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Hunde

Runter vom Sofa Oder doch nicht?

Hunde | Dienstag, 19. März 2019, Regina Röttgen

Geht es um Dominanz und Alleinherrschaft, wenn sich der Hund auf dem Sofa ausstreckt? Oder geht es nur ums Schlummern an einem besonders kuscheligen Ort? Viele Hundebesitzer sind unsicher. 

Das Thema Sofa wird leider sehr emotional angegangen», sagt Hundetrainer Alain Scheidegger. Der ehemalige Polizist und Polizeihundeführer aus Basel wünscht sich in diesem Punkt einen lockereren Umgang. «Bei vielen Hundehaltern ist das Sofa zu einer Frage der Lebensphilosophie geworden. Dabei sollten Hundehalter die Angelegenheit nicht so ernst nehmen.» Denn eine allgemeingültige Antwort auf die gemütsspaltende Sofa-Frage gibt es nicht. «Hunde sind Individuen und jeder ist anders. Wir sollten nicht in Schubladen denken, sondern es mit jedem einzelnen Hund individuell handhaben», meint Scheidegger.

Trotz aller Individualität ist der Grund, weshalb Vierbeiner das Sofa lieben, simpel: Es ist bequem! Knuddeln Hund und Halter gar gemeinsam auf der Couch, tut dies der Beziehung gut. «Das gemeinsame Kuscheln auf dem Sofa hat einen sehr positiven Einfluss auf die Bindung zum Hund. Als Tagesausklang zum Beispiel kann ich das nur empfehlen.»

Grundprinzip der Hierarchie
Scheidegger ist überzeugt, dass auch der Hund die nahe Zweisamkeit schätzen wird. Die Theorie von der Alleinherrschaft vom Sofathron herab scheint somit hinfällig: «Das ist ein Ammenmärchen. Ein Hund, der aufs Sofa darf, zeigt nicht mehr Dominanz als vorher», sagt der Hundetrainer.

Doch gilt es, konkrete Regeln einzuhalten. Von der demokratiebestimmten Lebensweise der (westeuropäischen) Menschen halten die Vierbeiner nämlich nicht sehr viel. «Hunde fühlen sich mit konkreten Regeln in ihrem Leben wohler. Das vermittelt ihnen Sicherheit», sagt Scheidegger. Es gilt also, das Grundprinzip der Hierarchie nicht aus den Augen zu verlieren. Dann lernt so mancher Vierbeiner die sogenannten Alltagskompetenzen im Zusammenleben mit seinem Halter ganz von allein. «Funktioniert das Zusammenleben, klappt es bei diesen Hunden oft ganz ohne Regeln.» 

Dann sei es auch kein Problem, wenn der Vierbeiner das Tabu missachtet und in Abwesenheit seines Herrchen auf dem Sofa ein Nickerchen hält – solange er beim Vernehmen von Schritten zurück auf den Boden gleitet. «Dann hat der Hund die Regel kapiert», sagt Scheidegger. Selbst darüber, ob der Vierbeiner durch das Sofa-Privileg auch auf fremde Sitzunterlagen hüpfen wird, bräuchten sich Halter keine Sorgen zu machen. «Nach meiner Erfahrung können Hunde sehr gut zwischen Regeln, die zu Hause gelten, und Richtlinien, die woanders bestehen, unterscheiden.»

Vergabe eines Privilegs
Bedenkenlos sollten Halter ihrem Vierbeiner den Sprung auf die Couch trotzdem nicht erlauben. «Hunde dürfen zwar im Prinzip alles, nur bitte sollten sie vorher die Erlaubnis ihres Menschen einholen.» Hierfür empfiehlt der Hundecoach folgende Herangehensweise: «Aufs Sofa zu dürfen, sollte ein Privileg sein, das nur der Halter dem Hund gibt.» 

In den ersten Wochen im neuen Heim, in denen der Hund meist sowieso nicht ohne Hilfe seines Halters klettern kann, sollte der das Sofa verboten sein. So lernt der Welpe, dass die Couch keine Option für ihn ist. Später gelte dann die goldene Regel: Nur mit Erlaubnis aufs Sofa. 

Nicht in jedem Haushalt funktioniert das jedoch reibungslos. «Es gibt Hunde, die mit dieser Art Privilegien überhaupt nicht umgehen können», erklärt Scheidegger. Dann versuche der Vierbeiner, die neu erworbene Ressource Sofa zu verteidigen. «Natürlich darf der Hund das probieren, da ist erst mal nichts Schlimmes dabei. Grundsätzlich muss aber der Halter entscheiden können, wie diese Ressource verwaltet werden darf.» Der Hundebesitzer müsse dem Vierbeiner stets verdeutlichen, dass dieser mit dem Privileg Sofa richtig umgehen muss. 

Ein absolutes Tabu für jeden Hundehalter sei die «Sofa-Verteidigung» des Vierbeiners dem Menschen gegenüber. Will der Hund die Liegestatt nicht teilen oder wird er sogar dem Menschen gegenüber übergriffig, müsse er sofort von der Liege runter. «Sonst läuft das Ganze entschieden aus dem Ruder», sagt der Hundetrainer.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der knurrende Hund Partner oder Gäste des Hundebesitzers nicht mehr aufs Sofa lässt. Mit der Hierarchie im Haus sei es dann schon längstens vorbei: «In solchen Fällen ist das Sofa nur die Spitze des Eisberges.» In dieser Hund-Mensch-Beziehung gäbe es somit grundlegende Probleme in der Rollenverteilung. Betroffenen rät Alain Scheidegger, den Sprung auf die Couch bis auf Weiteres zu verbieten und professionelle Hilfe zu suchen. Vom gemeinsamen Schmusen kann selbst diese Hund-Mensch-Beziehung derweil weiterhin profitieren. «Anstelle des Sofas kann man gerne mit dem Hund auf dem Boden kuscheln.»

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