreicher – und ebenso schön.

Frühling ist die Zeit des Aufbruchs und des Neuanfangs. Dazu gehören auch neue Ideen: Wieso nicht einmal die traditionelle Bepflanzung mit Zinnien, Geranien und Tagetes rund um die Kaninchenställe durch Kräuter und Heilpflanzen ersetzen, die den Kaninchen zugutekommen? Heilpflanzen sind keine Mauerblümchen, sie machen durchaus eine gute Figur in Rabatten und Töpfen. Darüber hinaus sind sie meist Insektenweidepflanzen und helfen damit auch der Natur.

Thymian und Bohnenkraut etwa eignen sich für kleine Töpfe oder Kistchen. Sie lieben eher sandiges und gut durchlässiges Substrat. Sie enthalten ätherische Öle, die sowohl für ihre Würzkraft als auch für einen beachtlichen Teil der Heilkräfte verantwortlich sind. Besonders erwähnenswert ist die antibiotische Wirkung, die sowohl bei Verdauungsproblemen als auch bei Atemwegserkrankungen hilft (siehe Tabelle). Thymian gibt es auch als Stämmli zu kaufen, die sich gut in einem hübschen Tongefäss machen. Bohnenkraut ist weniger dekorativ, passt aber gut zwischen Erdbeerpflanzen, die es in ihrer Vitalität unterstützt. Ein Kistchen mit Monatserdbeeren und Bohnenkraut versorgt die Kaninchen gleich mit zwei wichtigen Kräutern – und die Züchterkinder mit feinen Beeren zum Naschen.

Lavendel fühlt sich ebenfalls in einem Topf wohl und verbreitet mit seinen silbrigen Blättern und den blauen Blüten Ferienstimmung. Er vertreibt Fliegen, ist gleichzeitig eine ausgezeichnete Bienenweide. Lavendel mag etwas Ellbogenfreiheit, man sollte ihm also genügend Platz einräumen. Lavendel beruhigt aufgeregte Langohren, ebenso wie die Zitronenmelisse. Diese ist eigentlich unverzichtbar im Kaninchengarten, denn sie hilft den Kaninchen über die heissen Tage hinweg. Ihre erfrischende und kühlende Wirkung wird durch die Gabe von Erdbeerblättern noch verstärkt. Melisse gedeiht in einem grossen Topf oder in einer Rabatte.

Die Ringelblume bringt mit ihren gelben und orangen Blüten die Sonne in den Garten. Als Heilpflanze löst sie Verhärtungen im Verdauungstrakt, fördert die Verdauung und ist eine grossartige Wundheilerin. So lässt sich aus den Blüten auf einfache Weise eine desinfizierende und heilungsfördernde Wundsalbe bereiten: Kokosfett in einer Pfanne schmelzen, die Blüten beigeben und etwa 15 Minuten lang sanft erwärmen (nicht frittieren!). Über Nacht abkalten lassen, am nächsten Tag nochmals 15 Minuten erwärmen, abseihen und in Salbentöpfe füllen.

Der Echte Eibisch mit seinen graufilzigen Blättern und den rosa Malvenblüten gehörte früher in jeden Bauerngarten. Er macht aber ebenfalls eine gute Figur in einer Rabatte, auch als Hintergrundpflanze, wird er doch gut mannshoch. Er mag einen sonnigen, nicht zu windigen Standort, schätzt feuchten Boden und passt damit auch an einen Teichrand. Seine heilsamen Schleimstoffe helfen bei Entzündungen im Verdauungstrakt.

Majoran für nervöse Langohren
Dost oder Wilder Oregano kennen wir als Pizzagewürz. Er liebt ein sonniges Plätzchen in der Rabatte und kommt mit fast jedem Boden zurecht, mag aber weder Staunässe noch allzu trockenen Boden. Die Kultur in grossen Töpfen ist problemlos möglich. Mit seinen zahlreichen rosa Blüten ist er eine attraktive Erscheinung und zieht Schmetterlinge und andere Nektarsuchende an. Dost ist ein unverzichtbares Pflänzchen in der Jungtieraufzucht, verhilft er doch zu einer guten Darmflora, verbessert die Futterverwertung und beugt Verdauungsproblemen vor.

