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Kontaktspiele

Rollen und Tollen mit dem Hund

Hunde | Dienstag, 29. Januar 2019, Heidi van Elderen

Kontaktspiele kommen ohne Spielzeug und konkretes Trainingsziel aus. Viele Hundebesitzer brauchen erst einmal etwas Überwindung. Doch es lohnt sich: Denn gemeinsames Toben über die Wiese oder Herumkullern im Wohnzimmer bringen Spass und tun der Beziehung gut. 

Wenn Hunde mit Hunden spielen, brauchen sie nicht zwingend ein Spielzeug, um in Fahrt zu kommen: Den Auftakt macht oft einer der beiden Vierbeiner, indem er seinen Vorderkörper absenkt, mit dem Kopf schlenkert, pfötelt oder sich spielerisch auf den Rücken wirft. Dann galoppieren die Hunde umeinander herum, schleichen sich an, schlagen Haken und balgen. Charakteristisch für ein freundschaftliches Spiel sind die entspannte Mimik und grosse Körperbewegungen, die Rollen werden dabei regelmässig getauscht. 

An diesem ausgelassenen Spiel zwischen Hunden kann sich auch der Mensch orientieren, sagt Hundetrainerin Simone Colpi. «Man kann sich zum Beispiel anpirschen, sollte dann aber stehen bleiben, während der Hund kurz wegläuft ohne den Kontakt zu verlieren. Dann holt man ihn wieder zu sich heran.» Andere Spielmöglichkeiten seien: am Boden rumtollen, balgen oder blödeln. 

Von Fangspielen rät Colpi, seit 2005 Inhaberin der Hundeschule Colpi-Dog in der Region Aadorf TG, hingegen ab. «Viele Hunde wollen dann immer Nachlaufen spielen, wenn sich der Besitzer nähert, und bringen einen Ball oder anderes Spielzeug dann nicht mehr zurück, sondern rennen damit weg.»

Um den Hund zum Mitmachen zu animieren, reicht es oft schon, den Hund mehrfach anzustupsen oder sich in der «Tom und Jerry»-Manier anzupirschen. «Fast alle Hunde spielen gerne mit ihrem Besitzer. Und sehr viele Besitzer würden auch gerne mit ihrem Hund herumblödeln, sind aber sehr unsicher, wie sie es machen sollen, oder nutzen eine Körpersprache, die der Hund nicht versteht», sagt Colpi. Dann könne Einzelunterricht in einer guten Hundeschule helfen.

Gerade bei älteren Tieren oder bei Hunden, die nicht an Kontaktspiele mit dem Menschen gewöhnt sind – darunter sehr oft Tiere aus dem Ausland-Tierschutz – könne es schon einmal länger dauern, bevor sie die Spielaufforderung des Menschen verstehen. Man sollte deshalb dranbleiben und am Anfang in einer reizarmen Umgebung spielen – ganz nebenbei eine wunderbare Möglichkeit, an verregneten Herbsttagen auch im Haus aktiv zu werden. Mit ein bisschen Geduld, so die Erfahrung von Simone Colpi, kommen Kontaktspiele oft sogar bei Hunden gut an, die mit Spielzeug nur wenig anfangen können. 

Spielerisch Kommandos üben 
Nebstdem das Herumtollen mit dem Hund Spass macht, ist es eine gute Möglichkeit, spielerisch den Rückruf und andere Kommandos zu üben. Zudem bringt es den Kreislauf von Zwei- und Vierbeiner in Schwung und fördert Beweglichkeit und Körperkoordination. «Bei einem unsicheren Hund kann behutsam aufgebautes Spiel das Vertrauen zum Menschen und zu sich selber stärken. Dazu unterstützt man lobend, wenn er kontert und Eigeninitiative zeigt.» Bei respektloseren Hunden müsse man dagegen gut darauf achten, dass sie sich an die Regeln halten, warnt die Hundetrainerin. 

Wie wild und körperbetont so ein Kontaktspiel sein darf, hängt von der jeweiligen Mensch-Hund-Kombination ab. «Gegenseitiger Respekt sind das A und O beim Rumbalgen. Je nach Team darf es schon mal gröber zu und her gehen, aber immer nur spielerisch.» Der Besitzer setze die Grenzen und müsse diese jederzeit durchsetzen können, sagt Simone Colpi. Spielerisches Knurren ist normal und erlaubt. «Ich finde, man darf bis zu einem gewissen Grad auch die Zähne des Hundes spüren, schliesslich haben unsere Hunde nichts anderes, um sich festzuhalten. Aber natürlich muss eine Beisshemmung vorhanden sein.»

Unbedingt verzichten sollte man auf das Kontaktspiel, wenn ein Hund zu Aggressionen neigt. Bei Hunden, die sich im Spiel auf einmal nicht mehr spüren oder wie übermütige Kinder zu sehr aufdrehen, sei es wichtig, rechtzeitig Grenzen zu setzen.

Vorsicht ist auch geboten, wenn Kinder und Hunde herumbalgen – das sollte grundsätzlich nur unter Aufsicht eines Erwachsenen stattfinden. «Oft sind Kinder die besten Kumpels der Hunde und die Hunde passen ihr Spiel den Kindern an. Wird es aber zu grob und respektlos, können Kinder das oft nicht selber regeln und die Erwachsenen müssen eingreifen», erklärt die Hundetrainerin. Es kann vorkommen, dass ein Hund mit vielen Kindern umgänglich spielt, mit einem aber viel zu grob ist. Auch wenn Hunde im Spiel aufreiten, sollten sie unterbrochen werden.

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