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Planungstipps

Ferien hoch zu Ross

Pferde | Mittwoch, 7. Juni 2017, Oliver Loga

Für viele Reiter ist es ein Traum, Ferien an einem schönen Ort mit dem eigenen Pferd zu verbringen. Dafür ist jedoch eine umfassende Planung notwendig. Tipps zur Ausbildung und Ausrüstung.

Wanderreiten findet immer mehr Anhänger. Doch wer sich mit seinem Pferd auf den Weg machen will, egal ob für ein paar Tage oder mehrere Wochen, sollte grundlegende Voraussetzungen mitbringen. An erster Stelle steht die Wahl des richtigen Pferdes. Nicht umsonst besagt schon ein altes Sprichwort der Beduinen: «Erst such dir einen Gefährten, dann begib dich auf die Reise!»

Fürs Wanderreiten sollte ein Pferd ausgewachsen (ab sechs Jahren), gesund und «klar» im Kopf sein. Hierzu sollte man sich folgende Fragen stellen: Welche Eigenschaften hat mein Pferd? Welche Defizite hat es? Und welche Folgerungen ergeben sich daraus für Pflege, Unterbringung, Training und Ausbildung? Es gibt zwar nicht den Idealtyp eines Wanderreitpferdes oder gar eine Rasse, aber es sollten bestimmte Merkmale vorhanden sein. Dazu gehören Trittsicherheit und ein kräftiger Rücken. Die Schulter sollte leicht schräg sein und einen raumgreifenden Schritt gestatten. Die Hufe sollten hart und die Anfälligkeit auf Insektenstiche (Ekzeme) gering sein. Das Pferd darf gegenüber anderen Tieren, Menschen, Velos und Autos nicht schreckhaft sein und muss sich auch angebunden längere Zeit ruhig verhalten können. 

Packliste für Pferd und Reiter

Wichtig für das Pferd:
› Sattel, Satteldecke, Halfter, Anbindestrick
› Zügel, Multiseil, Deckengurt
› Regenabdeckung für Sattel und Pferd
› Schaufel
› Notbeschlagszeug/Ersatzeisen
› Falteimer, Hufkratzer, Schwamm, Bürste
› Insektenmittel
› Beleuchtung

Wichtig für den Reiter:
› Kleidung für Tag und Nacht (Ersatzkleidung), Reitschuhe, Helm, Regenschutz
› Tuch oder Halsschlauch
› feste Handschuhe
› zwei Trinkflaschen
› Tagesproviant
› Notapotheke
› Handy, Kompass, GPS, Karte
› Taschenmesser
› Tücher, Seife, Sterilflüssigkeit, Sonnencreme, Fliegenmittel
› Portemonnaie, Ausweis, Impfpass
› Schlafsack, Isomatte

Aber nicht nur das Pferd, sondern auch der Reiter muss zwingend gewisse Fähigkeiten haben. Dazu zählen eine solide Reitausbildung, eine gute Fitness sowie Kenntnisse in Navigation, Hufbeschlag und Erster Hilfe. Besonders wichtig ist ein ausbalancierter Sitz. Der Reiter darf sich weder vornüberhängen noch nach hinten lehnen. Das Becken folgt im Idealfall den Bewegungsimpulsen, die es vom Pferderücken bekommt. Die Bügel sind relativ lang geschnallt, was ein ermüdungsfreies Reiten mit langem Bein ermöglicht. Die Knöchel bilden den Angel- und Federpunkt. 

Ein guter Sattel ist das A und O
Erfüllen Ross und Reiter die Grundlagen für einen Wanderritt, gilt es sich rechtzeitig um die Ausrüstung zu kümmern. Das A und O ist dabei der Sattel. Er muss wie angegossen passen, ohne drückende oder hohl liegende Stellen. Bei der Sitzfläche ist unbedingt auf den Schwerpunkt zu achten. Er darf nicht zu weit hinten liegen, da er den Reiter sonst in den sogenannten Stuhlsitz zwingt und zu viel Gewicht auf den Hinterzwiesel, quasi eine Art Lehne des Sattels, verlagert. Hilfreich sind zudem gut platzierte Ringe und Ösen, die stabil im Sattel verankert sind und gute Befestigungsmöglichkeiten für das Gepäck bieten.

Im Gegensatz zu Sport- und Freizeitreitern brauchen Wanderreiter wesentlich grössere und dickere Sattelunterlagen, da kein Gepäckstück auf dem blanken Fell liegen darf. Als Material kommen je nach Sattel und Empfindlichkeit des Pferdes Baumwolle, Schaffell, Wolle oder hochwertiges Synthetikmaterial in Frage. Es lohnt sich, diesbezüglich Rücksprache mit einem Experten zu halten.

Aufmerksamkeit verdient auch die Wahl des Sattelgurtes. Er muss in tadellosem Zustand sein und regelmässig kontrolliert werden. Tipp: Zwischen Ellbogen und Gurt sollte mindestens eine Handbreit Platz haben, damit beim Gehen nicht zu viel Reibung entsteht. Nicht vergessen sollte man dabei eine «Speckweg-Reserve»: Wer zu Beginn des Rittes schon ganz oben gurtet, wird den Sattel nach drei Tagen nämlich nicht mehr festmachen können. 

Bei den Steigbügeln ist eine grosse Trittfläche zwingend. Sonst bekommen Wanderreiter schnell Druckstellen an den Füssen, und die Zehen schlafen ein. Empfehlenswert sind geschlossene Steigbügel, da der Fuss nicht durchrutschen kann und sie vor Regen, Schnee und Windböen schützen.

Ausgewogen packen
Vor Reiseantritt sollte der Reiter sich schliesslich sorgfältig mit seinem Gepäck beschäftigen. Nicht nur der Inhalt (siehe Kasten) ist dabei entscheidend, sondern auch die gleichmässige Verteilung der Last. Das Gewicht der Bepackung sollte idealerweise nicht mehr als 16 Kilogramm betragen. Die Vorderpacktaschen eignen sich hierbei bestens für Kleidungsstücke und Proviant. Nach hinten gehören Putzzeug, Schlafsack und eventuell Weidezaunstäbe.

Bleibt noch die Frage nach dem richtigen Ort für den Wanderritt. Als Einsteiger sollte man Landschaften und Geländeformen wählen, die nicht zu anspruchsvoll und einem bereits von der gewohnten Reitstrecke vertraut sind. Wen es in die Ferne zieht, der sollte sich vorab mit den Reitgesetzen des jeweiligen Landes vertraut machen. Wichtig ist es zudem, sich über die örtlichen Gegebenheiten zu informieren: Gibt es Wanderreitstationen oder geeignete Stellen zum Campen? Ist mit Einschränkungen im Reitgebiet zu rechnen, etwa infolge von Ernten, Holzschlag oder Mückenplagen? Und gibt es reizvolle Landschaften wie Burgen, Berge, Seen oder Flusstäler? Ausführliche Informationen über geeignete Wanderreit-Destinationen gibt es auf zahlreichen Websites und Internetportalen.

Egal, für welches Ziel man sich letztlich entscheidet, mit einer gewissenhaften Vorbereitung steht unbeschwerten Reitferien mit dem eigenen Vierbeiner  nichts mehr im Weg.

Literaturtipp: Andrea Adrian und Manfred Weick: «Mit Pferden auf Tour. Das Handbuch für Wanderreiter», Verlag: Müller Rüschlikon, ISBN: 978-3-275-01949-6, ca. Fr. 37.–

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