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Gräser und Kräuter

Heilpflanzen für Pferde

Pferde | Dienstag, 16. Oktober 2018, Martina Frei

Gegen Wunden, Hufrehe, Husten oder Probleme bei der Rossigkeit sind Kräuter und Gräser gewachsen. Pflanzenheilkundige Tierärztinnen haben diesbezüglich jede Menge Tipps. 

Es gibt etwa 10 000 verschiedene Arten von Gräsern – auf Pferdeweiden werden aber oft nicht einmal fünf davon angesät. Auch das Heu stammt vielerorts von monotonen Wiesen mit wenigen, aber ertragreichen Grasarten. Dazu gibts Kraftfutter wie Müesli, aber keine Äste zum Beknabbern oder wirkstoffreiche Kräuter. Für Cäcilia Brendieck-Worm ist diese Art der Fütterung ein Unding. «Wir sind auf Vielfältigkeit in der Nahrung angelegt. Vieles, was wir an Beschwerden haben, rührt von einseitiger Ernährung her, sowohl beim Menschen, als auch beim Tier», ist die Veterinärin überzeugt.

Müesli für Pferde sei unnatürlich, findet Brendieck-Worm und verweist auf die Häufigkeit von Magengeschwüren sogar bei Freizeitpferden. Seit rund 30 Jahren befasst sich die 61-jährige deutsche Tierärztin mit der Pflanzenheilkunde für Tiere. Diese Art der Behandlung wirke gesunderhaltend und beuge Krankheiten vor, ist sie überzeugt. Zusammen mit Kolleginnen trägt sie in ihren Büchern überliefertes Wissen zu Heilpflanzen zusammen, das verloren zu gehen droht.

Pferdegerechte Rezepte

Zwiebel-Hustensirup
Eine Zwiebel wird fein gewürfelt und in einem Schraubglas mitzwei Esslöffel Honig überdeckt. Nach etwa 20 Minuten bildet sich obenauf Saft. Dieser Saft wird bei Husten mehrmals täglich löffel-weise eingegeben. Möglichst frisch zubereiten. Lehnen die Pferde den Zwiebelsirup ab, so kann man ihn mit Obstessig verdünnen.

Moro’sche Karottensuppe
bei Durchfall
500 Gramm Rüebli in einem Liter Wasser mindestens eine Stunde lang kochen. Dann das verdampfte Wasser ersetzen und nochmals erhitzen. Einen gestrichenen Teelöffel Kochsalz zugeben und pürieren.

Honigsalbe
Einen Teil Honig mit einem Teil Fett glattrühren. Geeignete Fette sind Butter, Olivenöl oder selbst gemachtes Johanniskrautöl.

Pferde sind dankbare Patienten
Seit der Antike wurden rund 770 Pflanzen in der Schweiz irgendwann einmal als Heilpflanzen genutzt, 104 davon sind bereits seit 2000 Jahren in Gebrauch. Eine der bekanntesten ist der Bergwohlverleih (Arnika). «Müden, überanstrengten Pferdebeinen nach Distanzritten oder Turnieren hilft eine Waschung mit einer kalten Lösung von fünf Milliliter Arnikatinktur in zwei Liter Wasser», raten Brendieck-Worm und ihre Kolleginnen im Buch «Heilende Kräuter für Tiere».

Bei Wunden hätten sich Spülungen mit Ringelblume, Schafgarbe oder Kamille bewährt, sagt Co-Autorin Elisabeth Stöger. «Mit diesen Pflanzen habe ich viele eindrucksvolle Dinge gesehen bei schrecklichen Wunden.» Verletzte Stellen am Pferdebein, die schwierig zu nähen sind, versorgt die Kärntner Tierärztin – nach gründlicher Reinigung – mit einem Honigverband. Es müsse kein teurer medizinischer Honig sein, so ihre Erfahrung, «guter, einheimischer Honig tuts auch». Er wirkt sowohl antimikrobiell als auch wundreinigend und er fördert die Wundheilung. 

Was die Phytotherapie, also die Pflanzenheilkunde betreffe, sei das Pferd ein sehr dankbares Tier, sagt die deutsche Tierärztin Alexandra Nadig, die seit etwa zwanzig Jahren Tiere mit Pflanzen behandelt. Erstaunlicherweise brauche das Pferd im Verhältnis zum Körpergewicht oft gar keine so hohen Dosen.

