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So sitzt der Rückruf

Hunde | Mittwoch, 21. August 2019, Regina Röttgen

Wenn der Hund in kritischen Situationen nicht abrufbar ist, ist das ärgerlich bis gefährlich. Mit konsequentem Training kann man jedoch die Kniffe des Rückrufs lernen. 

Manchmal ist Gassigehen purer Stress. Trotz eifrigem Rufen oder Pfeifen will der Vierbeiner einfach nicht kommen. «Hier» oder «komm» scheinen nicht zu seinem Wortschatz zu gehören.

So mancher Hundehalter hofft daher auf Wunder: Vielleicht erschnuppert der Hund ja diesmal keine Fährte, findet nichts Fressbares, trifft nur ihm freundlich gesinnte Artgenossen und begegnet auch keinem Jogger. Denn sobald die Leine ab ist, hört er nicht mehr – zumindest nicht dann, wenn es drauf ankommt. 

In Sachen Rückruf herrscht scheinbar Chaos auf Schweizer Hundefreilaufwiesen. Freilauf für immer ade? «Auf keinen Fall», sagt Daniel Schweizer von Animalcoach. «Bei richtigem Training hört jeder Hund auf seinen Rückruf.» In über einem Jahrzehnt hat der Hundetrainer in der Region Biel / Berner Seeland unzähligen Hunden und ihren Haltern die Kniffe des zuverlässigen Rückrufs gelehrt. «In jeder Situation, in welcher der Hund oder der Mensch gefährdet ist, ein angeleinter Hund auftaucht, anderen Tieren oder Pferden begegnet wird, sollte und kann Rückruf perfekt funktionieren», sagt der Hundetrainer. 

Die Königsdisziplin
Zu Recht wird der Rückruf als «Königsdisziplin» bezeichnet: «Je besser der Rückruf ist, desto mehr Freiheiten kann man dem Hund erlauben.» Meist funktioniert es leider nicht. Das hat seine Gründe. Laut Schweizer wird das Rückruftraining meist viel zu unstrukturiert oder gar nicht geübt. «Hundehalter vergessen, dass Hunde sehr pragmatisch sind.» Ist die Ablenkung durch andere Hunde, Menschen, Wild oder Gerüche zu gross, ignoriert der Hund seinen Halter. «Hunde machen eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Lohnt es sich für sie nicht, hören sie nicht.»

Ein zuverlässig hörender Hund muss trotzdem kein Wunschdenken bleiben. «Je nach Rasse braucht es den richtigen Verstärker.» Die Belohnung muss stimmen, damit es sich für den Hund lohnt. Mangeln darf es auch an Begeisterung nicht. «Bei den Hunden fehlt es normalerweise nicht an der Motivation. Es ist vielmehr der Hundehalter, der gewillt sein muss, über längere Zeit intensiv mit seinem Hund zu üben.» 

Rückruf-Anleitung
> Signal: Rückruf sollte mit kodierter Pfeife oder speziellem Wort-signal (z. B. fremdsprachiger Begriff; kein Alltagswort) trainiert werden. 

 

> Belohnung: Für den Hund muss
es sich lohnen zurückzukommen (Futter, Spiel etc.).

> Verknüpfung: Eine halbe Sekunde nach dem Pfiff oder Befehl die Belohnung verabreichen.

> Trainingsablauf: Zuerst drinnen üben (keine Ablenkung). Danach Schritt für Schritt Entfernung, Reize, Umgebung steigern.

Hier hilft laut dem Hundetrainer ein guter Trainingsplan (siehe Box). «Der Rückruf muss klassisch trainiert werden, es werden also reine Verknüpfungsübungen gemacht. Die Anzahl der Wiederholungen ist hierbei sehr wichtig.» Je zuverlässiger der Halter trainiere, desto schneller und perfekter lerne der Hund den Rückruf. 

Um den erhofften Trainingserfolg verbuchen zu können, braucht es allerdings auch beim Gassigehen Konzentration und konsequentes Verhalten – «sonst schaltet der Hund auf Durchzug», sagt Schweizer. Der Vierbeiner merke sehr rasch, wenn es auf dem Hundeplatz für jede Leistung eine «Topbelohnung» gibt, hingegen auf dem Spaziergang für eine Topleistung nur eine kleine oder gar keine Belohnung. 

Auf das Timing kommt es an
Des Weiteren muss das Timing stimmen. Sonst hören selbst die besttrainierten Hunde nicht. «Wenn sich der Hund auf etwas Bestimmtes fokussiert, zum Beispiel an einem Mäuseloch intensiv riecht, dann hört er den Rückruf nicht. Er braucht ja in dem Moment alle seine Sinne für diese Aufgabe», erklärt der Hundetrainer. In diesem Fall rät Schweizer zu warten, bis der Hund den Fokus ändert, und erst dann zu rufen. 

Besonders wichtig: Sitzt der Rückruf noch nicht richtig, ist es besser, den Hund beim Namen zu rufen oder ihn mit Händeklatschen oder Zungenschnalzen auf sich aufmerksam zu machen. Dies sollte aber rechtzeitig geschehen: Wird der Hund stets erst in dem Moment zurückgerufen, wenn die potenzielle Gefahr unausweichlich ist, lernt der Hund, bei Ertönen des Rückrufsignales erst einmal die Umgebung zu scannen. «Der Hund hat dann gelernt, das Rückrufwort mit etwas Interessantem zu koppeln. Herrchen ruft, bedeutet, etwas Spannendes passiert!» 

Bei alledem sollte man vorausschauend handeln. Dies hat den Vorteil, dass die Emotionen aufseiten des Halters noch nicht in Wallung geraten sind. «Hunde merken sehr gut, ob der Halter wütend, in Panik oder unsicher ist», sagt der Hundecoach. Werde ein Rückrufwort trainiert, sei es daher wichtig, das Wort in verschiedenen Tonlagen zu trainieren. Sonst hört der Hund wieder nicht. Noch besser sind laut Schweizer kodierte Pfeifen mit stets gleichem Klang.

In einigen Situationen ist der Hund aber an der Leine besser aufgehoben. In einer wildreichen Gegend beispielsweise, im Strassenverkehr oder in unbekanntem Gelände. Auch hier ist Voraussicht gefragt. Weiss man, in welcher Gegend oder Situation der Hund zu abgelenkt ist, um sich gut abrufen zu lassen, kann man ihn einfach rechtzeitig anleinen.

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