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Kaninchen

Die Ringelblume als Wundheilerin

Kaninchen | Donnerstag, 11. September 2014, Ursula Glauser

Die Ringelblume ist ein grossartiges Mittel bei Verletzungen. Weniger bekannt ist ihre Wirkung auf die Verdauungsorgane, die Fruchtbarkeit und das Lymph- und das Immunsystem. 

Die Ringelblume (Calendula officinalis) gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen; kein Bauerngarten kam ohne die fröhlich-bunte Blume aus, die Gemüse und Boden gesund erhält und aus der die Bäuerin Heilsalbe für Mensch und Tier kochte. Darüber hinaus hatte man mit der Ringelblume gleich noch eine kleine Wetterstation im Garten, denn die Regel sagt, dass es Regen gibt, wenn sie ihre Blüten bis 7 Uhr (bzw. 8 Uhr Sommerzeit) nicht geöffnet hat. 

Ihre Heimat wird im Mittelmeerraum vermutet. Da die Ringelblume keine Wildpflanze ist, muss sie im Garten angesiedelt werden. Das ist einfach, denn sie ist anspruchslos und sät sich immer wieder selber aus, wobei sie drei verschiedene Samentypen bildet: am Blütenrand stachelige Klettfrüchte, die vorbeistreifenden Tieren im Fell hängen bleiben, und Flügelfrüchte, die vom Wind verfrachtet werden. Diese beiden sind die Pioniere, die nach neuem Lebensraum suchen. In der Blütenmitte ähneln die Samen Insektenlarven. Sie fallen in der Nähe der Mutterpflanze zu Boden, wo sie im nächsten Frühling auskeimen. Angst, die Ringelblume könnte sich im Garten allzu stark ausbreiten, ist unbegründet, denn sie ist für Mensch und Tier eine wertvolle Heilerin. Ringelblumen strahlen Ruhe und etwas Tröstliches aus, sie sind behäbig und gut verwurzelt. 

Die Verdauungshelferin
Im 12. Jahrhundert wird die Ringelblume erstmals als Heilpflanze gegen Tierbisse und bei Leber- und Milzverstopfung erwähnt. Hildegard von Bingen empfahl sie innerlich bei Verdauungsstörungen, äusserlich bei eiternden Wunden. Auch für kranke Tiere empfahl sie die Pflanze, etwa für Schafe, die an Blähsucht litten. Bei dieser Anwendung wird der Kaninchenhalter hellhörig, denn auch seine Schützlinge leiden gelegentlich unter Trommelsucht. Tatsächlich ist Ringelblume eine vielseitige Verdauungshelferin: Sie löst Verhärtungen in Magen und Darm, stärkt die Leber und regt den Gallenfluss an, damit verhilft sie zu einer guten und zügigen Verdauung. Sie fördert den Kotabsatz; das macht sie zu einem guten Beifutter für Tiere, die wenig Heu fressen, kleine Köttel haben und meist auch schlecht gedeihen. Ringelblume hilft aber auch Tieren mit weichem Kot: Sie lindert Entzündungen an den Schleimhäuten von Magen und Darm.

Neben Arnika ist die Ringelblume die wichtigste Heilerin von Verletzungen. Sie wirkt desinfizierend, schmerzstillend, entzündungshemmend, verhindert Eiterung und beschleunigt die Wundheilung. Besonders wertvoll ist sie bei Quetschungen, Riss- und Schürfwunden, Verbrennungen und schlecht heilenden Wunden. Die Wunde wird mit verdünnter Ringel- blumentinktur ausgewaschen (2 bis 4 ml Tinktur auf 500 ml Wasser) und dem Tier gleichzeitig eine Blüte pro Tag gefüttert. Sind keine Blüten vorrätig, können dem Trinkwasser 2 bis 3 Tropfen Ringelblumentinktur oder homöopathisches Calendula zugefügt werden. Die Wunde wird täglich mit wenig Ringel­blumensalbe bestrichen bis zur vollständigen Heilung.

Als Inhaltsstoffe findet man ätherische Öle, Carotinoide, Flavonoide, Cumarine, Salicylsäure, Triterpensaponine, Phenole, Bitterstoffe. Die Ringelblume steigert die Aktivität des Immunsystems und regt den Lymphfluss und damit die Entgiftung an. Stauungen im Lymphsystem werden aufgelöst. Gleichzeitig hemmt sie Viren, Bakterien und Pilze und eignet sich damit als Zusatzbehandlung von Infektionen. Man sagt ihr auch eine tumorhemmende und -vorbeugende Wirkung nach. Bei Fruchtbarkeitsstörungen, die oft auf Gebärmutterveränderungen oder chronische Entzündungen zurückgehen, kann das regelmässige Zufüttern von Ringelblumenblüten die Fruchtbarkeit dank der wundheilenden und einer östrogenartigen Wirkung zurückbringen. 

Tinktur und Salbe für den Winter

Auf die vielen guten Eigenschaften der Ringel- blume möchte man auch gern im Winter zurückgreifen. Als gesundes Beifutter, bei Verdauungsbeschwerden, zur Stärkung des Immunsystems und zur Verbesserung der Fruchtbarkeit sind getrocknete Blüten am besten geeignet. Diese werden an einem sonnigen Tag gepflückt und bei schwacher Hitze auf dem Dörrex oder luftig ausgebreitet getrocknet. 

Ringelblumentinktur: Man füllt frische Blüten in ein Schraubdeckelglas, übergiesst sie mit 40-prozentigem Schnaps (beispielsweise Wodka) und lässt das Ganze 4 bis 6 Wochen stehen. Danach die Flüssigkeit in eine dunkle Glasflasche abseihen und etikettieren. 

Ringelblumen-Salbe: Wurde früher mit Ziegenbutter oder Schweineschmalz gemacht. Länger haltbar ist Salbe, wenn sie mit Olivenöl und Bienenwachs (auf 30 g Öl nimmt man 2 g Bienenwachs) oder mit Kokosfett hergestellt wird. Das Öl oder Fett sanft erwärmen und die frischen Blüten zugeben. Während rund 30 Minuten lässt man das Öl-Blüten-Gemisch bei schwacher Hitze ziehen. Über Nacht abkühlen lassen, am nächsten Tag nochmals kurz erhitzen, abseihen und in Salbentöpfchen füllen. 

 

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