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Kaninchengesundheit

Kräuter gegen Schnupfen

Kaninchen | Donnerstag, 5. Juni 2014, Ursula Glauser

Neben Verdauungsproblemen machen Schnupfen und Lungenprobleme öfter mal Sorgen bei Kaninchen. Gute Stallhygiene als Vorbeugung und Kräuter zur Stärkung lassen Kaninchen gut atmen.

Kaum eine andere Körperfunktion verbinden wir stärker mit Leben als die Atmung: Wir können drei Wochen ohne Nahrung überleben, drei Tage ohne Wasser, aber nur drei Minuten ohne zu atmen. Beim Atmen nehmen Mensch und Tier Sauerstoff aus der Luft auf und geben Kohlendioxid ab. Pflanzen machen es umgekehrt: Sie brauchen Kohlendioxid für ihre Fotosynthese und geben dabei Sauerstoff ab. Was die Pflanzen ausscheiden, hält Mensch und Tier am Leben, und umgekehrt.  

Doch weshalb ist Atmen so zentral wichtig? Der aufgenommene Sauerstoff dient der Energiegewinnung; ohne diese Energie kann kein Körpervorgang ablaufen. Besonders hoch ist der Energiebedarf in der Schaltzentrale Gehirn; sie nimmt denn auch bei einem Atemstillstand als erste Körperregion Schaden. Energie gewinnt der Organismus, indem er Verbindungen aus der Nahrung mithilfe des aufgenommenen Luftsauerstoffes verbrennt (oxidiert). Dies findet in den winzigen Kraftwerken der Körperzellen, in den Mitochondrien, statt.

Ammoniak ist gefährlich für Bronchien
In Anstrengung benötigt der Körper mehr Energie, der Atem wird deshalb schneller; in Ruhe reichen weit weniger Atemzüge aus (siehe auch Infokasten). Ein mittelgrosses Kaninchen atmet täglich rund 1500 Liter Luft ein und aus. Die Hauptarbeit leistet dabei das Zwerchfell; es zieht sich beim Einatmen zusammen, der Brustraum weitet sich, die Lungen werden gedehnt. Dadurch entsteht ein Unterdruck in den Lungenbläschen, Luft strömt ein. Das Ausatmen geschieht durch Entspannen des Zwerchfells. In der Nase wird die einströmende Atemluft angefeuchtet und erwärmt, grössere Staubpartikel werden hier zurückgehalten. Über den Rachen und Kehlkopf gelangt die Luft in die Luftröhre und schliesslich in die Bronchien. Diese sind mit Knorpelspangen stabilisiert, damit sie beim Einatmen nicht kollabieren. Sie verästeln sich in immer kleinere Bronchiolen und münden schliesslich in die Lungenbläschen, den Ort des Gasaustausches.

Kaninchen sind recht anfällig gegenüber Atemwegserkrankungen. Bekannt und gefürchtet ist der Schnupfen, aber auch Lungenentzündungen treten bei Kaninchen nicht selten auf. Die engen Nasennebenhöhlen begünstigen die Besiedelung mit Krankheitserregern – und erschweren deren Bekämpfung. Schnupfen kann harmlos sein, aber auch als lebensbedrohliche, um sich greifende Seuche verlaufen, je nach Ursache und den mitwirkenden Mikroorganismen. Speziell gefürchtet sind Infektionen mit Pasteurella-Bakterien.

Äussere Faktoren wie Zugluft, staubige Einstreu, feuchte Ställe, Ammoniakbelastung, übermässiger Einsatz von Desinfektionsmitteln und hohe Besatzdichte leisten dabei Vorschub. Sie greifen die Schleimhaut an, mit der die Atemwege ausgekleidet sind, und beeinträchtigen die Reinigungsfunktion ihrer feinen Flimmerhärchen. Deren wichtige Aufgabe ist es, eingeatmete winzige Partikel, wie feinste Staubkörnchen, Mikroorganismen oder Schadstoffpartikel, mit synchronen Bewegungen Richtung Rachen zu befördern. Dort werden die Eindringlinge geschluckt und ausgeschieden.

