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Kaninchenernährung

Extras im Futter

Kaninchen | Mittwoch, 31. August 2016, Heinz Schmid

Kaninchen leben nicht von Heu allein. Es gibt eine Vielzahl von Zusatzstoffen, die der Halter seinen Tieren vor allem zur Gesundheitsförderung ins Futter mischt. Ein Überblick.

Bereits während der Säugezeit gilt es, die Entwicklung der jungen Kaninchen zu fördern, denn jedes Exemplar, das eingeht, ist ein Ausfall eines möglichen Ausstellungstieres. Neben den absolut notwendigen Nährstoffen, ohne die ein Tier nicht leben kann, gibt es vielerlei Wirkstoffe, die zwar nicht über Leben und Tod entscheiden, aber doch die Gesundheit fördern können: sogenannte Futtermittelzusätze. Die Auswahl dieser Wirkstoffe ist riesig; für den Züchter und die Züchterin gilt es, eine vernünftige Kombination zu finden.

Vor allem bei Jungtieren angezeigt sind vorbeugende Wirkstoffe gegen die Kokzidiose oder Enterocolitis. Es ist in der Kaninchenhaltung eine verlustreiche Jungtiererkrankung, die sich bemerkbar macht durch einen wässerigen Durchfall, einen aufgeblähten Bauch sowie eine Futterverweigerung. Die  Sterberaten der Jungtiere betragen bis 100 Prozent. Prophylaktisch wird dem Futter ein sogenanntes Kokzidiostatikum zugesetzt, meist verbunden mit Histomonostatika. Als mögliche Produkte kommen beispielsweise Salinomycin-Natrium oder Robenidin infrage.

Milchsäurebakterien für den Darm
Während Jungtiere sehr anfällig sind auf diese Krankheit, sollten ältere Kaninchen resistenter sein, weshalb auf ein Futter ohne diesen Zusatz gewechselt werden sollte. Auch eine Absetzfrist von fünf Tagen bei Futter mit Kokzidiostatika vor der Schlachtung sollte beachtet werden. Zudem machen sich erste Resistenzen beim Einsatz der Kokzidiostatika bemerkbar; das Produkt verliert die Wirkung, weshalb immer mehr Züchter darauf verzichten und auf andere Mittel ausweichen.

Ein Hausmittel, das offenbar österreichische Rassekaninchenzüchter zur Stabilisierung der Darmflora einsetzen, besteht aus einem Deziliter Essig auf fünf Liter Wasser einmal die Woche; doch die Kokzidien werden dadurch wohl kaum erfolgreich bekämpft.

Auch sogenannte Probiotika sind Futtermittelzusätze. Dabei handelt es sich um lebensfähige Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien, Bacillussporen oder Hefen, welche die Darmwand besiedeln und eine Konkurrenz zu schädlichen Mikroorganismen aufbauen sollen. Sie können zum Beispiel den Organismus unterstützen, wenn das Gleichgewicht der Darmflora gestört ist.

Dies kann passieren bei einem drastischen Futterwechsel, minderwertigen Futterkomponenten oder bei einer miserablen Futterhygiene. Die Freisetzung der Verdauungssäfte sowie die Darmbewegungen werden zudem direkt durch Stress beeinflusst. Dazu gehören in der Kaninchenhaltung die Trächtigkeitsphase, die Geburt, das Absetzen der Jungtiere von der Mutter, eventuell sogar das neu Zusammensetzen von Tiergruppen, Transport, eine zu grosse Tiergruppe und schlechtes Stallklima.

In solchen Fällen erzeugen die Probiotika etwa kurzkettige Hemmstoffe gegen die schädlichen Mikroorganismen. Es kommt zum einem Verdrängen, indem sich pathogene Keime an der Darmwand nicht mehr anheften können. Weiter werden die Bildung mikrobieller Toxine sowie das lokale Immunsystem im Darm stimuliert. Die Verwendung von Probiotika und anderen verdauungsfördernden Zusatzstoffen unterliegt einer futtermittelrechtlichen Zulassung und muss auf jeder Etikette deklariert werden.

