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Pferdegesundheit

Dem Pferd bittere Medizin versüssen

Pferde | Donnerstag, 12. Februar 2015, Angelika Nido Wälty

Ist das Pferd krank oder verletzt, kommen Medikamente zum Einsatz. Diese stressfrei zu verabreichen ist oft gar nicht so einfach. Ein paar Tricks helfen jedoch dabei.

Wenn wir krank sind, nehmen wir eine Tablette, schlucken sie mit einem Glas Wasser hinunter – und fertig. Leider sieht das bei Pferden anders aus: Sie wehren sich zum Teil recht heftig gegen die Verabreichung von Medikamenten. Die Notwendigkeit einer Arzneimittelgabe oder Wurmkur kann man dem Pferd nicht erklären. Und ihm die Medizin aufzuzwingen, scheitert in der Regel am ungleichen Kräfteverhältnis zwischen Mensch und Pferd. Also hilft nur der Griff in die Trickkiste, um Medikamente sicher, stressfrei und in der erforderlichen Dosis ins Pferd zu bringen.
Es hilft, wenn man versteht, weshalb Pferde die Einnahme gewisser Substanzen verweigern. Pferde sind von Natur aus selektive Fresser, das heisst, sie suchen sich gezielt die Gräser, Kräuter und Blätter aus, die ihnen schmecken und guttun. Giftpflanzen sind oftmals bitter und werden deshalb von Pferden, die eine Auswahl an anderen Futterpflanzen haben, gemieden.

Der unbekannte, oft bittere Geschmack ist der Grund, wieso viele Pferde die Einnahme von Medikamenten kategorisch ablehnen. Doch müssen zahlreiche Arzneimittel, darunter die meisten schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamente, Wurmkuren, aber auch diverse Zusatzfuttermittel  über das Maul verabreicht werden. Homöopathische Globuli kann man dem Pferd einfach unter die Zunge legen. Oder man drückt sie ebenso wie grössere Pillen in eine Banane, ein Stück Apfel oder nicht zu hartes Brot, das man dem Pferd wie ein Leckerli aus der Hand verfüttert.

Übung macht den Meister
Medikamente sollte man nicht unter das normale Krippenfutter mischen und hoffen, dass das Pferd sie mitfrisst. Denn nicht nur der Geschmackssinn von Pferden ist besonders stark ausgeprägt, auch ihre Lippen mit den Tasthaaren sind sehr empfindlich und beweglich, sodass sie sogar kleinste Nahrungsbestandteile gezielt aussortieren können. Es ist auch keine gute Idee, Arzneimittel ins Wasser der Tränke zu mischen: Die Gefahr, dass das Pferd nicht mehr trinkt, ist gross. Eine kleinere Menge an Pulver, die verabreicht werden muss, lässt sich gut in einem ausgehöhlten Apfel oder Rüebli verstecken. Pasten, Flüssigkeiten oder grössere Mengen an Pulver, die man zuerst in Wasser oder süssem Apfelsaft auflöst, verabreicht man am besten mithilfe einer grossen Spritze ohne Kanüle oder eines leeren, gut ausgewaschenen Wurmkur-Dosierers direkt ins Maul.

An diese Prozedur sollte man das Pferd so oder so gewöhnen – nur schon um sich selber und dem Pferd das regelmässige Verabreichen der Wurmkuren zu vereinfachen. Am besten trainiert man schon mit dem Fohlen oder Jungpferd, aber man kann Pferde jedes Alters spielerisch mit der Spritze ins Maul vertraut machen. Dazu stellt man sich wie zum Aufzäumen seitlich neben das Pferd, umfasst mit der rechten Hand seine Nase, mit der linken Hand streichelt und massiert man den Maulwinkel und schiebt dabei immer wieder den Zeigefinger in das Maul des Pferdes. Loben Sie das Pferd, wenn es stillhält und sich das Vorgehen gefallen lässt.

Sobald das Pferd mit dieser Übung vertraut ist, nehmen Sie eine Spritze oder einen leeren Wurmkur-Dosierer zur Hand, den Sie mit etwas Leckerem, zum Beispiel Apfelmus oder dünnem Bananenbrei gefüllt haben. Auch der vordere Teil der Spritze kann damit bestrichen werden. Stellen Sie sich wieder neben das Pferd, nur anstatt den Zeigefinger schieben Sie ihm sanft die Spritze ins Maul. Es wird das Apfelmus oder den Bananenbrei mit Vergnügen abschlecken. Im nächsten Schritt spritzen Sie ihm vorsichtig eine kleine Portion des Inhalts ins Maul – und schon bald freut sich das Pferd auf die Leckerei aus der Spritze. Wird dann ab und zu eine weniger angenehm schmeckende Arznei oder Wurmkur verabreicht, ist das für das Pferd gut zu verkraften. Achten Sie darauf, Arzneimittel stets gut gekühlt zu verabreichen, da sie dann weniger Eigengeruch haben und besser akzeptiert werden.

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