Majoran, den nahen Verwandten des Dost, lieben wir als Gewürz für Kartoffelsuppe. Als Heilpflanze ähnelt er dem Dost, hat aber eine zusätzliche Wirkung auf die Nerven. Damit eignet er sich besonders für nervöse, schreckhafte Tiere, die an Verdauungsproblemen oder an einer Atemwegserkrankung leiden.

Beifuss oder Wilder Wermut ist die universelle Heilpflanze für Kaninchen. Er ist bei jeder Verdauungsstörung, bei jedem Unwohlsein hilfreich und hat schon manches Kaninchenleben gerettet. Er liebt einen sonnigen, eher trockenen Standort mit gut durchlässigem Boden. Beifuss muss kräftig aromatisch riechen, seine Heilwirkung beruht zu einem grossen Teil auf den ätherischen Ölen. Leider gibt es auch geruchlose Varianten. Beim Kauf von Beifuss sollte deshalb die Nase das letzte Wort haben.

Eine stattliche Erscheinung ist die Wilde Karde. Es ist eine zweijährige Pflanze, das heisst, sie bildet im ersten Jahr eine Blattrosette und wächst im zweiten Jahr bis gegen zwei Meter hoch und blüht. Ihre Blätter sind etwas stachelig, aber das sollte einen nicht davon abhalten, sie in einer sonnigen Ecke anzusiedeln. Ihre Heilkräfte lohnen es, denn sie ist nicht nur eine den Stoffwechsel anregende und entgiftende Pflanze, sondern erhöht die allgemeine Vitalität des Tieres. Damit ist sie eine wichtige Hilfe auch in der Ausstellungssaison. Die verblühten Samenstände bieten den Vögeln Nahrung und sehen im Winter besonders dekorativ aus, wenn sie mit Raureif bedeckt sind.

Kräuter und ihre Anwendung als Heilmittel

Pflanze

Anwendung

Thymian
Thymus vulgaris

antimikrobiell, wurmhemmend, appetitanregend, entzündungshemmend, schleimlösend bei Atemwegsproblemen.

Bohnenkraut
Satureja montana und Satureja hortensis

Verdauungshelfer, blähungsmindernd, krampflindernd, stoppt Durchfall, appetitanregend, hemmt Kolibakterien und Kokzidien, immunstimulierend, antimikrobielle Wirkung bei Schnupfen

Lavendel
Lavendula officinalis

bei Verdauungsbeschwerden, die auch auf Stress zurückgehen, beruhigt und harmonisiert, stärkt erschöpfte Tiere, regt die Geburt an (nicht in der Trächtigkeit geben)

Melisse
Melissa officinalis

beruhigt und belebt, erfrischt an heissen Tagen, stärkt Herz und Kreislauf, vermehrt die Milch, hilft Jungtieren in der Absetzphase, beruhigt bei Reisen und vermindert Reiseübelkeit

Ringelblume
Calendula officinalis

löst Verhärtungen im Verdauungstrakt, stärkt die Leber, hilft bei Verstopfung, aber auch bei weichem Kot, heilt die Schleimhäute des Verdauungstraktes, äusserlich bei Bissen, Risswunden,  alten Wunden

Echter Eibisch
Althea officinalis

nährendes Stärkungsmittel (Tonikum), heilt entzündete Schleimhäute im Verdauungstrakt, verbessert Futterverwertung, hilft bei Verstopfung, regt den Muskelaufbau an

Dost
Origanum vulgare

bei allen Darminfektionen, Durchfall, gegen Parasiten, steigert Mastleistung

Majoran
Origanum majorana

beruhigende Wirkung, bei Blähungen, Appetitmangel, Verdauungsstörungen, Krämpfen

Beifuss
Artemisia vulgaris

bei allen Verdauungsproblemen, Futterverweigerung, Magenüberladung, blähungsmindernd, hemmt Kokzidien, fruchtbarkeitsfördernd, unterstützt die Geburt (nicht an trächtige Zibben verfüttern)

Karde
Dipsacus fullonum

stärkt den Verdauungstrakt, entgiftet, regt die Leber an, antimikrobiell, hilft bei Infektionskrankheiten, verbessert Vitalität und Fruchtbarkeit

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