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Kaninchen

Gegen Durchfall beim künftigen Champion

1 Kommentare Kaninchen | Donnerstag, 14. August 2014, Ursula Glauser

Verdauungskrankheiten sind bei Kaninchen häufig. Ist das erkrankte Tier gar Anwärter auf Ausstellungsehren, ist schnelle Heilung besonders wichtig, da jede Verdauungskrankheit ans Gewicht und damit an die Körperform geht.

Kaninchenzüchter und -halter kennen und fürchten es: Ein bislang putzmunteres Jungtier hockt eines Tages lustlos in der Ecke. Ein Kontrollblick bestätigt, was die Nase bereits gemeldet hat: Durchfall. Nun gilt es rasch zu handeln. Das kranke Tier wird separiert, der Stall gründlich gereinigt, damit die restliche Kaninchenfamilie vor Ansteckung geschützt wird. Trotzdem werden beide – Patient und Familie – behandelt, denn eine Ansteckung kann bereits geschehen sein. Durchfall geht oft auf eine akute Infektion mit Kokzidien zurück. Allerdings sind auch Fütterungsfehler und in dessen Folge eine Verschiebung der Darmflora als Ursache in Betracht zu ziehen.

Die unter Züchtern übliche Behandlung von Kaninchendurchfall besteht im Entzug von Kraftfutter und Grünfutter; das Tier erhält ein paar Tage nur Heu und Wasser. Das ist nur zur Hälfte gut: Während Kraftfutter niemals in den Napf eines Durchfallpatienten gehört, helfen frische Kräuter dem kranken Kaninchen rascher auf die Läufe als eine reine Heudiät.

Kokzidien stoppen, Appetit erhalten
In der «Tierwelt» Nr. 31 wurden sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Wirkungen vorgestellt. Jetzt gilt es, das neue Wissen praktisch anzuwenden. Bei Durchfallerkrankungen muss als Erstes der Durchfall gestoppt werden. Dies allein genügt aber nicht: Die entzündete Darmschleimhaut soll rasch abheilen, damit die Nährstoffaufnahme, die über diese Darmschleimhaut geschieht, ins Lot kommt und das dort lokalisierte wichtige Immunsystem wieder richtig arbeiten kann. Und schliesslich müssen Schadbakterien, die bei Verdauungsproblemen beteiligt sind, zurückgedrängt werden. Sind Kokzidien mit im Spiel, müssen auch sie gehemmt werden. Und ganz wichtig: Der Appetit und das Allgemeinbefinden des Tieres müssen erhalten oder möglichst rasch wiederhergestellt werden.

Keine Einzelpflanze schafft all dies auf einmal; wir brauchen also mehrere Kräuter. Ein radikales Kokzidienmittel muss beim Tierarzt besorgt werden, für das Behandeln des Durchfalls und die Darmsanierung stellt uns die Natur passende Kräuter zur Verfügung. Durchfall wird durch Gerbstoffe gestoppt. Geeignet sind Brombeer- und Heidelbeerblätter, Weide und Eiche. Wichtig ist die Kontrolle, ob das Tier die Pflanzen wirklich frisst. Wenn die Erkrankung noch nicht lange besteht, stehen die Chancen gut, denn Kaninchen sind kleine Kräuterexperten und wissen genau, was ihnen im Krankheitsfall guttut.

Frisst das Tier bereits nicht mehr, kommt man ums Teekochen und Eingeben nicht herum. Gerbstoffe lösen sich eher schwer, das heisst, man muss die Pflanzenteile etwa zehn Minuten lang auskochen. Mit einer Pipette gibt man dem Patienten vom abgekühlten Absud ein. Es ist viel aufwendiger, Tiere zu behandeln, die nicht mehr fressen. Die tägliche Gesundheitskontrolle lohnt sich deshalb; sie bringt Unwohlsein rasch an den Tag, so- dass es genügt, die passenden Kräuter einfach zu verfüttern.