Fenchelaroma macht Kaninchen hungrig
Heute unumstrittene Futterzusätze sind Kräuter. Seit jeher ist bekannt, dass sie gegen Mikroben wirken können. Verschiedene ätherische Öle der Pflanzen Dill, Zimt, Kümmel, Fenchel, Pfeffer wirken appetitanregend und können die Absonderung der Verdauungssäfte verändern. Beim Einsatz solcher pflanzlichen Substanzen gilt es immer die Herkunft und den Anbau zu überprüfen. Wichtig ist es auch abzuklären, welche Teile der Pflanzen (Stängel, Blätter, Samen, Frucht oder Wurzel) am meisten Erfolg versprechen und tatsächlich auch bringen. Wer die Erfolge von Kräuterzugaben vergleichen will, muss die Wirkstoffe in standardisierter Konzentration an seine Tiere abgeben.

Die guten aromatischen Eigenschaften der Kräuter führten schliesslich dazu, dass die Chemie sich daran machte, die natürlichen Aromen nachzubilden. Es ist heute möglich jeden Aromatyp zu produzieren und dem Futter tierartgerecht beizumischen – dabei sind die Mengen mit 100 bis 200 Gramm pro Tonne Futter verschwindend klein.

Im Kaninchenfutter wird häufig mit Aromatypen in Richtung Fenchel gearbeitet. Sie geben dem Futter jene geschmackliche Feinheit, die das Kaninchen zur Futteraufnahme bewegt. Ein aromatisiertes Futter hat einen konstant gleichbleibenden Geschmack, der in der Herstellung trotzdem Änderungen der Rezeptur zulässt, ohne dass der Tierhalter oder das Kaninchen davon etwas bemerkt.

Daneben gibt es weitere Zusatzstoffe, die weniger häufig in der Kaninchenernährung eingesetzt werden. Säuren in Form von Pulver etwa konservieren einerseits das Futter, andererseits ermöglichen sie eine bessere Verwertung der Nährstoffe. Die Absenkung des pH-Wertes im Magen beispielsweise, der durch die Säurebeigabe entsteht, führt zu einer besseren Aktivität des Enzyms Pepsin, womit verschiedene Nährstoffe besser verdaut werden. Durch den Wegfall der Leistungsförderer im Futter erhielten die Säureneinsätze mächtig Auftrieb, indem ihnen eine antimikrobielle Wirkung zugeschrieben wurde.

Bessere Verdauung dank Enzymen
Sogenannte Präbiotika sind eine Alternative zu den Probiotika. Es handelt sich dabei um unverdauliche Lebensmittelbestandteile, die den Mikroorganismen im Darm als Nahrung dienen. Das kann die Mikroflora im Verdauungskanal positiv beeinflussen. Beispiele für Präbiotika im Tierfutter sind Inulin und FOS, Substanzen die in Pflanzen wie Chicorée, Schwarzwurzel oder Topinambur vorkommen.

Enzyme schliesslich sind Futterzusätze, die nur unter spezifischen Bedingungen (Substrat, Temperatur, pH-Wert und Feuchtigkeitsgehalt) ihre Wirkung entfalten. Die benötigte Menge ist gering. Im Verdauungstrakt werden sie allerdings wie andere Eiweisse verdaut und müssen deshalb ständig dem Futter zugesetzt werden. Ein interessantes Enzym ist die Phytase, die durch deren Einsatz im Futter den Phosphor aus den Pflanzen wesentlich besser verdauen kann und damit dazu führt, dass die Umweltbelastung verringert wird.

Es gibt eine grosse Zahl weitere Spezialprodukte im Einsatz, die dem Tier verabreicht werden können. Doch der Halter muss sich stets fragen, ob das Tier die angebotenen Produkte wirklich braucht – vielleicht wird mit deren Einsatz sogar das Gegenteil erreicht!

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