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Kaninchengesundheit

Kaninchen müssen mit Parasiten leben können

Kaninchen | Mittwoch, 22. Juni 2016, Heinz Schmid

Die Bekämpfung von Parasiten ist eine permanente Herausforderung für Halter von Kaninchen. Jetzt zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Statt medikamentöser Behandlung soll der Aufbau einer gestärkten Immunabwehr vorangetrieben werden.

Nach der Tierschutzverordnung Kapitel 2: «Tierhaltung und Umgang mit Tieren» steht im Artikel 5 Folgendes: «Die Pflege soll Krankheiten und Verletzungen vorbeugen. Die Tierhalterin oder der Tierhalter ist dafür verantwortlich, dass kranke oder verletzte Tiere unverzüglich ihrem Zustand entsprechend untergebracht, gepflegt und behandelt oder getötet werden.» Tierliebende Betreuer wollen es aber nicht so weit kommen lassen und die Parasiten mit angepassten Mitteln in Schach halten.

Schmarotzer, die als Ektoparasiten (Milben, Flöhe etc.) oder als Endoparasiten (Kokzidien, Würmer etc.) Kaninchen befallen, sind nicht nur lästig, sondern eine dauernde Bedrohung für die Tiere.

Früher galt die Meinung, die Tiere müssten vollständig frei von Parasiten sein. Das ist heute nicht mehr so. Eine absolut parasitenfreie Tierhaltung war früher trotz erhöhtem Medikamenteneinsatz nicht realisierbar – und sie wird es auch in Zukunft nicht sein.

Neue Tiere kontrollieren
Der deutsche Tierarzt Markus Menzel meint: «Unser Ziel muss sein, einen geringen Parasitenbefall zuzulassen, der die körpereigene Immunabwehr fortlaufend stimuliert. Gleichzeitig müssen wir aber Vorkehrungen treffen, dass es zu keinen massiven Infektionen kommt, die klinische Erscheinungen verursachen.»

Fachleute gehen davon aus, dass Tiere bei einem leichten Parasitenbefall so stark sein sollten, dass sie daran nicht erkranken. Ein mittelgradiger Befall muss einzeln beurteilt werden. Dabei sind Kriterien wie Zuchtwert, Alter und Gesundheitszustand anzusehen. Bei einem stark erkrankten Tier ist eine tierärztliche Behandlung angezeigt.

Stellen wir in einem Tierbestand einen minimalen Parasitenbefall fest, so dürfen wir noch nicht aufatmen. Der Tieraustausch in der Kaninchenhaltung ist gross, somit besteht die Gefahr von Neuinfektionen. Es lohnt sich deshalb, bei neu dazugekommenen Tieren eine Kotprobe zu nehmen.

Bei einer häufigen Wurmbehandlung ist die Resistenzbildung ein grosses Problem, was sich in der Vergangenheit bei Pferden, Schafen und Ziegen bestätigte. Weiter zeigte sich ausserdem, dass gestresste Kaninchen eher erkranken als ausgeglichene. Diese Tatsache lässt sich gut erklären: Wenn das Immunsystem überfordert ist, haben die verschiedensten Erreger einen erleichterten Zugang zum Körper.

Sauberkeit ist essenziell
Die Kokzidien sind hauptsächlich als Darmbewohner bei Kaninchen und Geflügel bekannt. Als Einzeller gedeihen sie über einen mehrphasigen Zyklus und nisten sich im Darm und sogar in der Leber ein. Die Parasiten sind überall in der Umwelt vorhanden. Die abgegebenen Oozysten (= Entwicklungsstadium im Lebenszyklus der Kokzidien) sind sehr widerstandsfähig und können über mehrere Monate überleben. Ist das Muttertier Trägerin der Krankheit, so scheidet sie Oozysten aus (ohne selbst daran zu erkranken), die von den Jungtieren aufgenommen werden. Es kann in der Folge zu einer Durchfallerkrankung kommen.

Die beste Empfehlung für die Züchterschaft ist eine gute Reinigung der Ställe und Stallutensilien (Futtergeschirre). Mit häufigem Misten wird der Infektionsweg unterbrochen, und die Jungtiere kommen weniger stark in Kontakt mit dem Kot. Desinfizieren und waschen mag ebenfalls zur Hygiene im Kaninchenstall beitragen; doch muss man wissen, dass mit einer Desinfektion nicht nur die schädlichen Erreger beseitigt werden, auch die guten Player werden durch den Kahlschlag entfernt.

Prophylaktische Futter mit Antibiotika sind Teil der Kokzidienbekämpfung, aber sie sind nicht die Lösung. Vor allem nicht, wenn sie über eine zu lange Zeit verabreicht werden, womit sie an Wirkung verlieren.

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