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Kaninchenernährung

Knospen, Kerne, Nüsse für Kaninchen

Kaninchen | Donnerstag, 13. November 2014, Ursula Glauser

Im November zeigt sich die Natur kahl statt üppig. Und doch geben Zweige aus dem Herbstschnitt ein wertvolles Ergänzungsfutter für Kaninchen her. Nicht nur die Knospen, auch die Rinde ist reich an Mineralien und Spuren­elementen.

Schwindende Farben, Nebel und Stürme verleihen dem letzten Herbstmonat ein etwas düsteres Gesicht. Doch der November hat auch seine schönen Seiten: herumtanzende Blätter und raschelndes Laub beim Spazieren oder besondere Stimmungsbilder, wenn die Sonne durch den Nebel bricht.

Der November leitet als letzter Herbstmonat zum Winter über. Der Name stammt aus dem Lateinischen und bedeutet der Neunte, da im römischen Kalender das Jahr mit dem Monat März begann. Mittelalterliche Namen wie Windmond, Nebelung oder Wintermonat verdeutlichen die verschiedenen Gesichter des Novembers. Um den Martinstag am 11. November herum treten als Wettersingularität (Wetterlagen, die typischerweise zu einer bestimmten Zeit auftreten) oft milde Temperaturen auf, was als Martinisommer bezeichnet wird.

Die Natur begibt sich nach einem feurigen Schlussbukett von Herbstfarben zur Ruhe. Die Blätter fallen, kahles Geäst bleibt zurück; graubraune Farben herrschen nun vor. Das Jahr geht unübersehbar seinem Ende entgegen. So erstaunt es nicht, dass man im November der Toten gedenkt. Dieser Brauch geht bis in vorchristliche Zeiten zurück: In der Nacht auf den 1. November feierten die Kelten Samhain; die Grenze zwischen Totenreich und der Welt der Lebenden war kurz aufgehoben. Die christliche Kirche nahm den Brauch auf und feiert am 1. und 2. November Allerheiligen und Allerseelen.

Die Natur stirbt aber nicht. Wer Bäume und Sträucher genauer ansieht, entdeckt die neuen Knospen, die bereits angelegt sind und gut geschützt auf den Frühling warten. Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen schliesst sich einmal mehr.

Äste zum Benagen reichen
Knospen sind aber mehr als nur Überwinterungsorgane. Mit einer Fülle an gesunden Wirkstoffen helfen sie mit, Mensch und Tier gerade auch in der kalten Jahreszeit gesund zu erhalten. Frische Zweige sind ein natürliches Ergänzungsfutter für Kaninchen; nicht nur die Knospen, auch die Rinde ist reich an Mineralien, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen. Geeignete Äste aus dem Herbst- und Winterschnitt sollten vor dem Häckseln oder der Grünabfuhr den Kaninchen zum Benagen gereicht werden.

Jeder Baum hat seine charakteristische Wirkung: 

  • Ahorn ist entzündunghemmend, entgiftend, antibakteriell. 
  • Birke regt die Nieren an und stärkt die Nerven. 
  • Erle hilft bei Verdauungsproblemen, Infektionen und Lungenentzündung. 
  • Haselstrauch stärkt das Lungengewebe. 
  • Rosenzweige lindern Entzündungen der oberen Atemwege und stimulieren das Immunsystem. 
  • Linde beruhigt nervöse Tiere. 
  • Zweige von Schwarzer Johannisbeere helfen bei Infektionen, sie regen das Immunsystem an und wirken entzündungshemmend.
  • Himbeerruten fördern die Fruchtbarkeit weiblicher Tiere und wirken Entzündungen entgegen. 
  • Ulmen- und Eichenzweige helfen bei Durchfall. 
  • Weide ist entzündungshemmend und schmerzlindernd. 
  • Apfelbaum gibt Energie, unterstützt die Wundheilung und lindert Verdauungsprobleme, die mit entzündeten Darmschleimhäuten einhergehen. 
  • Zweige von Nadelbäumen beruhigen und stärken die Atemwege. 
  • Rotbuche und Esche spülen die Harnwege durch und wirken Nierengriess (viele kleine Nierensteine) entgegen. 

Ölhaltige Saat für das Fell
Nicht nur Kaninchen profitieren von den Knospenwirkstoffen; Knospenessenzen werden auch für Menschen eingesetzt; diesen speziellen Zweig der Pflanzenheilkunde nennt man Gemmotherapie. 

