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Frühling

So blieben die Jungtiere gesund

Kaninchen | Donnerstag, 18. April 2013, Ursula Glauser

Der Frühling ist die schönste Zeit im Zuchtjahr. Die Jungtiere bringen Leben in die Ställe. Umso trauriger ist es, wenn der Nachwuchs zu kränkeln beginnt oder sogar stirbt. Doch man kann vielen Problemen vorbeugen.

Die Vorsorge beginnt bereits bei der Zusammenstellung der Zuchtpaare. Gute Zuchttiere sind in erster Linie gesundheitlich robuste Tiere. Erst an zweiter Stelle sollte die Schönheit stehen. Verweigert sich die Zibbe einem bestimmten Rammler, kann das daran liegen, dass sie genetisch nicht harmonieren und es macht Sinn, einen anderen Rammler einzusetzen. Sich riechen mögen oder nicht hat einen handfesten Hintergrund, wie Untersuchungen an Tieren und auch am Menschen gezeigt haben. Je unterschiedlicher das Immunsystem, desto angenehmer wird der Geruch empfunden und desto robuster ist der Nachwuchs.

Verfettete Zibben nehmen nicht nur schlecht auf, sondern neigen auch zu Problemen bei der Geburt. Mehr Bewegung und Frischfutter, dafür etwas weniger Kraftfutter, bringen die Häsinnen in Kürze in Zuchtkondition. Die Gabe von Himbeerblättern während der Tragzeit stärkt die Gebärmutter und hilft ebenfalls Geburtsproblemen vorzubeugen.

Schimmelpilze sind der Ausgangspunkt vieler gesundheitlicher Probleme
Ein sauberer Stall ist selbstverständlich, ob Nachwuchs erwartet wird oder nicht. In Doppelställen empfiehlt es sich, das Abteil, das dem Tier nicht als Toilette dient, beim Misten dennoch zu kontrollieren, feuchte oder alte Einstreu zu ersetzen. Wer Heu in der Raufe anbietet, sollte diese mindestens einmal wöchentlich vollständig entleeren. Diese Massnahmen beugen Schimmel vor. Bleibt über längere Zeit Heu oder Einstreu liegen, können sie feucht werden und zu schimmeln beginnen.

Schimmelpilze bilden gefährliche Giftstoffe, sogenannte Mykotoxine. Je nach Art des Giftes wirken sie hormonähnlich oder zellschädigend. Letztere zerstören unter anderem die Schleimhaut des Verdauungstraktes, was zu Durchfall, Entwicklungsstörungen und Schwächung des Immunsystems führt. Ist eine tragende Zibbe Schimmelpilzen ausgesetzt, schädigen Mykotoxine die Föten. Die Jungen kommen zwar lebend zur Welt, sind aber so schwach, dass sie keine Kraft zum Saugen haben und ohne nährende Milch ihre Körpertemperatur nicht aufrechterhalten können. So sterben sie in den ersten Tagen, obschon das Muttertier Milch hat und die Kleinen säugen würde.

Sorgfalt bei der Lagerung der Futtervorräte und von Heu und Stroh ist also angesagt. Allerdings gibt es Feldpilze, die bereits die wachsenden Pflanzen befallen; so werden sie  gleich mitgeerntet. Die Landwirte wissen um das Problem: Geeignete Fruchtfolgen und Bodenbearbeitungsmassnahmen helfen die Belastung mit Feldpilzen zu senken. Auch die Futterproduzenten tun ihr Möglichstes, um die Toxinbelastung im Futter tief zu halten. Sie wissen, dass Kaninchen und Ferkel am empfindlichsten auf Mykotoxine reagieren.

