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Weidepflege

Damit die Weide nicht zum Sumpf wird

Pferde | Donnerstag, 26. Januar 2017, Angelika Nido Wälty

Pferde, die im Winter auf die Weide dürfen, können ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben, was sich positiv auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auswirkt. Die Weidepflege ist in der nasskalten Jahreszeit jedoch eine grosse Herausforderung.  

Pferde, die von Natur aus einen wärmenden Pelz tragen, fühlen sich bei kalten Aussentemperaturen pudelwohl. Sie würden die klare, kalte Winterluft, freie Bewegung und den Kontakt mit Artgenossen auf der Weide jederzeit einer dick eingestreuten, nur aus unserer Sicht «gemütlichen» Einzelbox vorziehen. Deshalb sollten Pferde auch im Winter zumindest stundenweisen Weidegang erhalten.

Das gilt bei gutem Wetter für alle Pferde: Trockene Kälte wird selbst von empfindlichen, älteren sowie hoch im Blut stehenden Tieren gut vertragen. Geschorenen Pferden ersetzt eine gute Winterweidedecke das schützende Fell. Falls die Pferde nicht stundenlang bei Nässe und Wind ohne Unterstand im Freien stehen, spricht selbst bei schlechterer Witterung oder Schneefall nichts gegen täglichen Weidegang – zumindest nicht aus Sicht der Pferde.

Problematische Weidenutzung im Winter
Den Stallbesitzer hingegen stellt die winterliche Weidebenutzung häufig vor Probleme. Mit seinem arttypischen Verhalten setzt das Pferd der Weide zu: Es lässt kahle Flecken entstehen und macht einen grossen Bogen um stark verkotete Stellen, wodurch sich unerwünschte Pflanzen ansiedeln können. Gesellen sich dazu noch eine ungünstige Lage, nachteilige Bodenverhältnisse sowie starker Niederschlag in Form von Regen oder Schnee, verwandelt sich die Weide innerhalb von wenigen Tagen in eine braune Schlammlandschaft, in der die Pferdehufe tiefe Löcher hinterlassen. Besonders gross sind die Schäden an der Unterlage, wenn nach einer Frostperiode oder tagsüber die oberflächlichen Schichten auftauen.

Die zerstörte Grünlandnarbe ist dabei nur eine Seite des Problems: Frieren die Matschkrater bei tiefen Temperaturen wieder ein, können sie für Pferde zu gefährlichen Stolperfallen werden. Oder die Tiere verletzen sich am scharfkantigen Eis, wenn sie mit ihren empfindlichen Beinen gefrorene Pfützen eintreten.

Wer Pferden auch im Winter sicheren Auslauf gewähren will, muss sich einige Gedanken zum Weidemanagement machen. Für die Winterbeweidung eignen sich vor allem trockene, gut durchlässige Böden; eine Neigung erleichtert dem Wasser das Ablaufen. Flächen für Winterweiden sollten während der Vegetationsperiode besonders gut gepflegt werden. Eine Weide mit guter Narbenqualität ist widerstandsfähiger gegenüber der Belastung durch Pferdehufe. Je grösser die Weidefläche, desto geringer ist die durchschnittliche Belastung einzelner Stellen, damit sinkt auch die Gefahr einer Narbenverletzung.

Auf Elektrozäune achten
Das Problem ist vor allem in den mittelländischen Ballungszentren gross, weil die Weideflächen knapp sind. Dort gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu schonen: Teilt man die Weide in mehrere Koppeln, können einzelne nach Bedarf geschlossen werden, wenn nötig, bis sie sich im Frühjahr regenerieren können. Die Grünfläche sollte dabei in möglichst lange Rechtecke unterteilt werden. Diese Form ermöglicht den Pferden die grösste Bewegungsfreiheit und reduziert die Narbenschäden, die vor allem beim Bremsen und Wenden entstehen.

Ist die Beanspruchung immer noch zu hoch oder stehen die Pferde stets in den gleichen Koppelbereichen, etwa beim Ausgang, kann man die Beweidungsdauer auf einige Stunden am Tag begrenzen. Bewährt haben sich auch spezielle Winterpaddocks, zum Beispiel mit einem Sand- oder Holzschnitzelbelag, die von den Pferden abwechselnd und stundenweise genutzt werden.

Die spärlichen Grasreste des Sommers enthalten nicht mehr genügend Nährstoffe, um Weidepferde zu versorgen. Stehen Tiere im Winter mehrere Stunden oder den ganzen Tag über draussen, muss Heu zugefüttert werden. Da sich Pferde meist stundenlang an den Futterplätzen aufhalten, sollten diese an einer trockenen, befestigten Stelle angelegt werden. Überdachte Futterraufen verhindern, dass das Heu nass oder in den umliegenden Boden getrampelt wird. Das Einfrieren der Tränke kann mit frostsicheren Systemen verhindert werden.

Besondere Aufmerksamkeit muss man im Winter auch den elektronischen Weidezäunen widmen. Der Schnee haftet auf den breiten Elektrobändern und lässt sie durch sein Gewicht durchhängen. Nach jedem Schneefall müssen die Bänder deshalb kontrolliert und nachgespannt werden. Besser für den Winter sind runde Elektroseile, von denen der Schnee abrutscht. Auch die Isolatoren müssen regelmässig von Schnee befreit werden, damit der Strom ungehindert fliessen kann.

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