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Pferde

Fang mich doch – wenn du kannst

Pferde | Donnerstag, 21. März 2013, Heidi van Elderen

Wenn ein Pferd auf dem Paddock und der Weide ständig Reissaus nimmt und sich höchstens für Rüebli in die Nähe seines Besitzers wagt, ist es höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis, damit das Pferd gerne zum Reiter kommt.

Läuft das Pferd regelmässig auf der Weide vor dem Menschen weg, ist das nicht nur anstrengend und zeitraubend. «Das Pferd äussert so ganz klar, dass entweder die Art, wie man es einfangen will, oder der Grund fürs Einfangen, also zum Beispiel die gemeinsamen Aktivitäten, zum Weggehen motivieren», sagt Carmen Zulauf, Parelli-Instruktorin aus Avenches VD. Es sei wichtig, dass man dieses negative Feedback akzeptiere und zum Anlass nehme, an der Beziehung zu arbeiten.

Die Trainerin, die hauptsächlich im französischsprachigen Europa unterrichtet, aber auch Kurse auf Deutsch, Englisch und Italienisch gibt, warnt davor, das Pferd zum Einfangen in eine Ecke zu treiben oder herumzuscheuchen, bis es müde ist. Denn das kann gefährliche Situationen provozieren und bestätigt das Pferd nur darin, dass man sich vom Menschen besser fernhalten sollte. Auch Leckerlis haben langfristig kaum Erfolg: «Das Pferd sollte zum Menschen kommen, weil es ihm vertraut und die Zeit mit ihm geniesst – nicht, weil es mit Futter bestochen wird. Zudem werden die meisten Pferde nach einer Weile sehr geschickt. Sie holen sich dann das Rüebli und sind schon wieder weg, bevor man den Strick festmachen konnte.»

Wenn Pferde dem Menschen auf der Koppel die kalte Schulter zeigen, können verschiedene Ursachen dahinterstecken – darunter überwiegende Boxenhaltung mit unzureichendem Weidegang, langweiliges Training, unsachgemässer Umgang, Schmerzen oder fehlendes Vertrauen. «Auch einem aufgeregten, gestressten Menschen kommt das Fluchttier Pferd nicht gerne entgegen. Deshalb sollte man lernen, vor der Begegnung runterzufahren und sich dem Energielevel des Pferdes anzupassen», sagt Zulauf.

Viel Zeit auf der Weide verbringen und damit die Neugier des Pferdes wecken
Manche Weiden sind aber auch so schön, dass sie einfach alle Bedürfnisse des Pferdes befriedigen. Dann sollte man natürlich nicht auf eine schlechtere Koppel wechseln, sondern sich fragen, was man dem Pferd bieten kann, das es auf der Weide nicht hat. Abhängig vom Typ des Pferdes könnten das zum Beispiel eine Bürstenmassage, lange Ausritte oder spannende neue Aufgaben sein.

In jedem Fall ist es hilfreich, regelmässig Zeit mit dem Pferd auf der Weide zu verbringen, ohne es einfangen zu wollen. «Beobachten Sie Ihr Pferd einfach beim Grasen und Bürsten oder streicheln Sie es, wenn es zu Ihnen kommt», rät Zulauf. «Die meisten Pferde werden dann schnell neugierig, suchen die Nähe des Besitzers und geniessen die friedliche, stressfreie Atmosphäre.»

Langfristig müssen aber alle Aspekte der Zusammenarbeit harmonisch sein. Denn wenn die Begegnung mit dem Menschen auf der Weide zwar zum angenehmen Erlebnis geworden ist, anschliessend aber der Sattel drückt oder das Springtraining überfordert, wird das Pferd früher oder später wieder davonlaufen.

Manchmal ist auch nicht der eigene Vierbeiner, sondern vielmehr seine Artgenossen das Problem – etwa, wenn sich ranghöhere Pferde am Tor drängeln oder das Pferd wegjagen, das man reinholen möchte. Dann müsse man den persönlichen Raum von sich und seinem Pferd mit einer Gerte oder einem Strick ruhig, aber bestimmt verteidigen, sagt Zulauf. Solche Situationen bergen aber generell ein grosses Verletzungspotenzial für Mensch und Tier. Je nachdem, wie viel Erfahrung man hat, wie die Interaktion in der Herde ist und wie das Weidetor konzipiert ist, sollte man deshalb vorab einen erfahrenen Ausbilder um Hilfe bitten oder zumindest einen Helfer mit zur Weide nehmen.

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