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Kaninchengesundheit

Schritt für Schritt zum idealen Gewicht

Kaninchen | Mittwoch, 23. November 2016, Heinz Schmid

Das Idealgewicht ist nicht nur ein Zuchtziel jeder Rasse, sondern auch das Richtmass für Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Kaninchen. Diese Standardvorgabe einzuhalten, ist bei Kleinrassen schwieriger als bei Grossrassen.

Es gibt langjährige Kaninchenzüchter, die ihre Rasse so gut kennen, dass sie fast nie die Waage brauchen. Ein Blick auf das Tier und ein leichter Händedruck verraten ihnen sofort, ob ein Tier zu leicht ist oder eben das Idealgewicht hat. Diese Fähigkeit kann sich jeder Züchter aneignen. Voraussetzung dazu ist eine periodische Gewichtserhebung der Tiere und die Einprägung der dazugehörigen Körperform. Ab der Geburt sind Gewichte vorhanden, doch einfacher zu erheben sind die Vier- oder Acht-Wochen-Gewichte. Ab der zwölften Woche greifen die Jungtiere am Futternapf tüchtig zu; ab jetzt ist jedes Gewichtsergebnis wertvoll. Mit zunehmendem Alter oder wenn die Tiere das Mindestgewicht erreichen, ist häufiges Ermitteln der Gewichte sicher unerlässlich.

Um das Idealgewicht zu erreichen, herrschen unter den Tierhaltern die verschiedensten Meinungen. Klar ist jedoch: An einer einzigen Rohstoffkomponente im Futtermittel kann es nicht liegen. Der Körperaufbau ist vielmehr mit einem Hausbau zu vergleichen, bei dem nur allein mit Mörtel nie und nimmer eine Mauer für eine Wohnung errichtet werden kann; es braucht dafür auch noch die Backsteine. Genauso ist es mit der Ernährung: Nur wenn alle Bausteine in genügender Anzahl vorhanden sind, kann Körpersubstanz aufgebaut werden. So ist es ebenfalls schnell klar, dass viel fressen noch lange nicht heisst, dass die gewünschten Zunahmen eintreffen werden.

Unterschiedliche Fütterungsstrategien
Der Trockensubstanzgehalt (TS) ist eine wichtige Grösse bei der Zusammenstellung einer Futterration. Gras mit einem tiefen TS-Gehalt beinhaltet viel Wasser. Mit jedem Bissen Gras nimmt das Tier also viel Flüssigkeit auf, was im Prinzip auch gut ist. Die im Handel angebotenen Futtermischungen liegen im Bereich von 88 Prozent TS, was trocken ist; damit diese Inhaltsstoffe verdaut werden können, braucht es in jedem Fall noch Flüssigkeit, also Tränkewasser. Futtermittel mit einem tiefen TS-Gehalt sind sehr wasserhaltig, brauchen ein grosses Magenvolumen und sind in der Nährstoffdichte sehr gering – also alles andere als ideal, um hohe Tageszunahmen anzustreben, wenn ein Zielgewicht in kürzester Zeit erreicht werden soll. Mit viel Wasser lässt sich nicht tricksen, das Tier scheidet die überflüssige Flüssigkeit einfach wieder aus.

Wie lässt sich denn dauerhaft und rasch eine Erhöhung des Körpergewichtes erreichen? Die Komponente, die bei der Versorgung der Tiere mit Nährstoffen im Minimum vorliegt, bestimmt das Wachstum. Was heisst das? Ein Futter kann beispielsweise einen hohen Proteingehalt aufweisen; wenn nur eine essenzielle Aminosäure in geringen Mengen vorkommt, bestimmt diese das Wachstum. Deshalb kann das Vorhaben auch kaum gelingen, wenn Züchter selbstständig einige Komponenten nach Gutdünken zusammenbringen. Viele Kaninchenfutter werden deshalb mit Aminosäuren – ein Baustein des Proteins – ergänzt. Häufig ist es die Aminosäure Lysin, um eine ausgeglichene Entwicklung der Tiere zu ermöglichen.