Stress begünstigt Krankheiten
Es liegt zu einem grossen Teil in der Hand des Halters, Atemwegserkrankungen vorzubeugen. Zur Kontrolle der Stall-Luft steckt man am besten den Kopf tief in den Stall. Wenn es nach Ammoniak riecht, muss dringend gemistet werden – und das ist früher als man denkt. Gerade in der warmen Jahreszeit zersetzt sich der Urin sehr schnell. Es ist naheliegend, dass Ställe mit mehreren Tieren (Zibben mit Jungen) häufiger gemistet werden müssen als Einzelställe. Die Besatzdichte sollte ebenfalls beachtet werden. Wachsende Jungtiere brauchen mehr Platz und Freiraum; zeitiges Umgruppieren ist sinnvoll. Nicht nur der Ammoniak kann die Atemwege schädigen, auch der wachsende Stress in einer Gruppe begünstigt Erkrankungen.

Gesund dank Myrte
Die grüne Apotheke stellt uns einige Kräuter zur Verfügung, um die Atemwege zu stärken: Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und Thymian (Thymus vulgaris) sind zwei der bekanntesten Vertreter. Haselnusszweige sind ebenfalls hilfreich; sie sind mehr als nur ein beliebtes Futter, enthalten ihre Knospen doch Wirkstoffe, die die Lunge stärken.
Bohnenkraut (Satureja montana) hat man vielerorts im Garten; es macht nicht nur das Boh­nenessen bekömmlicher, sondern hilft auch Kaninchen mit Verdauungsbeschwerden oder Atemwegserkrankungen. Von diesem aromatischen Kräutlein kann man täglich ein frisches, fünf Zentimeter langes Stück verfüttern. Das darin enthaltene ätherische Öl hemmt Parasiten, Bakterien, Viren, Pilze und regt das Immunsystem an. Trotz all der guten Eigenschaften sollte Bohnenkraut nicht überdosiert werden.

Eine schnupfende Häsin wurde beschwerdefrei durch Myrte (Myrte communis). Sie war aufgrund ihrer Krankheit eigentlich bereits für den Metzger bestimmt, buddelte sich aber im Auslauf zu einem Rammler durch. Einen Monat später warf sie sechs Junge. Als auch ein paar der Jungtiere zu niesen begannen, schien das Schicksal besiegelt: die ganze Familie sollte ab zum Metzger, sobald der Nachwuchs gross genug wäre. Doch dann kam die Myrte zum Einsatz und das Niesen wurden immer seltener und blieb schliesslich aus. Im Moment zieht die Häsin bereits den nächsten Wurf auf und zeigt keinerlei Symptome mehr. Auch ihre Jungen sind völlig gesund.

Die kleine Kübelpflanze mit den hübschen weissen Blüten kann man in jedem Gartencenter kaufen. Das ätherische Myrtenöl wird in der Aromatherapie bei allen Atemwegserkrankungen eingesetzt. Es ist auswurffördernd, schleimlösend, entzündungshemmend und stimuliert das Immunsystem – und es hilft auch bei Nebenhöhlenentzündungen. Genau diese sind ja bei Kaninchen so schwer zugänglich, weshalb Schnupfen oft chronisch verläuft. Myrte ist mild und auf jeden Fall einen Versuch wert bei schnupfenden Tieren. Auch hier verabreicht man nur ein fünf Zentimeter langes Stück pro Tag oder alle zwei Tage. Man kann Myrte gut im Wechsel mit Bohnenkraut geben.

Die Behandlung braucht Geduld, denn sie muss über längere Zeit fortgesetzt werden. Wenn der langohrige Patient keine Symptome mehr zeigt, fährt man mit der Behandlung trotzdem noch drei Monate weiter und gibt noch ein- bis zweimal pro Woche ein wenig Myrte. Vorsicht bei frisch gekauften Myrtenpflanzen. Vor dem Verfüttern sollte man einige Wochen abwarten, damit Pflanzenschutzmittel, die möglicherweise zum Einsatz kamen, abgebaut werden. Behandelt werden nur niesende Kaninchen mit gutem Allgemeinbefinden. Schwer kranke Tiere mit starkem oder eitrigem Nasenausfluss und behinderter Atmung gehören in die Hand eines Tierarztes. Wie immer gehören kranke Tiere während der Behandlungszeit auf jeden Fall in einen Quarantäne-Stall, damit die Krankheit nicht um sich greifen kann. 

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