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Kaninchenfutter

Proteine sind lebensnotwendig

Kaninchen | Freitag, 27. Juni 2014, Heinz Schmid

Proteine sind für Kaninchen wichtige Bestandteile der Nahrung. Aufgebaut sind sie aus gut 20 Aminosäuren. Die Hälfte davon kann das Tier nicht selber produzieren, sie müssen daher zugesetzt werden.

Für ausgewachsene Kaninchen wird in Fachbüchern ein Rohproteingehalt von 130 bis 140 Gramm pro Kilogramm Futter gefordert. Für tragende und säugende Zibben gar 180 bis 220 Gramm pro Kilogramm Futter. Der Eiweissbedarf ist also abhängig von der Leistung, die ein Kaninchen erbringen muss. Dabei spielt die Zusammensetzung des Rohproteins (= Eiweiss) eine bedeutende Rolle, fehlende Aminosäuren müssen ergänzt werden. 

Von den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die im Zusammenhang mit einer Leistungssteigerung bei den Nutztieren in Form von mehr Eiern, mehr Milch und mehr Fleisch erreicht wurden, profitiert auch die Kaninchenhaltung. Zwar geht es dort weniger um Leistungen, aber eine Ergänzung der Ration mit industriell hergestellten Aminosäuren beeinflusst nicht nur die Gesundheit des Tieres; sie hat auch ökologische Konsequenzen. 

Proteine sind nicht zu ersetzen
Von den 20 heute bekannten Aminosäuren ist etwa die Hälfte lebensnotwendig, weil sie vom Körper nicht selber produziert werden können und deshalb über das Futter zugeführt werden müssen. Der Körper hat von jeder Aminosäure also einen bestimmten Bedarf. Ist eine gewisse Aminosäure nur in geringen Mengen vorhanden, so ist für die Gesundheit des Tieres die industriell hergestellte Aminosäure im Futter zu ergänzen. Hohe Proteingehalte dagegen müssen über den Stoffwechsel wieder abgebaut werden und sind eine Belastung für jeden Organismus und für die Natur.

Als erstlimitierende Aminosäuren stehen in der Ernährung der Kaninchen Lysin, Methionin und Cystin, Threonin und Tryptophan im Fokus. Die Aminosäuren Methionin und Cystin sind aufgrund ihres hohen Gehaltes an Schwefel für den Aufbau der Fellhaare der Kaninchen besonders wichtig.

Proteine sind für den Organismus überlebenswichtig. Die Eiweisse befinden sich in jeder Zelle. Es geht sogar so weit, dass sie spezifisch für Funktionen hergestellt werden, zum Beispiel Enzyme. Immunproteine haben Abwehrfunktionen; dem Knochen-, Haut-, und Bindegewebseiweiss werden Stütz- und Schutzfunktionen zugeschrieben und das Muskelprotein setzt das Tier in die Lage, Fortbewegungen bewerkstelligen zu können. 

Defizite müssen ausgeglichen werden
Eiweisse können im Körper nur begrenzt gespeichert werden, zum Beispiel in der Leber; sie unterliegen somit einem schnellen Abbau. Der Rohproteingehalt einer pflanzlichen Komponente in Gramm pro Kilogramm Trockensubstanz ist immer nur eine quantitative Aussage. Die Qualität wird über das Potenzial zur Deckung des Bedarfs an Aminosäuren bestimmt; dieser Bedarf ist abhängig vom Alter, vom genetischen Typ, dem Geschlecht und der Leistungserbringung des Kaninchens. 

