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Kaninchen-Ernährung

Abwechslung im Futtergeschirr

Kaninchen | Freitag, 26. Juli 2013, Heinz Schmid

Vielfältig und abwechslungsreich soll die Ernährung der Kaninchen sein. Daher gilt es, bei der Zusammenstellung der Menüs einige Punkte zu beachten. 

Im Tierfuttermarkt – insbesondere Heimtiermarkt – findet sich ein breites Futtersortiment. Es wird ständig ausgeweitet und viele Tierhalter werden durch zum Teil übertriebene und aggressive Werbung zum Kauf bewegt. Tatsache ist aber: Meist sind die Tiere mit weniger zufrieden, als wir Tierhalter glauben, anbieten zu müssen.

Hauptziel der Fütterung ist die Versorgung mit Nährstoffen, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten und die Fortpflanzung zu garantieren. Der Bedarf an den verschiedenen Nährstoffen ist dabei in erster Linie auch abhängig von der Leistung und Grösse der Tiere. 

Die Natur hat diesbezüglich vorgesorgt, indem alle Rohstoffkomponenten energie-, protein-, mineralstoff- oder vitaminreich sind; die einen enthalten mehr davon, die anderen weniger. Dabei sind in der Kaninchenfütterung im Speziellen auch die Faserstrukturen der eingesetzten Futtermittel zu berücksichtigen. Stark zellulose- und ligninhaltige Ausgangssubstanzen sind nicht nur ein hervorragendes Beschäftigungsmaterial für Kaninchen, sondern bringen für eine optimale Verdauung und robuste Gesundheit wichtige Substanzen mit.

Ein Versuch mit Zwergkaninchen zeigte, in wie vielen Minuten von verschiedenen Futtern die gleiche Menge gefressen wurde (siehe Tabelle unten). Einerseits sind rohfaserhaltige Raufutterkomponenten unentbehrliche Nährstofflieferanten, andererseits vertreiben sich die Tiere damit die Zeit beim Fressen und sind beschäftigt. Bei Heu mit vielen Rohfasern verweilen sich die Tiere am längsten.

 

Wie lange reicht das Futter?
Wie lange Zwergkaninchen brauchen, um die gleiche Menge verschiedenen Futters zu fressen.
Heu (später Schnitt) 12,2 min
Heu (früher Schnitt) 4,72 min
Heubriketts  2,30 min 
Gras  6,84 min 
Mischfutter (pelletiert)  1,40 min 

 

Frische Gemüsereste passen gut in den Speiseplan eines Kaninchens  
Die Zeit ist vorbei, als den Kaninchen aus dem eigenen Garten oder aus der Küche Gemüse-Rüstabfälle vorgesetzt wurden. Das war vor mehr als 50 Jahren so, als Kaninchen die Fleischlieferanten für viele Familien waren, und es galt, die kostbaren Nährstoffe nicht vorweg zu kompostieren. Frisch verfüttert sind Gemüsereste aber auch heute noch eine willkommene Abwechslung im Rationenplan der Kaninchenhaltung. Gemüse ist auch heute noch aktuell, doch wird es heute meist über weite Strecken transportiert. Da war der Einsatz direkt von der Küche in den Stall weit ökologischer und kostengünstiger.

Mit der Möglichkeit, Rohstoffkomponenten im richtigen Verhältnis der Nährstoffe auszuwählen und in Pellets verpackt täglich den Tieren vorzulegen, ist die Fütterung bestimmt einfacher geworden. Optimierungsprogramme der Futtermittelindustrie legen fest, welche Rohstoffkomponente zu welchem Anteil eingesetzt wird, um die Zielvorgaben bezüglich der Nährstoffe wie Eiweisse, Vitamine, Mineralstoffe und Rohfaser zu erfüllen; selbstverständlich werden die Kosten immer in diese Berechnungen miteinbezogen.

