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Pferde

Das grösste Organ braucht Beachtung

Pferde | Donnerstag, 10. Juli 2014, Angelika Nido Wälti

Ein schönes, glänzendes Fell und eine gesunde Haut beim Pferd wirken attraktiv und sind Anzeichen für einen guten Gesundheitszustand. Doch die Haut ist sehr empfindlich und reagiert auf schädliche Einflüsse schnell mit Irritationen und Erkrankungen. 

Bevor das Pferd einen Sattel aufgelegt bekommt, wird es erst einmal gründlich geputzt. Durch das Putzen mit Striegel und Brüste werden Fell und Haut des Pferdes von Schmutz, Staub, Schweissresten, abgestorbenen Hautteilchen und losen Haaren befreit. Der Putzvorgang ist für das Pferd auch gleichzeitig eine kleine «Massage», mit der die Durchblutung der Haut gefördert wird. Frei lebende Pferde wälzen sich zur Reinigung auf verschiedenen Böden und betreiben gegenseitige Fellpflege, was auch die sozialen Bindungen in der Herde stärkt.

Auch bei Hauspferden dient das tägliche Putz-Ritual nicht nur der Körperpflege, sondern intensiviert auch die Mensch-Pferd-Beziehung. Ausserdem ist es ein Kontrollvorgang: allfällige kleine Verletzungen, Schwellungen oder sonstige Auffälligkeiten in Haut und Fell werden beim Putzen entdeckt.

Unter dem Fell sieht man sie kaum – und doch ist die Haut das grösste Organ des Pferdes. Je nach Grösse des Tieres misst sie zwischen fünf und zehn Quadratmeter. Das, was wir als «Haut» bezeichnen, ist der Sammelbegriff für mehrere Schichten aus verschieden strukturierten Zellen und Drüsen. Die Hauptaufgabe der Haut ist – wie beim Menschen auch –, dem Körper einen Schutz vor äusseren Einflüssen wie Schmutz, Sonnenbestrahlung, Austrocknung, Verletzungen, Bakterien und Insekten zu bieten.

Das Kitzeln von Fliegenbeinen ist spürbar
Die Pferdehaut enthält pro Quadratzentimeter Hunderte von Nervenzellen und ist somit ein Tastorgan, das sehr sensibel auf Berührungen, Druck und Schmerz reagiert. Das Pferd bemerkt schon das feine Kitzeln von Fliegenbeinen, einen Sporenstich oder einen Gertenschlag spürt es umso heftiger. 15 Talgdrüsen pro Quadratzentimeter fetten die Haut und das Fell und machen sie wasserabweisend. Das Pferd besitzt also einen natürlichen «Regenmantel». Um diese Schutzschicht nicht zu zerstören, sollte man ein Pferd nicht allzu oft mit Shampoos waschen. Denn dieses greift den natürlichen pH-Wert der Haut an und schwächt ihre Widerstandskraft gegen Infektionen. Wer seinem Pferd an heissen Sommertagen eine Dusche zur Abkühlung gönnen möchte oder es vor einem Turnier oder einer Show gründlich reinigen möchte, greift am besten zu viel klarem, nicht zu kaltem Wasser und allenfalls einem Spezialshampoo für Pferde mit pflegenden und rückfettenden Eigenschaften.

Das empfindliche Gleichgewicht der Haut kann durch eine Vielzahl von weiteren Einflüssen von aussen und von innen gestört werden. Sie ist anfällig für eine Vielzahl von Erkrankungen, die zwar nicht lebensbedrohlich sind, aber – vor allem wenn sie mit Juckreiz verbunden sind – das Wohlbefinden des Pferdes stark beeinträchtigen.
Da Hautprobleme in der Regel gut sichtbar sind, leidet das Aussehen des Tieres, was bei Verkaufspferden den Wert mindert. Ausserdem gerät der Pferdebesitzer leicht in Verdacht, die Pflege seines Tieres zu vernachlässigen. Da Hauterkrankungen auch das Anzeichen eines starken Wurmbefalls oder einer chronischen Organerkrankung sein können, ist eine gründliche Untersuchung durch den Tierarzt empfehlenswert.

Pferde neigen zu allergischen Reaktionen
Wenn keine innere Erkrankung vorliegt, ist der Grund für Hautprobleme oftmals ein Zuviel oder ein Zuwenig an Hygiene – für die Haut des Pferdes ist beides schädlich. Um Krankheitserreger zu minimieren, müssen Stalldecken, Schabracken und Bandagen regelmässig gereinigt oder gewaschen werden.  Durch den Schweiss bilden sich Bakterien, die die Haut reizen und zu Problemen wie Satteldruck führen können. Damit das frisch gewaschene Zubehör keine Allergien auslöst, sollte auf den normalen Waschgang ein Spülgang mit klarem Wasser folgen.

Auch der Einsatz von Glanz-, Fell- und Mähnensprays ist mit Sorgfalt zu dosieren: Manche Pferde vertragen einige der darin enthaltenen Wirkstoffe nicht und reagieren darauf mit gereizter Haut und Juckreiz. Auslöser für allergische Hautreaktionen können aber auch im Heu, im Kraftfutter, in Schutzmitteln am Weidezaun oder im Hallenboden stecken. Entfernt man den «Übeltäter», normalisiert sich meistens auch das Hautbild wieder.

Selbst das Stallklima kann einen Einfluss auf die Haut haben: Ist es feucht und vor allem in der kalten Jahreszeit zu warm, und werden die Pferde dann auch noch früh unter Decken gepackt, schafft man ideale Bedingungen für hartnäckige Pilzerkrankungen. Diese kommen häufig in grossen Ställen mit vielen Pferdewechseln vor. Da Pilzerkrankungen auch für den Menschen ansteckend sind, müssen sie unbedingt durch einen Tierarzt behandelt werden. Mittlerweile kann man das Pferd sogar vorbeugend oder im Rahmen einer Behandlung gegen Hautpilze impfen.

Weit häufiger als Pilze sind jedoch Hautprobleme, die durch Insekten ausgelöst werden, vor allem das sogenannte «Sommerekzem». Diese gefürchtete allergische Dermatitis befällt sämtliche Pferde und beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Isländer und andere nordische Rassen. Als Hauptursache gilt der Speichel bestimmter Stechmücken, auf den das Immunsystem gewisser Pferde heftig reagiert. Diese werden von einem starken Juckreiz gequält, der sie veranlasst, sich die Schweifrübe, Mähnenkamm und andere Körperpartien so lange zu scheuern, bis die Haare ausfallen und die Haut blutig wird.

Der Schutz vor Insektenstichen ist wichtig
Als «Erste Hilfe»-Massnahme muss etwas gegen den Juckreiz unternommen werden, dafür gibt es beim Tierarzt hautberuhigende Lotionen, die auch vor Infektionen schützen, die Heilung der Haut und das Nachwachsen der Haare fördern.

Daneben muss eine Kombination von Massnahmen ergriffen werden, um das Problem Sommerekzem in den Griff zu bekommen. Vorrang hat dabei der Schutz vor Insektenstichen. An Sommertagen mit starkem Insektenflug sollte man Ekzemer im Stall behalten und erst nach Sonnenuntergang auf die Weide lassen. Alternativ schützen spezielle Ganzkörper-Decken vor Stichen. Unverzichtbar ist eine chemische Insektenabwehr mit Sprays oder Gels. Davon gibt es eine grosse Auswahl auf dem Markt und eventuell sollte man auch hier seinen Tierarzt um Rat bitten oder einige Produkte ausprobieren, bis man das Passende gefunden hat.

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