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Entwurmung

Neue Strategien gegen Parasiten

Pferde | Freitag, 6. September 2013, Heidi van Elderen

In vielen Reitställen werden Pferde drei- bis viermal im Jahr entwurmt. Doch Pferdekliniken und Parasitologen empfehlen, auf ein modernes, selektives Entwurmungsmanagement umzusteigen.

Als in den 1960er-Jahren die ersten Wurmkuren auf den Markt kamen, die Pferdebesitzer selber verabreichen konnten, waren es in erster Linie Grosse Strongyliden, die im Pferdedarm Probleme verursachten. «Inzwischen werden diese Dickdarmparasiten in der Schweiz aber nur noch sporadisch diagnostiziert», sagt Hubertus Hertzberg vom Institut für Parasitologie der Universität Zürich. Stattdessen treten heute vor allem Kleine Strongyliden auf. Diese sind für das erwachsene Pferd glücklicherweise wenig problematisch. Wie die Spulwürmer können sie jedoch bei Fohlen und Jungpferden schwere Erkrankungen hervorrufen.

Das traditionelle Behandlungskonzept, bei dem alle Pferde drei- bis viermal pro Jahr entwurmt werden, wurde aber trotz veränderter Parasitensituation lange nicht infrage gestellt. Das könnte ein Grund dafür sein, dass vor allem die Kleinen Strongyliden zunehmend resistent gegen Entwurmungsmittel werden.

Die Vetsuisse-Fakultäten Zürich und Bern empfehlen, das Problem mit selektivem Parasitenmanagement anzugehen. Dabei werden Pferde einzeln untersucht und nur behandelt, wenn in ihrer Kotprobe Eier von Spul- oder Bandwürmern gefunden werden oder die Anzahl der Strongylideneier einen Schwellenwert von 200 EpG (Eier pro Gramm Kot) überschreitet. Indem man geringen Wurmbefall toleriert, wird das pferdeeigene Immunsystem stimuliert. Zudem soll die Methode die Bildung von Resistenzen verlangsamen. «Dieses Konzept funktioniert allerdings nur bei erwachsenen Pferden. Fohlen und Jungpferde haben noch keine ausreichende Immunabwehr. Sie werden deshalb weiterhin drei- bis viermal pro Jahr prophylaktisch behandelt, begleitende Kotuntersuchungen sind zur Feststellung des bestandeseigenen Parasitenspektrums aber trotzdem sinnvoll», erklärt Hertzberg.

Die Haltungsbedingungen sind zu berücksichtigen
Im ersten Untersuchungsjahr wird die individuelle Parasitenbelastung jedes Pferdes zum ersten Mal im April oder Mai untersucht. In etwa achtwöchigen Intervallen folgen drei weitere Untersuchungen. Müssen Pferde behandelt werden, wird anschliessend überprüft, ob die Wurmkur auch gewirkt hat. Ab dem zweiten Jahr kann die individuelle Anzahl der Kotuntersuchungen bei einem konstant niedrigen Infektionsniveau auf bis zu zwei pro Weidesaison reduziert werden.

Werden erwachsene Pferde, die zuvor nach der herkömmlichen Methode entwurmt wurden, in einen selektiv behandelten Bestand integriert, sollten sie einmal unabhängig vom Kotbefund behandelt werden. Danach könnten sie in der Regel im gleichen Rhythmus wie die anderen Herdenmitglieder untersucht werden. «Das ist aber immer auch eine Einzelfallentscheidung. In dieser Situation, aber auch grundsätzlich beim selektiven Parasitenmanagement ist es wichtig, den Tierarzt einzubinden, da auch die Analyse der Haltungsbedingungen und Risikofaktoren eine Rolle spielt», sagt Hertzberg. Tierärztliche Begleitung verspricht auch das Tiergesundheitszentrum in Uzwil, das als erstes Schweizer Institut ein saisonales Parasitenkontrollprogramm anbietet, das man für den ganzen Bestand buchen kann.

Neben dem Umstieg auf zeitgemässe Entwurmungsprogramme sollten Pferdebesitzer vor allem auf ausreichende Weidehygiene achten, um dem Befall durch Parasiten vorzubeugen. Das bedeutet, dass mindestens einmal pro Woche die Pferdeäpfel abgesammelt werden sollten.

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