Wie auch immer die Futterarten angeboten und den Tieren vorgesetzt werden: Nebst einem guten Geschmack ist wichtig, dass sie längere Zeit lagerfähig sind. Zudem müssen beispielsweise die Vitamine in der angegebenen Form und Gehaltshöhe auf der Etikette in der Nahrung vorhanden sein. Jede der folgenden Futterarten weist für die Ernährung der Langohren Vorteile und Nachteile auf.

Kombifutter sollte restriktiv gefüttert werden, denn Kaninchen sind wählerisch 
Bei einem Kombifutter sind Kaninchen mit der ausdauernden Zerkleinerung der Körner beschäftigt und nutzen dadurch auf natürliche Weise ihre Zähne ab. In Kombifuttern verpackt sind auch Pellets, die die Mineralstoffe und Vitamine enthalten. Optisch fallen alle verwendeten Rohstoffkomponenten sofort auf und wenn es nur Wacholderbeeren sind. Vielfach setzen sich diese bei den Nährstoffen vollständigen Futter zusätzlich aus den Getreidearten Gerste, Weizen und Hafer sowie Maisflocken und Sonnenblumenkernen zusammen. Wenn Futter immer verfügbar ist, fressen die wählerischen Kaninchen das heraus, was sie am meisten schätzen. Doch damit ist eine Fehlernährung programmiert. Bekanntlich ist der Nährstoffgehalt über das ganze Futter berechnet; fressen die Tiere nur die Pellets aus dem Futter, sind sie mit Vitaminen und Mineralstoffen überversorgt. 

Einige Tiere behelfen sich mit den Vorderpfoten und scharren gewisse Rohstoffkomponenten, die sie nicht mögen, kurzerhand aus dem Geschirr. Futter in der Schublade und später im Mist nützt niemanden. Diesem Fehlverhalten kann vorgebeugt werden, indem bewusst eine restriktive Fütterung angestrebt wird. Es wird nur so viel Kombifutter gegeben, dass bis zur nächsten Futtergabe auch alles aufgefressen ist.

Die mit einem Durchmesser von wenigen Millimetern grossen und nicht entmischbaren Pellets (oder Würfel) sind ideal für eine komplette Ernährung. Ein selektives Fressen wie beispielsweise beim Kombifutter ist hier nicht möglich; auch ist eine Fütterung im Aussengehege eher möglich, weil Vögel nicht auf diese Art von Futter abzielen. Aber pelletiertes Futter, das nass wird, quillt auf und ist nicht mehr geniessbar. Es wird zur Falle für die Darmgesundheit der Kaninchen, weil sich darin schnell schädliche Organismen entwickeln.  

Ein Ergänzungsfutter aus Trockengemüse kann gegen Verdauungsprobleme helfen
In der Werbung für Heimtiere werden immer wieder «Futtermischungen ohne Getreide» angepriesen. Wer aber bei der Zusammensetzung der Futter auf der Etikette etwas genauer hinguckt, sieht, dass auch Kleie in der Mischung vorhanden ist. 

Getreidearten haben es ohnehin in der Futtermittelherstellung für Kaninchen schwer, in die Mischung aufgenommen zu werden, weil sie energiereich sowie rohfaser- und kalziumarm sind und deshalb in der Optimierung der Futtermühle kurzum nicht berücksichtigt werden; dies im Gegensatz zu Wiederkäuer- und Schweinefutter. 

Interessant sind auch die Gemüse- und Früchtemixe, die mit Johannisbrot und Bananen nebst vielen anderen Gemüsearten zwei Komponenten enthalten, die sich vorzüglich auf die Verdauung der Tiere auswirken. Es gilt jedoch zu beachten, dass es sich bei solchen Angeboten um Ergänzungsfutter handelt, die nicht den Bedarf des Tieres bei alleiniger Verabreichung erfüllen. Als «Dessert» sind solche Futterangebote «aus dem Regal» des Heimtiermarktes sehr zu begrüssen. 

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