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Gelenksbeschwerden

Wenn Hunde an Arthrose leiden

Hunde | Dienstag, 10. Oktober 2017, Tanja Warter, Tierärztin

Kommt ein Hund ins Alter, sind es oft die Gelenke, die zuerst Beschwerden bereiten. Aber auch junge Tiere können unter Arthrose leiden. Heilen kann man die Krankheit kaum, aber dem Hund die Schmerzen nehmen. 

Golden Retriever Leo tobte für sein Leben gern durchs Haus. Wenn er in der Früh die Schritte seines Frauchens hörte, war er immer in Windeseile beim Schlafzimmer. Seit einigen Monaten – Leo ist nun neun Jahre alt – hat er damit aufgehört. Vor allem am Morgen dauert es lang, bis er aus seinem Körbchen aufsteht, sich streckt, manchmal dabei leicht aufjault und dann die ersten Schritte wagt. Es ist eindeutig: Leo hat Schmerzen, wenn er sich bewegt.

Arthrose in den Gelenken alter Hunde kommt oft vor, bis zu 90 Prozent der Vierbeiner leiden irgendwann im Leben darunter. Am häufigsten sind Knie- und Hüftgelenk betroffen. Auf den Gelenkflächen, die aus Knorpel bestehen und im gesunden Zustand besonders glatt und gleitfähig sind, bilden sich kleine Unebenheiten, das Knorpelgewebe degeneriert, jede Bewegung schmerzt. Splittern noch einzelne Stückchen ab und schwimmen dann lose in der Gelenkkapsel umher, kommt es schnell zu einer Entzündung und zu einem geschwollenen Gelenk. Die Krankheit schreitet immer weiter fort. In schweren Fällen verliert das Gelenk seine Beweglichkeit.

Arthrose ist nicht gleich Arthrose
Meist entsteht Arthrose durch Überbeanspruchung, durch lebenslange Nutzung. Aber auch Übergewicht kann zu Arthrose führen, weil die Knorpelflächen dadurch permanent besonders starken Kräften ausgesetzt sind. Ebenso können Fehlstellungen, Unfälle oder Mangelernährung dazu führen, dass sich der Knorpel krankhaft verändert.

Arthrose ist nicht gleich Arthrose, denn die Symptome sind je nach Ausprägung und Fortschritt ganz unterschiedlich. Es gibt Fälle, die lange Zeit unbemerkt bleiben, weil der Hund gar nichts spürt. Dann gibt es Patienten, die schon bei der geringsten Unebenheit auf der Gelenkfläche wimmern und heulen. 

Vorhersehbar ist der Verlauf nicht. In vielen Fällen lahmt der Hund anfangs nur gelegentlich. Nach und nach entwickelt sich eine dauerhafte Lahmheit. Markant: Bei Arthrosen, die schon im jungen Alter auftreten, werden die Schmerzen während der Belastung in der Regel schlimmer. Ganz anders bei der Altersarthrose, von der auch Golden Retriever Leo betroffen ist. Die Morgensteifigkeit ist ein typisches Symptom. Aber Hunde wie Leo laufen sich mit der Zeit ein, die Lahmheit wird also mit der Bewegung besser. 

Stichwort Knorpel
Das wichtigste Merkmal von Knorpelgewebe ist seine besondere Struktur mit einer Mischung aus Fasern und aus verformbarer Grundsubstanz. Damit ist Knorpel gleichzeitig extrem stabil und elastisch. Man unterscheidet drei Arten von Knorpel.

 

1. Hyaliner Knorpel: Er befindet sich beim erwachsenen Tier an den meisten Gelenkflächen, an den Rippen, in der Luftröhre und der Lunge. Seine Belastbarkeit ist enorm, gleichzeitig ist er gleitfähig und stossdämpfend. Er ist glatt, glänzt wie poliert und schimmert bläulich.

2. Elastischer Knorpel: Er bildet beispielsweise die Ohrmuschel und den Kehldeckel und ist typischerweise gelb gefärbt. Der Aufbau ist dem des hyalinen Knorpels zwar ähnlich, er verfügt aber über viel mehr elastische Fasern. Darum lässt sich ein Ohr leicht umbiegen.

3. Kollagenfaseriger Knorpel: Er ist in den Bandscheiben oder im Meniskus zu finden und vor allem widerstandsfähig gegen Kräfte, die in entgegengesetzte Richtungen wirken.

 

Neben dem schwerfälligen Aufstehen am Morgen gibt es weitere Anzeichen für Altersarthrose: Wenn der Hund keine Treppen mehr steigen will oder nicht mehr ins Auto springt, sind das wichtige Hinweise. Wetterfühligkeit ist auch ein Indiz.

Schwimmtraining hilft dem Hund
Oberstes Ziel in der Therapie ist es, dem Tier die Schmerzen zu nehmen. Also kommen Schmerzmittel zum Einsatz. Welche und in welcher Dosierung, muss der Tierarzt sorgsam anhand anderer Fragestellungen entscheiden: Wie gut sind die Nieren? Wie geht es dem Magen-Darm-Trakt? Schmerzmittel gegen Arthrose müssen regelmässig und dauerhaft eingenommen werden, weshalb man schon im Vorfeld auf Nebenwirkungen wie Verdauungsprobleme oder Übelkeit gefasst sein sollte. 

Neben den Medikamenten ist kontrollierte Bewegung wichtig. Schwimmen im warmen Wasser hat einen positiven Effekt, professionelle Physiotherapie ebenfalls. Daneben gibt es beim Tierarzt Futter mit knorpelschützenden Substanzen. Auch alternative Methoden wie Homöopathie oder Goldakupunktur werden angeboten. In seltenen, schweren Fällen muss man eine Operation in Erwägung ziehen.   

Altersarthrose, die oft in mehreren Gelenken gleichzeitig auftritt, lässt sich nicht heilen. Aber die Medikamente werden stets besser und schonender. Bei etlichen Hunden gelingt eine Schmerzfreiheit über Monate, manchmal sogar Jahre.

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