Wenn schon einmal das Mindestgewicht eines möglichen Ausstellungstieres erreicht ist, dann fehlt in der Regel nicht viel bis zur Erreichung des unteren Idealgewichtes. Man geht davon aus, dass in den besten Wachstumsmonaten ein Zwergwidder zehn Gramm pro Tag zunimmt. Bei der Vorbewertung stellen wir fest, dass das Tier noch nicht einmal beim Mindestgewicht von 1,7 Kilogramm ist und in drei Wochen ist die Vereinsausstellung. Wird es reichen, das Idealgewicht noch zu treffen, wenn die Tageszunahmen um 1 Gramm erhöht werden? Nur 1 Gramm mehr Tageszunahmen entspricht einer 10-prozentigen Steigerung, was bei einer bisher praktizierten Ad-?libitum-Fütterung kaum ?erreicht werden kann.

Eine solche Aufholjagd kann nur gelingen, wenn bestes Futter vorgesetzt wird. Meist sind Futter für säugende Häsinnen energie- und proteinreich und in diesem Fall vielversprechend. Denn solche Futter weisen einen hohen Proteingehalt bei einem adäquaten Energiegehalt auf. Bestimmt nicht erfolgreich werden jene sein, die sich auf einseitige Ernährung versteifen und entweder auf Energiekomponenten wie Kohlenhydrate (Teigwaren, Kartoffeln etc.) oder im anderen Fall auf sehr proteinreiche Fütterung setzen.

Nulldiät ist keine Option
Der andere Fall, nämlich dass das Kaninchen zu viel auf den Rippen hat, tritt häufiger erst gegen Ende der Ausstellungssaison auf. Bei gut abgestimmter, täglicher Futtermenge sollte es aber nicht so weit kommen, dass ein Tier das Idealgewicht überschreitet und in den Bereich des Höchstgewichtes kommt. Das ist leichter gesagt als getan. Weil Heu immer zur Verfügung steht und einen guten Nährwert hat, ist es durchaus möglich, dass knapp gehaltene Kaninchen auf das Dürrfutter ausweichen und eben mehr als nötig davon aufnehmen. Futtermengen dürfen nicht komplett reduziert werden, immer noch müssen die Tiere Gelegenheit haben, ihren Minimal-Nährstoffbedarf zu decken. Ein Erfolgsrezept ist, die Nährstoffdichte zu verdünnen oder statt gutem Heu eben auf ein Stroh, das nährstoffärmer ist, auszuweichen. Das Stroh muss aber auf jeden Fall Futterqualität haben und weder schimmelig und staubig noch mit Pilzen behaftet sein.

Ein Blick auf die Gewichte der einzelnen Rassen, wie sie im Standard 15 festgelegt sind (siehe Tabelle), zeigt: Je höher das festgelegte Idealgewicht (Grossrassen), desto grösser ist auch die Spannweite bei den Idealgewichten. Die kleinstmögliche Differenz finden wir bei den Farbenzwergen, nämlich 150 Gramm oder 12 Prozent.

Am einfachsten ist es bei Kleinrassen (Holländer), vom Mindestgewicht zum unteren Idealgewicht zu gelangen. Es sind nur 200 Gramm oder 8 Prozent. Interessanterweise finden wir keine lineare Abhängigkeit vom Mindestgewicht zum Idealgewicht. Sie ist bei Schweizer Schecken (14,5 Prozent) und bei Farbenzwergen (13,6 Prozent) etwa gleich gross. Sollen Kaninchen sich im Bereiche zwischen Mindestgewicht und Höchstgewicht einfinden, so schaffen das am besten die Grossrassen; die Spannweite beträgt 63,6 Prozent. Etwas weniger günstig ist es bei den Kleinrassen, weil dort die prozentuale Differenz nur bei 32 Prozent liegt.

Um im Idealgewicht zu verbleiben, haben es die Kleinstrassen besonders schwierig. Der Idealgewichtsbereich ist sehr eng gefasst. Sind die Tiere einmal darin, so gilt es bei den Zwergrassen weit mehr aufzupassen, dass sie nicht übergewichtig werden und die im Standard 15 festgelegten Höchstgrenzen nicht überschreiten.

Die Gewichte einzelner Rassen
Rasse Mindestgewicht Idealgewicht Höchstgewicht
Schweizer Schecke (Grossrasse)
5,5 kg 6,3–8,5 kg 9,0 kg
Rote Neuseeländer (Mittelrasse)
3,5 kg
4–4,7 kg
5,0 kg
Holländer (Kleinrasse)
2,5 kg 2,7–3,1 kg
3,3 kg
Zwergwidder (Zwergrasse)
1,7 kg 1,85–2,1 kg
2,3 kg
Farbenzwerg (Zwergrasse)
1,1 kg 1,25–1,4 kg
1,5 kg
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