Gras wird jetzt kaum noch gefüttert, aber auf Frischfutter müssen die Kaninchen deshalb nicht verzichten. Silage, Äpfel, Futterkarotten, Topinambur-Knollen, Randen, Futterrüben, Markstammkohl sind saisongerechte Futtermittel. Verzichten sollte man auf Sommer-Gemüse, das jetzt energieaufwendig und mit viel Spritzmitteleinsatz produziert werden muss. Dazu gehören etwa Gurken oder Kopfsalat.

Empfehlenswert sind hingegen die einheimischen Wintersalate Zuckerhut und Ciccorino rosso; beide sind Unterarten der Wegwarte und enthalten gesunde Bitterstoffe. Ciccorino hilft sogar Kaninchen mit Verdauungsstörungen wieder auf die Läufe. Er wird besonders gern gefressen, auch von kranken Tieren, die anderes Futter verweigern.

In dieser Jahreszeit füttern viele Züchter zusätzlich ölhaltige Saaten, um dem Fell den letzten Schliff zu geben. Leinsamen, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, aber auch Nüsse enthalten neben wertvollen ungesättigten Fettsäuren viele Vitamine und Mineralstoffe (siehe Kasten). Beim Füttern muss man sich bewusst sein, dass diese Samen eine geballte Ladung Kalorien mitbringen. Als kleine Leckerbissen gereicht sind sie jedoch sehr gesund.

Die Zuchtsaison ist zu Ende, im Kaninchenstall ist es ruhiger geworden, doch der Züchter hat alle Hände voll zu tun: Die Ausstellungssaison steht vor der Türe; die Ausstellungstiere müssen schaufertig gemacht werden. Dazu gehört das Schneiden der Krallen, das Einsetzen der Ohrmarke, einzelne Stichelhaare werden entfernt. Das Gewicht muss im Auge behalten werden, sollten die kleinen Models doch an der Ausstellung möglichst im Idealgewicht sein. Vor dem Transport zur Ausstellung kann man den Tieren etwas Melisse füttern; sie beruhigt und reduziert den Stress. Darüber hinaus beugt sie Reisekrankheit vor, unter der auch Kaninchen leiden können.

Wie die Mineralstoffe wirken 

Kalzium ist wichtig für den Knochenbau, steuert die Nahrungsaufnahme im Körper, beschleunigt die Wundheilung.

Kupfer stärkt die Nerven, ist wichtig für die Zellatmung und nicht zuletzt für ein schönes Fell und gute Pigmentierung.

Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone und damit wichtig für Stoffwechsel, Energieumsatz und Funktion des Zentralnervensystems.

Eisen ist wichtiger Bestandteil der Roten Blutkörperchen, fördert die Sauerstoffaufnahme, unterstützt das Immunsystem.

Magnesium ist unentbehrlich für eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen und für Muskeln und Nerven.

Phosphor ist wichtig für den Knochenaufbau, für das Säure-Basen-Gleichgewicht und das Zusammenspiel der Nerven.

Kalium ist wichtig für Nervenleitung und die Funktion von Gehirn und Muskeln (auch Herzmuskel).

Selen entgiftet, wirkt Schädigungen der Erbsubstanz (DNS) entgegen, erhält die Gewebe jung.

Zink stärkt das Immunsystem. Wichtig auch für eine gute Wundheilung und die Embryonalentwicklung.

Mangan hilft am Aufbau von Knochen und Bindegewebe und ist wichtig für die Weiterleitung der Nervenimpulse.


 Vitamine und Mineralien Eiweiss %
Fett %
Kohlehydrate % Vitamine Mineralien
Walnuss stärkt Herz und Immunsystem, Nervennahrung 15
65 14
A, B1, B2, B3, B6, Folsäure, E Kalium, Eisen, Magnesium, Zink, Phosphor, Schwefel, Selen
Mandel wirkt günstig auf die Darmbakterien 22
54
5
B1, B2, B3, B6, Folsäure, E Kalzium, Kalium, Eisen, Magnesium, Selen, Phosphor
Haselnuss Nervennahrung 14 62
11
B1, B2, B3, B6, Folsäure, E Kalzium, Eisen, Magnesium, Selen, Schwefel
Leinsamen halten Lunge und Darmschleimhaut gesund 24 30
0
A, B1, B2, B3, B6, Folsäure, E Kalium, Magnesium, Phosphor, Eisen, Kupfer, Mangan, Zink
Sonnenblumenkerne stärken Knochen und Herz und wirken entgiftend 22 49
12
A, B1, B2, B3, B6, Folsäure, D, E Kalzium, Magnesium, Selen, Jod
Kürbiskerne wirken gegen Würmer 42 46
14
A, B1, B2, B3, B6, Folsäure, E Kalium, Eisen, Magnesium, Phosphor, Zink, Selen

 

 

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