Arthrose, eine häufige Diagnose bei älteren Pferden, lässt sich den Fachfrauen zufolge oft gut pflanzlich behandeln. Um diese Jahreszeit am einfachsten erhältlich ist die Hagebutte. Sie wirkt entzündungshemmend und damit schmerzlindernd. Täglich 30 bis 40 Gramm davon sollen überdies das Hufwachstum fördern, das Fell verbessern, vor Hufrehe schützen und die Abwehrkräfte steigern. Bei der ebenfalls populären Teufelskralle «wirken viele Präparate nicht, weil sie die falsche Teufelskralle enthalten», weiss Nadig. Die echte Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) wächst nur in Afrika und ist stark bedroht. Bewährt haben sich laut Nadig beim Pferd auch Ginkgo bei Hufrehe und Mönchspfeffer beim Cushing-Syndrom. 

Der Mönchspfeffer wird in der Humanmedizin zum Beispiel bei prämenstruellen Beschwerden eingesetzt. Die Tierärztin Maya Bräm hingegen verwendet ihn, wenn die Rossigkeit bei Stuten überhandnimmt und zu Problemen führt. Bräm ist auf Verhaltenstiermedizin spezialisiert. Nebst Heilpflanzenmischungen verordnet sie Fertigpräparate wie zum Beispiel «Calmex», um sehr nervöse Pferde zu beruhigen. Mangels pflanzlicher Fertigpräparate für Tiere greife man oft auf solche für Menschen zurück, sagt Bräm, die in Möhlin AG ihre Praxis hat. 

Achtung vor Giftpflanzen!
Husten, Bronchitis, Hautprobleme, Verdauungsstörungen, selbst Sarkoide sind aus Sicht der Phytotherapeutinnen ebenfalls gute Einsatzgebiete für Heilpflanzen. Manchmal behandeln die Therapeuten dabei gleich ganze Ställe: In einem Betrieb mit 35 Tieren fingen die Pferde jeden Winter an zu husten, wenn sie im Stall stehen mussten. Versuchsweise bekam jedes Pferd ab dem Spätherbst täglich einen Esslöffel Schwarzkümmelsamen – mit Erfolg.

Heilkräuter zu verabreichen sei bei Pferden meist nicht allzu schwierig, sagt Elisabeth Stöger. Weigert sich das Tier, «kann man die Kräuter mit Bockshornkleesamen verabreichen. Die Bockshornkleesamen zuerst als Schleim zubereiten und dann die Kräuter damit geben.» Auch Apfelmus leistet gute Dienste, um die Heilkräuter schmackhaft zu machen. 

Pferde hungern oder dursten zu lassen, bis sie die Heilpflanzen oder einen Tee nehmen, davon raten die Tierärztinnen vehement ab. Auf diese Weise sei etwa der Gundermann in den Ruf geraten, giftig zu sein, sagt Brendieck-Worm. Die hungrigen Tiere frassen eine Überdosis. Aus ähnlichen Gründen rät sie auch davon ab, Pferde so lange auf der Weide zu lassen, bis diese komplett abgegrast ist: «Wer auf diese Weise Tiere zwingt, Pflanzen zu fressen, die sie normalerweise meiden würden, trägt die Verantwortung für die resultierende Vergiftung.»

Die richtige Dosis zu finden, ist in der Pflanzenheilkunde meist Erfahrungssache, denn teure Dosisfindungsstudien werden bei Tieren kaum gemacht. Viel Wissen dazu wird aus Erfahrungen beim Menschen auf die Tiere übertragen. Bei einzelnen Pflanzen ist jedoch Vorsicht geboten: Die Avocado etwa ist für den Menschen harmlos, für Pferde aber giftig. Und der Ingwer, probates Mittel, um den Appetit anzuregen oder Magengeschwüren vorzubeugen, kann hoch im Blut stehende Pferde noch «heisser» machen. 

Wichtig ist, den Tierarzt zu Rat zu ziehen, wenn das Hausmittel nicht wirkt oder sich der Zustand des Tiers verschlechtert. Insbesondere bei Verdauungsstörungen kann jede Verzögerung tödlich enden. 

www.giftpflanzen.ch
www.camvet.ch
www.smgp.ch 

Literaturtipps:
Cäcilia Brendieck-Worm, Franziska Klarer, Elisabeth Stöger: «Heilende Kräuter für Tiere», Haupt Verlag, ISBN: 978-3-258-08077-2, ca. Fr. 39.–

Cäcilia Brendieck-Worm, Matthias F. Melzig: «Phytotherapie in der Tiermedizin», Thieme Verlag, ISBN: 978-3-13-240777-0, ca. Fr. 138.–

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