Tipps
› Zurück

Kaninchen

Melonen und Eis helfen durch die heissen Tage

Kaninchen | Donnerstag, 3. Juli 2014, Ursula Glauser

Heisse Sommertage sind für Kaninchen eine Qual. Sie können nicht schwitzen, nur die Ohren dienen als Kühlan­lage. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, damit es nicht zum Hitzschlag kommt.

Heuet oder Heumonat sind alte Namen für den Monat Juli. In der ländlichen Bevölkerung sind sie auch heute noch oft zu hören, obschon sie nicht mehr richtig passen, seit sich das Heuen in die Monate Juni oder sogar Mai verlagert hat. Am 23. Juli beginnen die Hundstage, die heisseste Zeit des Jahres, die bis am 24. August dauert. Benannt sind sie nach dem Stern Sirius im Sternbild «Grosser Hund», der in dieser Zeit wieder am Morgenhimmel auftaucht.

Den Monat Juli verbinden wir mit Sonne, Baden, Ferien und Erholung. Unsere Liebe zu Sommer und Sonne können die Kaninchen jedoch nicht teilen. Während sich die wilden Verwandten in der Hitze in kühle Erdhöhlen zurückziehen, ist dies den Hauskaninchen nicht möglich. Vielmehr sind sie darauf angewiesen, dass man ihnen an heissen Tagen Kühlung verschafft. Kaninchen können nicht schwitzen; einzig über die stark durchbluteten Ohren wird überschüssige Körperwärme abgegeben. Nicht nur Ställe, auch Freigehege mit wenig Schatten können rasch zu heiss werden und zu einem lebensbedrohlichen Hitzschlag führen.

Kühlende Kräuter und Blätter
Es gibt verschiedene Kühlmöglichkeiten – einfache und aufwendigere. Gehege und Aussenställe können schattiert werden; wichtig ist, dass die Luftzirkulation dabei nicht behindert wird. Luftig aufgehängte Tücher sind eine einfache Möglichkeit; bei grosser Hitze können sie benetzt werden, was einen zusätzlichen Kühleffekt bringt. Pflanzenschatten ist besonders erfrischend; Holunder wächst schnell, wird von Kaninchen nicht angenagt und sorgt für angenehmes Waldklima, wenn er in Freilaufgehegen und auch um Aussenställe herum gepflanzt wird.

Wer einen grünen Daumen hat, kann kleine Weidenbauten anlegen. Weidenruten werden dazu etwa 20 Zentimeter tief in die Erde gesteckt und gut feucht gehalten, damit sie bewurzeln. Aus ihnen können lebende Tunnels oder Iglus gebaut werden, in denen Kaninchen Schutz und Kühle finden. Zu Beginn müssen die jungen Weiden aber vor allzu verfressenen Langohren geschützt werden.

Eine benetzte Stallumgebung erfrischt ebenfalls spürbar. Küchenplättli oder Fliesen auf die erhöhte Ebene gelegt, verschaffen den Tieren einen kühlen Liegeplatz. Sie sollten aber keine allzu rutschige Oberfläche haben, damit sich die Kaninchen beim Hinauf- und Hinunterspringen nicht verletzen. Noch wirkungsvoller sind wassergefüllte PET-Flaschen, die tiefgefroren in die Ställe gelegt werden. Sie eignen sich auch als mobile Kühlung, wenn ein Tier transportiert werden muss.

Auch das Futter kann der Jahreszeit angepasst werden. Die Traditionelle Chinesische Medizin teilt Nahrungsmittel und Kräuter in kalt, kühl, neutral, warm und heiss ein. Auch die europäische Kräuterlehre versieht Heilpflanzen mit bestimmten Temperaturwirkungen. Als temperaturneutral gilt Luzerne. Kühlend und für Kaninchen geeignet sind Erdbeerblätter, Birkenzweige, Eiche, Melisse, Spitzwegerich, Rose, Brombeer- und Himbeerblätter, Weinrebenblätter, Sauerampfer, Klettenlabkraut und Minze. Kalt wirken Löwenzahn und Weide, Gurke und Wassermelone. Gerade Wassermelone wird gern gefressen, erfrischt an heissen Tagen und gibt dem Tier wieder Energie. Die chinesische Medizin warnt aber davor, dass grosse Mengen kalter Nahrungsmittel das Verdauungsfeuer schwächen; Verdauungsstörungen wie Durchfall und Blähungen wären die Folge. Kalte Nahrungsmittel sollten deshalb nur in kleinen  Mengen gereicht werden. Kräuter können nicht nur kühlen, sondern auch Herz und Kreislauf unterstützen oder die Atmung vertiefen: Melisse, Rosmarin, Nelkenwurz, Weissdorn, Nachtkerze und Haselzweige wirken auf diese Weise.

Verletzungen locken Fliegen an
Nebst der Hitzeproblematik muss in dieser Jahreszeit auch besonders auf Verletzungen geachtet werden. Auch wenn sie nicht ernster Natur sind, locken sie Fliegen an. Die meisten sind nur lästig, doch die grün schillernde Schmeissfliege hat die unangenehme Gewohnheit, ihre Eier auf feuchte Wunden oder auch kot- und urinverschmierte Körperpartien abzulegen. Die ausschlüpfenden Larven fressen sich ins lebende Gewebe hinein, was unbehandelt zu einem tödlichen Schock führen kann. Gefährdet sind neben verletzten Tieren auch übergewichtige, die sich nicht mehr richtig pflegen können, und Tiere mit Durchfall. Gruppenhaltungen sind besonders genau zu kontrollieren, damit Verletzungen frühzeitig bemerkt werden.

Frühlingsputz findet im Kaninchenstall besser im Sommer statt. An einem heissen Sommertag werden die Kaninchen in Ausläufe gebracht, die Ställe geleert und mit Wasser gesäubert. Am bequemsten und gründlichsten geschieht dies mit einem Hochdruckreiniger, der mit Staub, Heuresten und Urinspritzern kurzen Prozess macht. Überschüssiges Wasser wischt man mit einem Besen heraus, so trocknet der Stall rasch wieder. Am Abend können die Bewohner zurückkehren und sich an ihrer frischen und staubfreien Behausung erfreuen.

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen