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Kaninchenfutter

Heu ist viel mehr als nur trockenes Gras

Kaninchen | Donnerstag, 24. Oktober 2013, Heinz Schmid

Heu ist nicht das nährstoffreichste Futter. Doch aufgrund seines hohen Rohfasergehalts fressen es Kaninchen gerne. Wichtig ist allerdings, dass Heu richtig konserviert und gelagert wird.

Die Dürrfutterqualität wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnte in der Schweiz laufend verbessert. Das zeigt auch eine Analyse, die erst kürzlich abgeschlossen wurde. Einen Einfluss auf Quantität und Qualität haben ohne Zweifel die landschaftlichen Höhenstufen: Je höher die Ernte stattfindet, desto stärker steigt der Rohfasergehalt und desto mehr sinkt der Energie- und Proteingehalt. Als Heu wird der erste Schnitt im Frühling zur Dürrfuttergewinnung bezeichnet. Es ist nicht der nährstoffreichste Schnitt, aber für rohfaserliebende Tiere wie Kaninchen der beste.

Mit einem Trockensubstanzgehalt von mehr als 86 Prozent wird auf die Lagerfähigkeit oder die mikrobiologische Stabilität des Dürrfutters Einfluss genommen. Dieser Wert wird in der Regel erst nach der natürlichen Nachtrocknung erreicht. Bevor Dürrfutter den Tieren vorgelegt wird, sollte es zwei Monate gut gelagert werden. Während dieser Zeit findet ein Gärungsprozess statt. Wenn das Heu zu früh verfüttert wird, führt dies bei den Tieren zu Verdauungsstörungen.

Doch bereits beim Einbringen – also bei der Ernte – gilt es, nur einwandfreies Futter auf dem Heustock zu lagern. Ist es zu sehr getrocknet, entstehen Bröckelverluste (häufig sind es die Blätter der Kräuter), die umso höher sind, je häufiger das Erntegut noch bearbeitet wird. Mit einem ausreichenden Eiweiss- und Mineralstoffgehalt sowie genügend Rohfasern werden die Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Ernährung der Kaninchen erfüllt.

Das Heu sollte punkto Verpilzung, Geruch, Farbe und Schmutz untersucht werden
Was immer den Tieren vorgesetzt wird, sollte auch überprüft werden. Im Gegensatz zum Kraftfutter wird selbst hergestelltes Dürrfutter zu wenig unter die Lupe genommen. Der Tierhalter kann dank seinen Sinnesorganen aber bereits einige wichtige Aussagen über die Qualität des Dürrfutters machen. Als mögliche Variante zur Beurteilung des Heus können die Tierhalter ihr Dürrfutter auf folgende Punkte hin untersuchen:

 Verpilzung: Angestrebt werden keine sichtbaren Schimmelpilze. Sind keine vorhanden, so wird dies für die Qualität am stärksten gewichtet.

 Farbe: Für eine herausragende Qualität wird ein Heu mit grüner Farbe gewünscht. Ein verfärbtes, ausgeblichenes oder noch schlimmer ein gebräuntes oder schwärzliches Dürrfutter wird als schlecht bewertet.  

 Geruch: Es wird ein Dürrfutter mit dem typisch aromatischen Heugeruch gewünscht; ein kräuterreiches Grünfutter führt zu einem ausgezeichnet duftenden Dürrfutter.

• Verschmutzung oder Staubbildung: Erde, kleine Steine oder Äste gehören nicht in das Dürrfutter. Zu stark mit Staub verschmutztes Dürrfutter ist übrigens eine Gefahr für die Ge­sundheit der Tiere. Für eine gute Qualität sind die Pflanzenzusammensetzung, der Schnittzeitpunkt, die Erntetechnik und die anschliessende Lagerung aber ebenso entscheidend.

Gutes Heu wird in Kleinpackungen in Zoohandlungen und bei den meisten Grossverteilern angeboten. Diese Kleinstballen sind für die Heimtierhaltung, bei der meist nur ein Kaninchen in der Wohnung gehalten wird, sicher ideal, brauchen sie doch wenig Platz für die Lagerung. Viele, die selbst keine Parzelle für die Dürrfuttergewinnung haben, kaufen Kleinballen zu 20 bis 25 Kilogramm direkt von einem in der Nähe gelegenen Bauernhof. Diese sind meist kostengünstig und können bei Bedarf laufend ergänzt werden.

Empfohlen wird eine trockene und kühle, aber nicht allzu lange Lagerung
Nur wenige Halter haben Kontakt zu Verkaufsstellen, bei denen Spezialheu angeboten wird. Von den Tieren gern gefressen wird das gut riechende, kräuter- und gräserreiche Berg­heu von den extensiven Wiesen. Es gibt auch Züchter, die auf das in der französischen Camargue produzierte Crauheu setzen. Dieses rohfaserreiche Heu findet auch viele Liebhaber vor allem aus der Pferdehaltung. Obwohl immer weniger Kleinballen angeboten werden, lässt sich durchaus gutes Heu in der Nähe einer Kleintierstallung finden.

In den Kleintierställen ist meist nicht genügend Platz für die gesamte Heu- und Strohlagerung. Die Versuchung ist gross, die Ballen ausserhalb – meist nicht genügend vor Witterungseinflüssen geschützt – mit Plastikplanen zu schützen. Einmal feucht gewordenes Dürrfutter soll aber den Kaninchen nicht mehr vorgesetzt werden. Klein-Heuballen gehören auch nicht in dicht abgeschlossene Plastiksäcke während der Lagerung.

Empfohlen wird eine trockene und kühle Lagerung, die sich regelmässig überwachen lässt. Vor allem dürfen sich im Heu keine anderen Tiere aufhalten und durch Kot verschmutztes Heu gehört direkt auf den Mist. Von einer allzu langen Lagerung ist ebenfalls abzuraten, denn dann bauen sich die Nährstoffe ab; insbesondere beim Vitamin Beta-Carotin stellt man im Frühling einen tieferen Gehalt fest.

Analyse-Möglichkeit
Verschiedene Futtermittellabore in der Schweiz bieten bezüglich der Nährstoffgehaltsbestimmung ihre Dienste an. So ist es beispielsweise bei Dürrfutter möglich, Wassergehalt, Roh­protein, Rohfaser, Rohasche sowie die Mineral­stoffe Kalzium, Phosphor, Magnesium, Kalium und Natrium pro Kilogramm Trockensubstanz für weniger als 70 Franken bestimmen zu lassen.

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