Nervöse Zibben gefährden die Jungen und bleiben deshalb besser nebenan
Hat die Häsin das Nest fertig gebaut, lohnt sich ein kritischer Blick, ob es Gefahrenstellen im Stall gibt, vor allem bei strukturierten Ställen. Da gibt es oft heikle Lücken oder Spalten, in die sich Nestlinge verirren können. Solche Stellen können beispielsweise mit Stroh gut zugestopft oder mit einem Brett gesichert werden. Nach dem Werfen wird die Nestkontrolle gemacht: Man zählt die Jungen und entfernt etwaige Tote oder Nachgeburtsreste. Auch in den folgenden Tagen greift man kurz ins Nest und zählt die Nestlinge durch. Fehlt ein Kleines, sollte man es unverzüglich suchen. Tote Nestlinge, die tagelang im Stall liegen, zeugen nicht von guter Tierhaltung.

Die meisten Zibben werden kurz nach der Geburt wieder rammlig. Bei einigen merkt man kaum etwas davon, andere sind sehr nervös, zerwühlen die Einstreu und ab und zu sogar das Nest, was die Jungen gefährdet. Am besten sperrt man dann die Mutter ab, was in einem Doppelstall ja sehr einfach ist. Jeweils am Morgen lässt man die Zibbe zum Säugen zum Nest. Nach wenigen Tagen hat sich die Häsin beruhigt. Bei grossen Würfen sorgen Kräuter für genügend Milch; nebst den als milchfördernd bekannten getrockneten Brennnesseln und Fenchel- und Mariendistelsamen können bald frische Hopfentriebe und Löwenzahnblätter gesammelt werden. Wasser muss natürlich immer vorhanden sein. Die Tränke frisch befüllen ist weit besser als blosses Nachfüllen; gerade bei wärmeren Temperaturen vermehren sich Bakterien im stehenden Restwasser gefährlich schnell.

Eine naturnahe Fütterung hilft gegen diverse Verdauungskrankheiten
Peinliche Sauberkeit ist angesagt, sobald die Kleinen aus dem Nest kommen. Häufiges Misten und genügend Platz für die wachsenden Jungen beugen vielen Problemen vor. Zu starker Besatz führt zu hoher Luftfeuchtigkeit im Stall, was wiederum das Wachstum von Schimmelpilzen in der Einstreu begünstigt.

Ein wichtiges Thema sind jetzt die Kokzidien. Kokzidiostatika im Futter mögen beruhigend sein, doch sie verhindern Erkrankungen nur zum Teil. Auch besteht bei dauernder Medikamentation stets das Risiko von Resistenzbildung. Einige Züchter machen mit den Zuchtzibben vor dem Decken eine Kokzidienkur, andere behandeln Mutter und Jungtiere, sobald diese etwa sechs Wochen alt sind. Kokzidien werden über Kot übertragen; die beste vorbeugende Massnahme ist deshalb das Reinigen der Kotecke alle zwei bis drei Tage.

Grobes Heu und eine naturnahe Fütterung mit Kräutern und Zweigen von Hasel, Birke, Eiche, Erle und Weide unterstützen die Entwicklung einer guten Darmflora. Gerbstoffe, die in vielen Pflanzen vorhanden sind, besänftigen entzündete Darmschleimhaut und hemmen Bakterien. Bitterstoffe regen Appetit und Verdauung an, beugen Gärungen vor und damit der gefürchteten Trommelsucht. Wichtig ist auch ihre stärkende Wirkung. Ätherische Öle regen ebenfalls den Appetit an, sind blähungshemmend, desinfizierend und krampflösend. Schleimstoffe regen die Darmtätigkeit an und schützen die Schleimhäute, von deren Gesundheit eine gute Entwicklung abhängt.

Unter den Kräutern haben sich Dost, Gänseblümchen, Beifuss und Nelkenwurz in der Jungtieraufzucht besonders bewährt. Der Wirkstoffcocktail der Pflanzen trifft verschiedene Zielorte im Stoffwechsel der Krankheitserreger; diese vermögen deshalb keine Resistenzen dagegen zu bilden. Ein paar Blätter täglich reichen aus. In Beständen, die bereits Probleme mit Enteropathien hatten, reicht man den Jungtieren zusätzlich regelmässig ein wenig Johanniskraut. Es hemmt die Clostridien, die für die oft tödlich verlaufende Darmlähme verantwortlich gemacht werden.

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