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Pferde

Trotz Hitze einen kühlen Kopf bewahren

Pferde | Donnerstag, 25. Juli 2013, Text und Bilder: Heidi van Elderen

Der Sommer ist Hochsaison für Ausritte und Turnierwochenenden. Diese Zeit könnte für Pferd und Reiter so schön sein – wären da nicht die gefährlichen Nebenwirkungen der Hitze und die lästigen Insekten. Vorbeugen ist wichtig. 

Wenn die Temperaturen immer höher klettern und die Sonne vom Himmel brennt, können Haltungsfehler und Überbelastungen schnell lebensgefährlich werden. Steht ein Pferd zu lange in der prallen Sonne, in einem überhitzten Stall oder Transporter ohne genügend Wasser, kollabiert sein Kreislauf. Übermässige Beanspruchung des Tieres kann ebenfalls zu Kreislaufproblemen führen. Anzeichen dafür sind ein taumelnder Gang sowie stark erhöhter Puls, erhöhte Atemfrequenz und eine Körpertemperatur bis 42 Grad. In solchen Fällen sollte man das Pferd sofort in den Schatten führen, es mit nassen Umschlägen kühlen und den Tierarzt rufen.

Besser ist es aber natürlich, den Ernstfall durch Vorbeugung zu vermeiden. Ab wann es einem Pferd zu heiss wird, hängt unter anderem von Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, momentaner Belastung und dem individuellen Tier ab. Ein trainierter Vollblutaraber kommt in der Regel besser mit hohen Temperaturen zurecht als nordische Rassen wie Islandpferde. Besonders hitzeempfindlich sind Fohlen, übergewichtige und kranke Pferde. 

Es ist wichtig, genügend Schattenplätze für alle Herdenmitglieder zu schaffen
Neben einem Hitzschlag kann starke Sonneneinstrahlung besonders bei Schimmeln und Schecken zu einem unangenehmen Sonnenbrand führen. Auf der Sommerweide müssen deshalb genügend Schattenplätze für alle Herdenmitglieder zur Verfügung stehen, zum Beispiel ungiftige Bäume oder Unterstände. Wer keinen Schatten schaffen kann, sollte die Pferde lieber nachts und am frühen Morgen rausstellen und ihnen tagsüber eine Sonnenpause im Stall gönnen. Ausgehängte Fenster und Schatten spendende Bäume am Gebäude sorgen für Kühle und die nötige Luftzirkulation und verhindern, dass die Box zur Sauna wird. Zusätzlich kann man die Temperatur durch Verdunstungskälte senken, indem man Wände und Stallgasse mit kaltem Wasser bespritzt. 


Zwangs-Sonnenbäder in der Mittagshitze sind unangenehm und gefährlich.

Lebenswichtig bei heissem Wetter ist die ausreichende Wasserversorgung. Um die gefährliche Dehydrierung zu vermeiden, sollten Selbsttränken im Stall und auf der Weide mehrmals täglich kontrolliert werden. Futterreste oder Pferdeäpfel in der Tränke können dazu führen, dass das Tier nichts mehr trinkt. Damit man auch unterwegs, etwa bei einem Wanderritt oder auf dem Turnier, problemlos tränken kann, sollte man Pferde frühzeitig daran gewöhnen, aus Bächen, Seen, einem Eimer oder dem Cowboyhut zu trinken. Da sie über ihren Schweiss neben Flüssigkeit auch Salze und Nährstoffe verlieren, müssen Pferde zudem freien Zugang zu einem Salzleckstein haben. Bei übermässigem Schwitzen oder starker Beanspruchung sollte man mit dem Tierarzt absprechen, ob es zusätzlich sinnvoll ist, Elektrolyte zu füttern – normalerweise sind solche Zusatzfuttermittel aber nur im Hochleistungssport erforderlich. 

