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Häufchen im Haus

Plötzlich nicht mehr stubenrein

Hunde | Dienstag, 9. Oktober 2018, Annette Schmitt

Unsauberkeit beim Hund kann verschiedene Gründe haben: Freudige Erregung, Angst, Verunsicherung. Erst wenn man die Ursache für das scheinbar willkürliche Urinieren herausfindet, kann man an einer dauerhaften Problemlösung arbeiten.

Zeigt ein Hund plötzlich Unsauberkeit in der Wohnung, sollte zunächst einmal bei einem Tierarzt eine organische Ursache abgeklärt werden. Kann man dies zweifelsfrei ausschliessen, geht es im eigenen Umfeld respektive im Seelenleben des Hundes auf Spurensuche. Häufig verbirgt sich nämlich ein psychisches Problem dahinter. 

Verunsicherung könnte ein Grund sein. Hervorgerufen durch einen Umzug, beispielsweise. Vielleicht gibt es neuerdings einen vierbeinigen Rivalen im Nachbargrundstück. Selbstbewusste Hunde reagieren darauf mit verstärktem Markieren des eigenen Reviers. Sensiblere Vertreter könnten jedoch eingeschüchtert sein und möchten daher vielleicht im Freien überhaupt keine Duftmarken mehr hinterlassen. 

Eventuell ist der Vierbeiner aber auch verwirrt, wenn er nicht weiss, wo er pinkeln darf und wo nicht. Strafen bezieht er dann nicht auf die Tat selbst, sondern auf den Tatort. Daher erledigt er sein Geschäft unbeobachtet im Haus, oft nachts an versteckten Orten. «Unsichere Hunde brauchen Zeit zum Lösen», erklärt Pamela Ott von der Hundeschule Sofasprinter in Stadel / Windlach ZH. Wenn allerdings die Hundebesitzerin oder der Besitzer beim Spaziergang unter Zeitdruck steht, gehe das am Hund nicht spurlos vorbei. Er folgert aus der Stressituation: Hier und jetzt wird nicht gepinkelt. 

Pfütze bringt Aufmerksamkeit
In der für den Hund gewohnten Umgebung, sprich zu Hause, uriniert der Hund dann auf den Teppich. «Wird er daraufhin vom Halter beschimpft oder ermahnt, interpretiert der Hund dies als: Lösen daheim ist in Ordnung, aber nie in Gegenwart des Halters. Und deshalb löst er sich, wenn der Hundehalter nicht mehr da ist», sagt Ott. 

Es kann aber auch sein, dass ein Vierbeiner den überstandenen Schmerz nach einer ausgeheilten Blasenentzündung oder Verstopfung mit der Angst vor dem Toilettengang verbindet. Hier hilft nur Ruhe bewahren, gutes Zureden und viel Lob für die erfolgreiche Erledigung des Geschäftes. Nach und nach wird sich der einstige Patient wieder an ein schmerzfreies Lösen erinnern.

Eifersucht kann ebenfalls ein Grund sein. Wurde ein Hund beispielsweise während einer Krankheitsphase allzu verwöhnt oder muss er sein Heim plötzlich mit anderen Mitbewohnern teilen, möchte er mit dem Urinieren im Haus eventuell nur Aufmerksamkeit erregen. In solch einem Fall heisst es: Pfütze und Übeltäter zunächst zu ignorieren und die Lache erst entfernen, wenn der Hund weg ist.

Hunde, die es gewohnt sind, immer im Mittelpunkt zu stehen, können ein ähnliches Phänomen an den Tag legen. Werden sie plötzlich nicht mehr, wie bis jetzt gewohnt, beachtet, versuchen sie ihr Glück mit Demonstrationspfützen, wobei sie nicht nur auf Fussböden, sondern auch auf Taschen, Schuhe oder Kleidungsstücke urinieren. Mithilfe eines gezielten Trainings lernt der Hund, dass er nicht der Nabel der Welt ist, und wird bald wieder sauber sein. Ein kompetenter Hundetrainer kann dabei unterstützend helfen.

Vielleicht handelt es sich aber auch um einen besonders cleveren Vierbeiner, der einfach längere Spaziergänge erzwingen möchte, indem er sein Geschäft möglichst lange hinauszögert. Ungeduld der Halterin oder des Halters könne beim Hund eine Handlungskette auslösen, sagt Otts Kollegin Barbara Forster. Wenn man gleich nach dem Lösen des Hundes nach Hause eilt, bedeute das für den Hund: Pinkeln = Abbruch vom Spaziergang. Deshalb lässt er sich damit von nun an Zeit, folglich dauere sein Spaziergang länger. In einem solchen Fall sind feste Gassi-Zeiten wichtig. Ausserdem sollte man noch mindestens fünf bis zehn Minuten weitergehen, nachdem der Hund gepinkelt hat.

Verstehen statt strafen
Selbst Unterwürfigkeit kann zu Unsauberkeit führen, wenn der Halter oder die Halterin zu streng sind. «Submissives Urinieren beim Hund ist eine Demutsgeste», erklärt die Hundetrainerin. «Der Hund kauert am Boden, legt sich auf den Rücken oder kriecht demütig am Boden entlang. Gleichzeitig wird die Blase entleert. Somit wird die Aufmerksamkeit auf den abgesetzten Urin umgelenkt.» 

Ein weiterer Grund für In-die-Wohnung-Pinkeln kann übermässige Erregung sein, zum Beispiel wenn Frauchen oder Herrchen nach Hause kommt, den Hund überschwänglich begrüsst und es zulässt, dass sich der Hund in die Wiedersehensfreude hineinsteigert und seine Blase entleert. Daher gilt: Das Nach-Hause-Kommen als normales Geschehen vermitteln und zur Tagesordnung übergehen. 

Ist der Vierbeiner sehr viel alleine und ist er plötzlich nicht mehr stubenrein, fühlt er sich eventuell einsam. «Der Verlust seiner Sozialkontakte bewirken bei ihm Erregung und Angst. Als Folge kann das willentlich nicht steuerbare, vegetative Nervensystem auch mit Unsauberkeit reagieren», sagt Pamela Ott. Ein systematisches Training ähnlich dem des Begrüssungsrituals nach der Rückkehr des Halters sei hier essenziell. «Je ruhiger man sich seinem Hund gegenüber verhält, umso schneller lernt er seine Reaktionen wie freudige Erregung oder Ängste unter Kontrolle zu halten.»  

Auf keinen Fall darf plötzlichen Unsauberkeiten mit impulsiven Strafmassnahmen begegnen werden. So ist auch das Hineinstupsen der Hundenase in die Hinterlassenschaft unangebracht. An erster Stelle muss stets die Ursachenforschung stehen, die mithilfe eines erfahrenen Hundetrainers rasch zu einem Ergebnis führt. Daraufhin folgt eine Verhaltensänderung seitens des Besitzers – und schliesslich auch des Hundes. 

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