Doppelt absichern
Bei Verdauungskrankheiten der Kaninchen sind zwei Pflanzen ein Muss: Beifuss (Artemisia vulgaris) und Nelkenwurz (Geum urbanum). Beifuss ist ein aromatisches Bittermittel, das heisst, er enthält verdauungs- und appetitfördernde Bitterstoffe und ätherische Öle, die Krankheitserreger hemmen und gleichzeitig die Verdauung ankurbeln. Beifuss lindert Bauchschmerzen, beugt Trommelsucht vor und sorgt dafür, dass der Patient bei Appetit bleibt. Wichtig ist, aromatisch duftenden Beifuss zu verwenden, es gibt auch beinahe geruchlose Sorten, die weit weniger wirksam sind.
Nelkenwurz ist ein natürliches Kokzidiostatikum, das heisst, sie macht den schädlichen Einzellern das Leben im Kaninchendarm schwer. Kokzidien sind bei vielen Verdauungsproblemen mitbeteiligt, sodass Nelkenwurz in der Behandlung unverzichtbar ist; sie sollte auch dann gegeben werden, wenn ein Kokzidienmittel vom Tierarzt zur Anwendung kommt; doppelt genäht, hält in diesem Fall wirklich besser.

Dost (Origanum vulgare) und Johanniskraut (Hypericum perforatum) sind zwei weitere wichtige Kräuter. Dost ist ein natürliches Antibiotikum; im Darm hemmt er Mikroorganismen, die dort nicht hingehören, schont aber die wichtige Darmflora des Kaninchens. Darüber hinaus regt Dost den Appetit an und verbessert die Futterverwertung. Johanniskraut ist  entzündungshemmend und hebt die Stimmung. Gleichzeitig hemmt es Clostridien. Die mit dem Starrkrampferreger verwandten Bakterien werden für die gefährliche Darmlähmung verantwortlich gemacht. Die Gabe von Johanniskraut beugt dieser schweren Komplikation vor.

Darmschleimhaut behandeln
Mit diesen Kräutern ist die Behandlung des Kaninchens bereits auf gutem Weg. Die entzündete Darmschleimhaut könnte jedoch noch Unterstützung brauchen. Dazu wählen wir eine Pflanze mit Schleimstoffen, denn diese schützen und heilen entzündete Schleimhäute. Eibisch und Malve sind zu Beginn am besten geeignet. Nach der ersten akuten Krankheitsphase können Leinsamen, die ebenfalls viel Schleim enthalten, als kräftigendes Futter zusammen mit einem Teelöffel Haferflocken oder wenig Kraftfutter gegeben werden. Man verfüttert sie gleich ganz, damit sie ihre Wirkung am Ort des Geschehens, im Darm, entfalten. Werden Leinsamen in Wasser vorgequollen, wirken sie vor allem im Magen. Als Dosis genügt ein halber Teelöffel voll. Um den langohrigen Patienten bei Laune und vor allem bei gutem Appetit zu halten, kann man ab und zu ein halbes Blatt Cicorino rosso als Leckerli reichen. Ein gutes Stärkungsmittel in der Rekonvaleszenz ist auch die Nachtkerze.

Die Rückkehr zur normalen Fütterung muss langsam geschehen. Das Tier soll viel Heu fressen, Kraftfutter erhält es vorerst nur in kleinen Mengen, die man langsam steigern kann. Kräuter werden weiterhin in kleinen Portionen gegeben, denn sie verhelfen zu einer gesunden Darmflora und damit zu einer stabileren Verdauung.

Diese Kräuter helfen bei Verdauungsbeschwerden
Gut zusammengestellte Heilpflanzen lindern Verdauungskrankheiten rasch:
– Brombeere als Durchfallmittel.
– Beifuss, ein aromatisches Bittermittel.
– Johanniskraut, das Clostridien hemmt.
– Nelkenwurz als Kokzidien- und allgemeines Stärkungsmittel.
– Dost als grünes Antibiotikum.
– Weidenzweige als Durchfall- und Schmerzmittel.
– Eibisch zum Schutz und zur Heilung der Darmschleimhaut.
– Nachtkerze als Stärkungs- und Schleimhautmittel.

 

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Kommentare (1)

Pfennig H.-J. am 29.12.2015 um 17:00 Uhr
Diese Hinweise finde ich klasse, sie waren mir teils schon bekannt.

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