Der Anhänger wird schnell zur Sauna 
An stickigen Tagen, nach einem langen Ausritt oder Wettkampf tut Wasser nicht nur von innen, sondern auch von aussen gut. Bevor man das Pferd abspritzt oder abschwammt, sollten sich allerdings Puls und Atmung beruhigt haben. Den kalten Wasserstrahl sollte man nie sofort aufs Herz halten, sondern immer erst die Beine abspritzen. Besonders wichtig ist es, nach jedem Training die Sattellage zu säubern. Eine verschwitzte, dreckige Sattellage kann sich schnell entzünden.

Turnierreiter und -fahrer haben oft keine Wahl: Sie müssen ihre Pferde schon zu Hause allmählich an Anstrengungen bei heissem, schwülen Wetter gewöhnen. Es ist sinnvoll, ein solches Training mit einem erfahrenen Ausbilder und dem Tierarzt abzusprechen, damit das Pferd keinen Schaden nimmt. Wer nicht auf Turnieren oder Distanzritten startet, kann seine Reitzeiten auf die kühleren Morgen- und Abendstunden beschränken oder an heissen Tagen die Ausreitstrecke im schattigen Wald wählen. Auch bei Transporten muss der Hitze Tribut gezollt werden: Da im Anhänger schnell saunaähnliche Temperaturen erreicht werden, sollte man Mittagszeit und Staus weitgehend meiden, im Schatten parkieren und regelmässige Pausen zum Tränken einlegen. 

Hohe Temperaturen sind nicht das Einzige, was Pferden und Reitern im Sommer das Leben schwer machen kann. Fliegen, Mücken, Bremsen und andere Insekten belagern die Vierbeiner im Stall, auf der Weide und beim Ausritt. Das ist nicht nur lästig, die Krabbeltiere können auch allergische Reaktionen auslösen, Parasiten oder Infektionskrankheiten übertragen und die Wundheilung verzögern. Besonders hoch ist das Insektenaufkommen in der Regel im Juli und August. Pferde sollten in dieser Zeit möglichst auf einer offenen, höher gelegenen, windumspielten Koppel grasen. Dort halten sich die kleinen Plagegeister nämlich nicht so gerne auf. Schutz bieten auch Fliegenmasken, Fliegenstirnbänder und Insektenschutzmittel. Für besonders empfindliche Pferde sind Ekzemerdecken empfehlenswert. Bei Ausritten sollte man im Hochsommer Wälder mit Feuchtgebieten und kleinen Tümpeln möglichst meiden, da sich dort die blutsaugenden Bremsen tummeln. 


Fliegenstirnbänder schützen die empfindliche Augenregion ein wenig vor Insekten.

Mittel gegen die lästigen Fliegen 
Die effektivste und zugleich schonendste Methode, die Zahl der Insekten im und am Stall zu minimieren, ist die Zerstörung ihrer Brutstätten. Das bedeutet in erster Linie ein gutes Hygienemanagement: Tägliches Ausmisten der Boxen und abäppeln von Weiden und Paddocks, tägliche Reinigung von Tränken und Trögen, regelmässiges Fegen der Stallgasse und Futterkammer und die Aufbewahrung von Kraftfutter in geschlossenen Behältern. 

Der ganze Aufwand nützt aber nur bedingt, wenn die Fliegen einige Meter weiter im Misthaufen traumhafte Brutbedingungen vorfinden. Mit sogenannten Rotteförderungsprodukten, die auch auf Feucht- und Geilstellen auf der Weide aufgetragen werden können, werden im wahrsten Sinne des Wortes gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Im Rottemilieu finden Fliegenbrut und pathogene Keime keine Lebensgrundlage. Der so behandelte Mist fault und stinkt ausserdem nicht und verwandelt sich, besonders wenn man zusätzlich Kompostwürmer einsetzt, schnell in hochwertigen Dünger. Ökologisch unbedenklich ist auch der Einsatz der winzigen Schlupfwespen, die ihre Eier in den Fliegenpuppen ablegen und diese so zerstören. 

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