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Pferdewohl

Was tun, wenn es blutet?

Pferde | Freitag, 9. Juni 2017, Angelika Nido Wälty

Ein hervorstehender Nagel, ein Tritt oder Biss von einem anderen Pferd – und schon klafft die Wunde und fliesst das Blut. Sind die Blessuren oberflächlich, kann man sie selber versorgen, alle anderen sollte sich ein Tierarzt ansehen.

Es gibt Pferde, die sind so ungestüm oder tollpatschig, dass sie alle paar Wochen irgendwo eine Schramme haben. Doch selbst vorsichtige Pferde verletzen sich, vor allem an den empfindlichen Beinen sind Wunden häufig. Es wird daher keinen Reiter oder Pferdebesitzer geben, der sich nicht früher oder später mit einer blutenden Blessur konfrontiert sieht. Dann ist schnelles Handeln gefragt, denn die richtige Einschätzung und Behandlung der Wunde sind entscheidend für den Heilungsverlauf.

Die Grösse der Wunde oder die Stärke der Blutung sind dabei nicht alleine ausschlaggebend. Eine grossflächige, klaffende Wunde im Bereich der Flanke oder Oberschenkel sieht zwar dramatisch aus, sie heilt aber vermutlich problemloser als der unscheinbare, kaum sichtbare Piks von der Mistgabel, die zusammen mit Schmutzpartikeln tief ins Gewebe eingedrungen ist. Das kann zu einer Infektion und im schlimmsten Fall zu schweren Gelenksschäden führen. Auch Sehneninfektionen haben keine guten Prognosen.

Tetanusimpfung ist lebenswichtig
Eines haben Wunden gemeinsam: Jede ist eine mögliche Eintrittspforte für die gefährlichen Tetanuserreger, auf die Pferde äusserst sensibel reagieren. Erkrankt ein Pferd an Wundstarrkrampf, ist eine Heilung schwierig und gelingt nur in wenigen Fällen. Keine allzu grossen Sorgen machen muss man sich bei einem Tetanus-geimpften Pferd bei kleinen Kratzern, oberflächlichen Schürfungen oder Schrammen, bei denen nur die oberste Hautschicht verletzt wurde und kaum Blut fliesst. Diese werden mit einem handelsüblichen Desinfektionsmittel gereinigt, zur Unterstützung der Heilung kann ein Wundgel oder eine Salbe aufgetragen werden, ein Abdecken der Wunde ist nicht nötig. Dieses Vorgehen kann bei Bedarf wiederholt werden, bis die Wunde ganz abgeheilt ist.

Grössere und tiefere Wunden, bei denen mehrere Hautschichten durchtrennt und unter Umständen auch tieferliegendes Gewebe wie Muskeln, Sehnen oder Bänder verletzt sind, sollten von einem Tierarzt versorgt werden. Damit sich dieser ein unverfälschtes Bild von der Wunde machen kann, sollte man die Blessur vorher nicht desinfizieren und auch keine Wundsalben oder -puder verwenden. Die Reinigung erfolgt, wenn nötig, nur mit fliessendem Wasser, stark blutende Wunden reinigen sich von selbst.

Bis zum Eintreffen des Veterinärs sollte die Verletzung unter Verband gestellt werden – und zwar aus mehreren Gründen: Ein Verband hilft die Blutung stillen, verhindert weitere Verschmutzungen, beugt Schwellungen vor und hilft gegen die Austrocknung der Wundränder, was dem Tierarzt ein allfälliges Nähen erleichtert.

Ein guter Wundverband besteht aus drei Lagen. Direkt auf die Verletzung kommen eine oder mehrere sterile, einzeln abgepackte Wundabdeckungen aus der Stallapotheke. Darüber wird eine dicke Lage Verbandswatte oder eine andere Polsterung gelegt, etwa ein sauberes Handtuch, bevor das Ganze mit einer selbsthaftenden oder einer herkömmlichen Bandage fixiert wird.

Polsterung nicht vergessen!
Vor allem bei einem Verband im tieferen Bereich der Beine, wo die Haut fast direkt auf den Knochen liegt, ist eine gute Polsterung sehr wichtig, um eine nachhaltige Schädigung des Gewebes zu vermeiden. Ist der erste Druckverband durchgeblutet, sollte dieser nicht entfernt werden, da sich auf der Innenseite meist schon eine blutstillende Schicht aus geronnenem Blut gebildet hat. Stattdessen sollte ein zweiter Verband stramm darübergewickelt werden.

Auch bei Wunden im Rumpfbereich ist es möglich, einen provisorischen Druckverband anzubringen, allerdings wird der Inhalt der Stallapotheke oder des Autoverbandskastens dafür kaum ausreichend Material liefern. Notfalls kann man sich mit Bettlaken oder sauberen Decken helfen oder man drückt sterile Wundauflagen so lange von Hand auf die Verletzung, bis der Tierarzt eintrifft. Er wird die Wunde genau untersuchen, sie gründlich reinigen und desinfizieren, eventuell die Wundränder freischneiden und die verletzte Haut wenn nötig zusammennähen.

Anschliessend an die Behandlung wird der Tierarzt dem Pferdehalter erklären, ob und wie er die Wunde weiter verbinden und pflegen soll. Die Wundheilung dauert je nach Grösse der Verletzung unterschiedlich lange und verläuft in mehreren Phasen. Eine gut versorgte Wunde heilt in der Regel problemlos, doch sind Komplikationen aufgrund der starken Anfälligkeit der Pferde für Wundinfektionen möglich. Sobald sich die Wundränder entzünden oder die Wunde anschwillt, sollte erneut der Tierarzt gerufen werden.

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