Proteine mit hervorragender Qualität sind zum Beispiel Vollmilchpulver und Volleiprotein. Hingegen weichen Proteine aus pflanzlicher Herkunft in ihrer Aminosäurezusammensetzung zum Teil erheblich vom jeweiligen Bedarfsverhältnis ab. Was heisst das? Wenn schon eine einzelne Komponente nicht die Anforderung einer optimalen Aminosäurenergänzung entspricht, dann soll über mehrere Komponenten (Luzerne, Gerste etc.) das Ziel erreicht werden. Dieses sogenannte Komponentendenken ist in der modernen Tierernährung durch das Nährstoffdenken abgelöst worden. So ist die Summe aller Aminosäuren aus allen eingesetzten Komponenten für die Ernährung eines Kaninchens entscheidend. Es spielt dann keine Rolle, welche Komponente wie viel zur Gesamtmenge beisteuert. Wichtig ist, dass der deklarierte Nährstoffgehalt erreicht wird. Wenn nicht, sind industriell hergestellte Aminosäuren zu ergänzen, um eine bedarfskonforme Ernährung der Kaninchen zu erreichen.

Den gängigen Futtermitteln im Kaninchenfutter wie Gerste, Weizen, Sojaextraktionsschrot oder Luzerne fehlen meist eine oder mehrere Aminosäuren. Wenn diese Defizite einer bedarfsgerechten Ernährung der Kaninchen abgedeckt werden sollen, dann braucht es eine Ergänzung der rein synthetisch hergestellten Aminosäuren. Diese Aminosäuren – wie beispielsweise Lysin, aber auch Methionin und Cystin – sind sehr hochwertig und zu 90 bis 100 Prozent verdaulich. Ist das geforderte Profil aller Aminosäuren in einer zusammengestellten Ration zu 100 Prozent erfüllt, so kann ein befriedigendes Wachstum der Jungtiere und ebenso eine hohe Milchleistung der Zibben erwartet werden.

Optimale Fütterung dient auch der Natur
Einer der wichtigsten Faktoren für die Ausnutzung des Futterproteins ist somit die Ausgewogenheit aller Aminosäuren in Vergleich zum physiologischen Bedarf für den Erhaltungsstoffwechsel und die Proteinsynthese für das Wachstum. Immer die im Minimum liegende Aminosäure bestimmt die Synthese. Das heisst, wenn die Aminosäuren Methionin und Cystin in grossen Mengen vorhanden sind, aber Lysin fehlt, so ist die Leistung auf diese letztgenannte Aminosäure ausgerichtet. Von einer einseitigen Ernährung, die sich auf eine gewisse pflanzliche Komponente festfährt, ist also abzuraten. Auch ist darauf hinzuweisen, dass jeder Rohstoff sich durch sein typisches Aminosäuremuster auszeichnet, das aber je nach Herkunft, Sorte und Alter der Pflanze deutlichen Schwankungen unterliegt.

Diese Schwankungen der Aminosäuregehalte in den Pflanzen und der sich ändernde Nährstoffbedarf der Kaninchen führen dazu, dass unterschiedlich stark Stickstoffausscheidungen stattfinden. Je besser der Bedarf mit dem Angebot der Aminosäuren übereinstimmt, desto tiefer die ökologische Belastung über den Stickstoff für die Natur. Eine geringere Stickstoffausscheidung und eine nährstoffangepasste Ernährung vermindern die Stoffwechselbelastung für die Kaninchen. Besonders Jungtiere leiden weniger unter Verdauungsstörungen und Durchfallerkrankungen, und ältere Zuchttiere sind vitaler und weniger anfällig auf verschiedene Infektionserkrankungen. Ausserdem weisen nährstoffangepasste Fütterungssysteme eine deutlich tiefere Ammoniakkonzentration im Stall auf. Auch der Kaninchenbetreuer wird sich darüber freuen.

Futtermittel Rohprotein in %
Verdauliches Rohprotein in %
Verdaulichkeit in %
Wiesengras 3,0 2,0 66
Luzerne vor Blüte
4,5
2,8 62
Möhren
1,4 1,2 85
Gerste 9,9 7,1 72
Weizen 12,1 9,1 75
Weizenkleie 24,3 20,8 86
Rapsextraktionsschrot 36,0 27,7 77
Sojaextraktionsschrot 45,5 39,0 86
Brot 15,8 15,0 95
Haushaltsabfälle 1,9 1,0 53
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